Geplante und bereits durchgeführte Maßnahmen:
Was tun die Tal-Gemeinden gegen die Energiekrise?

von Simon Haslauer

Viele Menschen blicken in Bezug auf die Energiekrise mit Sorge auf die kommenden Wintermonate. Die EU-Länder sind nun sogar dazu angehalten, etwa 15 Prozent Gas zu sparen. Doch was machen eigentlich die Gemeinden rund um den Tegernsee gegen die Energiekrise? Wir haben mit den Tal-Bürgermeistern gesprochen: So wollen sie das Tal durch die Krise manövrieren.

Jetzt heißt es Energie sparen, auch im Tal – aber wie? Wir haben die Bürgermeister gefragt.

Die Knappheit von Öl und Gas durch die Invasion Russlands in der Ukraine hat weitreichende Folgen. Seit Kriegsstart kletterte der Gaspreis zuweilen auf das Doppelte. Viele Menschen blicken nun mit Vorsicht in Richtung der kommenden Herbst- und Wintermonate. Was sagen die Entscheider am Tegernsee zu diesen Umständen – wo wird jetzt gespart?

Denn mit dem 01. August wurden alle EU-Länder dazu angehalten, Gas zu sparen. Etwa 15 Prozent sollen die EU-Länder freiwillig bis zum 31. März 2023 einsparen. Die Prozente beziehen sich dabei auf den Durchschnittsverbrauch der Länder im gleichen Zeitraum. Die Süddeutsche Zeitung berichtet außerdem: „Falls nicht genug gespart wird und es weitreichende Versorgungsengpässe gibt, kann ein Unionsalarm mit verbindlichen Einsparzielen ausgelöst werden.“

Laut Daten des Miesbacher Landratsamts verbraucht Tourismus, Industrie und Gewerbe sowie Privatkunden etwa 46 Prozent der verbrauchten Energie im Landkreis. Damit fallen 56 Prozent der Energie auf die Kommunen und gemeindliche Einrichtungen des Landkreises. Was bedeutet das für das Leben am Tegernsee, für Feste, Events oder Freibäder? Wir haben die Tal-Bürgermeister gefragt.

Wiessee startet Energie Task-Force

Bereits Ende Juni schlossen sich Mitarbeiter der Verwaltung und des Kommunalunternehmens der Gemeinde Bad Wiessee zu einer Energie Task-Force zusammen. Man wolle, so Bürgermeister Robert Kühn (SPD), mögliche Einsparpotentiale im Energieverbrauch in der Gemeinde identifizieren. Zudem betont der Bürgermeister:

Wir wollen als Gemeinde Energiesparen vorleben und dadurch die Bürger*innen zum Energie sparen anregen. Ebenso werden wir über Bürgerboten und soziale Medien dazu auffordern.

Eine Energieberatung gibt es in Wiessee nicht. Jedoch biete die Energiewende: Oberland diesen Service an, so Kühn und erklärt: „Hier sind wir ebenfalls Partnerkommune.“ Das größte Einsparpotential sehe Kühn momentan in der Straßenbeleuchtung.

Energiesparen in Gmund: 36 Maßnahmen geplant

Aus der nördlichsten Tal-Gemeinde heißt es währenddessen, Gmund könne schon auf sehr gute Strukturen zurückgreifen. So wurde bereits ein Energienutzungsplan erarbeitet. Seit 2021 ist die Gemeinde auch Mitglied im Energieeffizienznetzwerk Oberland. Außerdem, betont Gmunds Bürgermeister, Alfons Besel (FW):

Darüber hinaus setzt sich der Agmunda Arbeitskreis Energie intensiv mit dem Thema Energie auseinander.

Der ist auch der Ansprechpartner für Energieberatung. Zudem gebe es auch sehr gute Energieberater in der Gemeinde, betont Besel. Fürs Erste seien 36 Maßnahmen geplant, um den kommunalen Energiebedarf in Zukunft deutlich zu reduzieren. „Energetische Sanierungen, Umstellung der Warmwasserbereitung, Einrichtung eines kommunalen Energiemanagementsystems, Errichtung einer Solarthermieanlage, Errichtung von Fotovoltaikanlagen, usw.“, zählt der Bürgermeister auf.

LEDs für Kreuth

Im Bergsteigerdorf am südlichen Ufer des Tegernsees wird aktuell laufend geprüft, wo Energie eingespart werden kann. „So hat die Gemeinde Kreuth in den vergangenen Jahren zum Beispiel Schritt für Schritt die Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel umgestellt“, erklärt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Dieses Jahr konnte der letzte Teil der Straßenbeleuchtung umgestellt werden. Weiter informiert Bierschneider:

Darüber hinaus prüfen wir gerade – zusammen mit den anderen Talgemeinden und dem E-Werk –, in welchem Maß Straßenbeleuchtung bei einem Versorgungsengpässe gegebenenfalls reduziert werden kann, ohne dass die Verkehrssicherungspflicht verletzt wird.

Wie auch andere Gemeinden will Kreuth seine Bürgerinnen und Bürger im Gemeindeboten über Energiesparmaßnahmen informieren.

Rottach-Egern dreht Warmbäder runter

Eine eigene Task-Force, ähnlich wie in Wiessee, gibt es in Rottach-Egern nicht. „Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Jours Fixes widmen wir uns natürlich auch zunehmend dem Thema Energiesparen in der Gemeinde Rottach-Egern“, sagt Bürgermeister Christian Köck (CSU) dazu.

Für eine Energieberatung verweist Köck auf das Miesbacher Landratsamt. Dort gebe es kompetente AnsprechpartnerInnen. An den Einsparmaßnahmen wird aktuell noch gearbeitet. So betont Köck: “Gemeindehäuser werden nach und nach energetisch
saniert. Die Grund- und Mittelschule bekommt gerade eine neue Heizungsanlage und das Dach des Altbaus wird nun in den Sommerferien energetisch saniert und neu gemacht.” Außerdem:

Im See- und Warmbad haben wir die Wassertemperatur bereits gesenkt, um Energie zu sparen.

Zudem wurde die Temperatur in den Fahrzeughallen des Bauhofs heruntergedreht. Auch an der Straßenbeleuchtung wird aktuell gewerkelt. „Alte Leuchtmittel werden durch LED-Technik, die verbrauchsärmer ist, ersetzt“, informiert Köck.

Tegernseer Rathaus im Dunklen

Straßenbeleuchtung war bis jetzt für jede Gemeinde ein großes Thema. So auch für Tegernsee. Bürgermeister Josef Hagn (CSU) weiß:

Die Straßenbeleuchtung an der Schwaighofanlage, Point mit Seeuferweg, Seesauna bis Café am See ist auf sogenannte Halbnachtschaltung umgestellt. Die Beleuchtung wird ab Mitternacht abgestellt.

Ebenfalls werde gerade geprüft, ob eine solche Halbnachtschaltung auch im Kurgarten möglich sei. „Zur Erläuterung: die Beleuchtung von Straßen und Wegen kann für einzelne Bereiche nur dann abgeschaltet werden, wenn die technischen Voraussetzungen bestehen“, betont Hagn. Viele Lampen hängen an einer Stromleitung, zuerst müsse das Stromnetz angepasst werden. Die Beleuchtung am Rathaus ist bereits abgeschaltet.

Und was macht das Landratsamt?

Zuletzt richtete die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Anfrage an das Miesbacher Landratsamt. Sie beauftrage die Verwaltung damit, kurzfristig mögliche Energiesparmaßnahmen für alle landkreiseigenen Liegenschaften bei der kommenden Kreistagssitzung darzustellen und gegebenenfalls bereits zu Beginn der Heizperiode umzusetzen.

Der Landkreis verfüge nämlich über Liegenschaften, bei denen Energieeinsparungen in den Bereichen Gas, Strom und gegebenenfalls Öl möglich seien. Abschließend betont die Partei im Rahmen der Anfrage: “Dieses Potenzial muss genutzt werden, um den Forderungen der Bundesregierung nachzukommen und unseren Beitrag zum Energiesparen zu leisten.”


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