Feuerwehrkommandant Winkler zu Starkregen-Risiken in Tegernsee
Was, wenn es uns bis zum Hals steht?

von Martin Calsow

Im Westen Deutschlands hat der Starkregen für eine Katastrophe gesorgt, Menschenleben gefordert. Wie sieht das bei uns im Tal aus, wenn es zu so einer rasend schnell verlaufenden Entwicklung kommt? Wir fragen den Tegernseer Feuerwehrkommandanten Wolfgang Winkler.

Die Feuerwehr Tegernsee im Einsatz. / Quelle: Wolfgang Winkler

Herr Winkler, wir sehen die Bilder aus NRW und Rheinland-Pfalz. Ortschaften saufen binnen weniger Stunden ab. Aus Bächen werden unkontrollierbare Flüsse, die alles mitreißen. Auch wir kennen Hochwasser, aber sind wir auf solche Situationen vorbereitet?

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Wolfgang Winkler: Da muss man zwei Dinge auseinanderhalten. Wenn der Seepegel steigt, können wir uns gut vorbereiten. Wir kennen auch aus der Vergangenheit die kritischen Punkte, können dementsprechend im Vorfeld reagieren. Aber die Situation in NRW und R-P war ja die Heftigkeit und die Menge des Regens. Das ist nicht planbar. Da können auch wir nur reagieren.

Tegernsee ist ein Hangort. Bestehen hier andere Risiken als in anderen Orten?

Wolfgang Winkler: Naja, die Risiken sind ja schon bekannt. Erst im letzten Jahr ist an der Neureuth ja ein Hang abgegangen. Aber generell kennen wir neuralgische Punkte. Generell bestehen in der Bergregion zusätzliche Gefahren durch Murrenabgänge und Hangrutsche, dies ist aber kein neues Problem, und in diesem Bereich haben wir auch keine Zunahme in den letzten Jahren gemerkt. Das letzte wirklich größere Problem welches wir hatten, liegt ca. 50 Jahre zurück.

So wie den Alpbach?

Wolfgang Winkler: Der ist bei so einer Lage vermutlich gar nicht so sehr das erste Problem. Der wird vom Wasserwirtschaftsamt und von der Stadt Tegernsee sehr gut gewartet. Schwierig und völlig schwer einschätzbar sind die kleinen Bäche, die, die über Höhenweg zum Beispiel kommen, und die, wenn die Wetterlage dort so ist, sehr schnell anschwellen können. Das wird dann ein Problem.

Haben solche Wetterlagen in Ihrer Wahrnehmung in den letzten Jahren zugenommen?

Wolfgang Winkler: Vielleicht nicht in der Zahl, aber in der Heftigkeit, das spannen wir schon, und wir mussten auch nachrüsten.

In welcher Form?

Wolfgang Winkler: In den letzten Jahren wurde stark in zusätzliche Ausrüstung investiert, es wurden zusätzliche Schmutzwasserpumpen angeschafft und es wird eine gewisse Anzahl an Sandsäcken vorgehalten. Auch das geplante Feuerwehrhaus wird uns zukünftig ganz andere Möglichkeiten bieten, weil es autark betrieben werden kann, werden wir in der Lage sein den Einsatzbetrieb ohne größere Einschränkungen rund um die Uhr in Katastrophenfällen sicherzustellen. Zudem bietet es uns die Möglichkeit eine größere Anzahl an Personen schnell zu evakuieren und zu betreuen.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

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