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Besser sterben im Tal - Das Leben mit Anfang 50

Wellness-Oase oder Gottes Wartesaal?

Von Martin Calsow

Frauen altern wie Rotwein – sie werden immer besser. Männer sind wie offene Milch. Irgendwann riecht es halt. Unser Autor liegt nun vier Jahre über dem Altersdurchschnitt im Tal. Da fallen ihm an sich und anderen ganz neue Dinge auf. Er gießt sie in Kolumnen. Heute: Das Tal als Wellness-Oase oder doch eher Gottes Wartesaal?

Nur mit Stock zum See – es droht der Killerschwan

Eine Kolumne von Martin Calsow:

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Neben dem lukrativen Geschäft, die Natur zuzupflastern, gibt es im Tegernseer Tal noch eine weitere nie versiegende Geldquelle: das Versprechen von ewiger Schönheit und Gesundheit. Ob Basenbäder oder „Fett weg in zwei Wochen“ an der Hauptstraße in Rottach. Noch gilt das nur für die Ehefrau des sauerländischen Bauunternehmers und den gut ausgebauten Tennislehrer der Beton-Herstellerin, denn das Körper-Update ist nicht billig. Aber warte nur ein Weilchen…

Die Reise nach Elendistan

Anfang Zwanzig, der eine oder andere Leser dürfte sich noch vage an diese Zeit erinnern, hatten Männer zwei Leiden: Akne und Kater. Lange kam man als Mann im Tal durchs Leben mit einem gesunden Selbstbild. Während Frauen sich schon früh verzweifelt vor dem Spiegel an die Oberarme fassten, schlug sich der Mann zufrieden auf die Wampe und fand: Passt.

Aber über die Jahre kommt durch die Hintertür ein anderer Feind – das lästige Zwicken, die peinliche Krankheit. Nervig bestenfalls, aber nicht spektakulär, dafür chronisch. Irgendwann lauscht man, wie Frauen über ihre Männer sprechen („…der ist so Ritter Sport: quadratisch, praktisch, gut“ oder „…meiner räuspert sich immer so“ oder „…schmutzt dei Mo a‘?“). Das ist der Startschuss für die Reise nach Elendistan, beziehungsweise den Ritt in den Sonnenuntergang, oder man schließt sich dem eigentlich aussichtslosen Kampf gegen das Verrotten an.

Erste Anzeichen: In der Apotheke reicht einem die beflissene Fachkraft die Tablettendose mit verschiedenen Fächern, nach Wochentagen sortiert. Dann die regelmäßigen Termine beim Physiotherapeuten, der verzweifelt versucht, das Schlimmste zu verhindern. Danach kommt dann die künstliche Hüfte und das leichte Stöhnen beim Ein- und Aussteigen des Autos, ganz zu schweigen vom etwas stockbeinigen Gang am frühen Morgen. Irgendwann ist Stille, man wird gefüttert.

Kampf dem Ranzen: Yoga oder Fasten?

Was tun? Hier bieten Laienpraktiker und Pseudomediziner basische Bäder für den übersäuerten Körper an, dort dehnen sich Damen und mitgeschleppte Männer, und es heißt Yoga. Meist wird der Kurs von einer Dürren mit langen Haaren und ebensolchen Beinen durchgeführt, die voll auf Zauberzucker, auch bekannt als Homöopathie steht. Schön und gesund im Alter. Was gibt es da für herrliche Vorbilder. Wer möchte nicht aussehen wie Antje-Katrin Kühnemann? Denn während früher die Witwe bis zum Boandlkramer-Arrival züchtig in Schwarz blieb, kann im dritten Lebensalter, wenn der Erst- oder Zweitmann für immer gegangen ist, durchaus noch eine junge Partie auf die Dame zukommen.

Für Männer gilt das nur bedingt. „Sugar Daddy“ ist der böse Begriff. Heute will Mann nicht mit enger Rothose neben einer dreißig Jahre jüngeren Dame mit Kunstgeschichtsstudium-Background sitzen. Also bleibt man bei Mutti und bekommt kulinarisch die Hölle auf Erden serviert. So wird irgendwann aus einer normalen Bratwurst ein Bärlauch-Fleischimitat nach Jamie Oliver. Weißbrot ist vom Satan, Zucker füttert den Krebs und macht Falten. Scheinbar Geschickte verzichten, zeitlich überschaubar, auf Luzifers Lebensmittel, fasten im Spätwinter, in der Hoffnung, der Ranzen möge bis zum Frühjahr verschwinden. Trügerisches Tun:

Man gehe nur ins Bräu, wo vierhundert Jahre und fünfhundert Kilo Männer an einem Tisch sitzen, und sich so dufte finden, dass sie den jungen Damen am Nebentisch halbseidene Komplimente machen. Und die wenigen erfolgreichen Klassenstreber, wie mein Kollege Klaus Wiendl, der schlank und fit auch jenseits der 50 gefühlt jeden Tag zur Neureuth wandert, sind dann doch Einzelfälle, die die Latte jedoch sehr hoch hängen.

Bisherige Kolumnen:


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