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Ein Kommentar zur Krisenstimmung in der Corona-Pandemie

Weniger Angst, mehr Zuversicht

Von Martin Calsow

Es ist eine Krise. Keine Frage. Muss deswegen die Höflichkeit und gute Laune verschwinden? Etwas mehr Optimismus täte uns gut. Lassen wir uns von Panikmachern und Apokalyptikern nicht das Leben in Zeiten der Pandemie völlig versauen. Das findet unser Kolumnist Martin Calsow.

Angst vs. Vernunft.

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Sicher – Die allermeisten von uns sind nur genervt von Covid 19 und den Regelungen der Politik. Aber es gibt eben auch zunehmend Menschen, die sich schwere Sorgen machen, die schlicht paralysierende Angst vor einer Erkrankung haben, die angesichts immer neuer Vorgaben und Einschränkungen in Verzweiflung geraten.

Jetzt kann man da mit den Schultern zucken. Ist halt so. Aber in dieser Krisenstimmung braucht es mehr und mehr Stimmen, die Zuversicht und Optimismus ausstrahlen. Ja, Angst hilft bei der Durchsetzung von wichtigen Entscheidungen. Ja, auch wir, die Medien, haben zu lange die Taste gedrückt gehalten. Ein Fehler. Denn Angststarre schlägt zuweilen auch um: In Wut oder gar in unkontrollierbaren Widerstand.

Mit den Regelungen tauchen auch unangenehme menschliche Eigenschaften auf: Da wird die besorgte Mutter im Supermarkt zur Abschnittsbevollmächtigten, Gäste zu Denunzianten, weil Service-Kräfte nach acht Stunden mit Maske sich einmal freimachen. Niedertracht greift um sich – aus Angst. Muss das sein?

Es wird besser!

Wie wäre es mit: “Kommt Kinder, noch ein paar Wochen der Dunkelheit, aber das Ende ist nah. Es wird ein Impfstoff kommen. Es wird besser. Wir kommen da raus.”

Warum? Wir sind eines der bestorganisierten Länder der Welt, haben ein Gesundheitssystem, um das uns alle um uns herum beneiden. Wir haben keine Populisten an der Macht, sind alle mehr oder weniger von einer aufgeklärten Bildung geprägt. Wir haben in diesem Land schon so Großartiges (Wiedervereinigung, Flüchtlingskrise, das Ende des Dschungelcamps) gewuppt. Wir wuppen auch diesen Mist. Mehr Zuversicht in Medien und in der Politik stünde uns gut an. Und wenn Dir ein Skeptiker sagt: “Es ist doch alles nicht so schlimm”, dann musst Du ihn ja nicht gleich weggrätschen. Es ist ja gut, wenn Menschen zweifeln. Das ist das Grundgewürz unserer Demokratie. Traue Politik nur bedingt, bediene Dich Deines eigenen Verstands.

Klar, bei Verschwörungsgefasel hört man weg. Aber keiner hat derzeit die Wahrheit gepachtet. Mit Angstbildern Politik zu betreiben, zeigt zweierlei: Politik und Medien vertrauen Bürgern und Kunden nicht. Und: Mit Angst lässt sich für lange Zeit einfacher regieren und Leserschaft bilden, als mit komplexen Erklärungen und Geständnissen eigener Fehler. Aber wir sind alle keine dumpfe Masse, die vor sich hinvegetiert. Wir sind für unser Wohl eigenverantwortlich. Wir können Solidarität auch ohne staatliche Verordnung. Erinnern wir uns einander daran.

Leute, reißt euch zusammen

Etwas mehr Lächeln (draußen, ohne Maske, ich weiß), weniger Miesepetrigkeit täte uns gut. Sitzen wir nicht am Abendbrottisch und überbieten uns mit Horrorszenarien. Gerade wir hier im Tal erleben einen grandiosen Herbst, haben Ausgehmöglichkeiten, können uns ausbreiten. Bieten wir Hilfe jenen an, die unter den Maßnahmen leiden, sparen wir uns Zurechtweisungen, den billigen Sarkasmus in den Kommentarspalten der Foren und ergehen uns nicht in Angst-Szenarien.

Diese Inzidenz-Zahl ist kein Goldenes Kalb. Es ist ein Hinweis: Leute, reißt euch zusammen. Aus Infizierten können sehr kranke Menschen und sehr volle Intensivstationen werden. Aber zu dem Satz gehört eben immer auch: Wir können das bewältigen und: Es wird besser!


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