Das 9-Euro-Ticket im Oberland
Wenn Bahn keinen Bock auf Bahn hat

von Filiz Eskiler

Im August zieht das 9-Euro-Ticket die letzte Tarifrunde. Die kontroverse Diskussion schon vor der Einführung des Einheitstickets im Regionalverkehr zeigte: die Falschen tragen die Verantwortung. Kommt ab Herbst etwa eine Kursänderung?

So idyllisch sieht Bahnfahren im Oberland nur von außen und auf den Bildern der BRB aus. / Quelle: BRB

Ein Kommentar einer wütenden Bahnfahrerin:

Seit Juni gibt es das erfolgreiche 9-Euro-Ticket. Mittlerweile wurden laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VPV) bereits rund 38 Millionen Tickets verkauft. In den Netzen der BRB seien es etwa 375.000. Damit ist ÖPNV nutzen simpler denn je. Für Zugfahrer ist es eine finanzielle und psychische – an den vielen Tarifen sind schon einige Köpfe zerbrochen – Entlastung. Und im besten Fall verzichten Menschen hin und wieder deswegen aufs Auto. Klar, gerade die Bayerische Regiobahn (BRB) im Landkreis Miesbach ist dauerverspätet, schrecklich überfüllt und gibt einem Club-Vibes. Man klebt oft an verschwitzten Fremden, Zug-Kenner haben vermutlich immer einen Drink dabei. Aber an diesen Zuständen hat nicht das 9-Euro-Ticket Schuld, auch wenn das Verantwortliche gerne behaupten.

Der BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann hat sich schon vor dem Einsatz des 9-Euro-Tickets gegen günstigen ÖPNV positioniert. Er prophezeite einen „Over-Kill“ im Oberland und hält das 9-Euro-Ticket, das besonders finanziell belasteten Familien helfen soll, für „verschwendetes Geld“. Man hätte es auch für 29 Euro verkaufen können, meint er, dann hätte das Produkt eine „Werthaltigkeit“ gehabt. Wenn schon Gewinn, warum nicht mehr? Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen macht’s besser, und schlägt ein 69-Euro-Ticket als Nachfolge vor. 69 Euro pro Monat also. Mit dem Preis sollen „Mehrverkehre”, wie beim 9-Euro-Ticket, auf einem vertretbaren Maß gehalten werden“. Oder anders gesagt: Es soll sich nicht jeder leisten können.

Keiner hat Bock auf Bahn – auch wir Gäste

Auch die Gewerkschaften EVG und GDL schlagen auf das kostengünstige Angebot ein: „Das ist der absolute Super-GAU“ und „Das 9-Euro-Ticket macht krank“ lassen sie sich zitieren. Dabei ist es nicht das 9-Euro-Ticket, das die schlimmen Zustände bei der DB und bei der BRB verursacht hat. Jahrzehntelang hat sich weder Politik noch die Bahn um ihre Strecken gekümmert. Störanfälligkeiten und zu alte Anlagen sind gewollt, mindestens in Kauf genommen. “Einigermaßen pünktlicher Zugverkehr” sei auch im Oberland „kaum mehr möglich“, weiß der bayerische CSU-Verkehrsminister, dessen Partei seit 1946 mit zwei kurzen Ausnahmen die Stellung in seinem Ministerium hält, damit ja nichts in Sachen Bahn vorangeht.

Aber keine Sorge: es wird schon gefordert, gewollt, gesagt. Eine “Generalsanierung” der Schienennetze auch Richtung Tegernsee und Bayrischzell sind angekündigt. Die Deutsche Bahn und die Regierung versprechen, dass sie sich jetzt wirklich drum kümmern wollen – ganz ehrlich! Von Umsetzungen, geschweige denn Plänen sind wir allerdings noch weit entfernt. So beschwert sich BRB-Chef Schuchmann in einer aktuellen Pressemitteilung über die “marode Infrastruktur” in den Netzen. Dazu betont er: “Dieses Problem wird uns noch lange begleiten und hat während der drei Monate zu viel Verärgerung geführt.” Von Maßnahmen oder Plänen liest man leider nichts.

Immerhin halten die schrecklichen Zustände mindestens ein paar Leute davon ab, das 9-Euro-Ticket zu nutzen – Glück gehabt, Herr Schuchmann. Bis sich tatsächlich was bessert, können wir wie gewohnt bei den nächsten Problemen im Landkreis Miesbach Berichte lesen, wie die BRB gegen die Deutsche Bahn pöbelt. Fürs Erste wird das Zugfahren auf jeden Fall wieder teurer. Man müsse sich sehr bald auf Preiserhöhungen einstellen, meint Schuchmann.

Bis dahin kann man dem satirischen Twitter-Account der BRB folgen, der ganz selbstironisch tweetet: „Teilausfall zwischen: Tegernsee und Schaftlach #mobilimherzenbayerns“.


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