Ein Kommentar zur Entscheidung über Haslbergers Saurüsselalm

Wer verkauft hier seine Überzeugung?

Von Martin Calsow

In dieser Woche wird der Bad Wiesseer Gemeinderat über das neue Projekt des Betonbarons Haslberger tagen: die Saurüsselalm. Das wird für manche ein Test der eigenen Glaubwürdigkeit werden.

Die Saurüsselalm von Franz Josef Haslberger am Bauer in der Au. / Quelle: Peter Posztos

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Für einfache Gemüter ist die Eröffnung einer neuen Alm eine tolle Sache. Wieder ein neuer Event-Ort. Wieder ein Grund, hinauf in die Wälder mit Mann und Maus, Kind und Kegel zu stapfen. Schafft sogar die fußlahme Verwandtschaft aus der Stadt. Für etwas differenzierter denkende Menschen liegt der Fall dagegen ein wenig anders:

Braucht’s denn noch mehr Ziele für noch mehr Tagestouristen? Aber da der Bauer in der Au wegfiel, ist das ja vielleicht noch zu ertragen. Aber da gibt es noch etwas anderes, bedeutenderes: Der Mann, der diese Saurüsselalm nun für die Öffentlichkeit öffnen will, und der dafür die Zustimmung des Wiesseer Gemeinderats benötigt, hat sich in den letzten Jahren fernab von Siedlungen, im absoluten Außenbereich, in unserer Natur also, seine Alpen-Ponderosa geschaffen. Hier einen kilometerlangen Zaun-Exzess, dort eine protzige Garageneinfahrt, Schranken und Videoüberwachung.

Das alles wurde natürlich ordentlich mit viel Infrastruktur versorgt. Eine Infrastruktur, deren Genehmigung, Bereitstellung und Finanzierung man sich wird anschauen wollen. Während Franz Josef Haslberger also nach und nach Baufakten schuf, dabei aber Ausflugslokale wie die Söllbachklause oder den Bauer in der Au schloss, robbte sich der neue sozialdemokratische Bürgermeister Robert Kühn in einer seiner Amtstaten an den Unternehmer heran. Hatte Kühn noch vor der Wahl eine klare Kante gegenüber Haslberger versprochen, scheint er jetzt dem Charme des Jagdliebhabers erlegen zu sein.

“Haslberger rocks”??

Der Vertrag mit ihm sei quasi in trockenen Tüchern, jubelt man im Wiesseer Rathaus. Ganz enthusiasmiert postete der digitalaffine Bürgermeister ansprechende Bilder vom Haslberger-Anwesen und postete “#haslbergerrocks” (um sie dann später klammheimlich mit einem verschämten “vielleicht” zu ergänzen.).

Man reibt sich die Augen: So viel Vorschuss-Lorbeeren für „Reichens mit fehlendem Sinn fürs Gemeinwohl” hatten wir selten im Tal. Da wird selbst Korbinian Kohler neidisch. Und mit dem Hashtag #heiratenamtegernsee” hat Kühn auch gleich die gastronomischen Ziele für die einsam im Bergwald gelegene Alm benannt.

Und die anderen Parteien?

Was machen die Grünen im Gemeinderat? Verteidigen sie den Lebensraum? Bleiben sie misstrauisch gegenüber einem Unternehmer, der der Gemeinde die letzten Jahre mit seinem bockigen Verweigern bei gleichzeitig geschäftiger Bautätigkeit im Außenbereich geschadet hat? Vor noch nicht einmal einem Jahr hatte Johannes von Miller in seinen Rundgängen durch den Ort das Thema Haslberger kritisch kommentiert. Wird er jetzt einem weiteren Beitrag zum Übertourismus und Bauten im Außenbereich zustimmen? An den Taten werden sie gemessen, heißt es. Aber von Miller hatte schon in vergangenen Sitzungen seinen eigenen Kopf. Und wohl auch nicht jeder in der SPD-Fraktion mag die Kröte schlucken, die ihm Kühn da serviert.

Von der CSU ist man Zustimmung für Haslberger gewohnt. Florian Sareiter hat da schon mit Besuchen am Hofe Haslbergers Marksteine gesetzt. Die Freien Wähler waren und sind verlässliche Freunde der Kommerzialisierung unserer Natur. Hier sitzen zu viele, die sich von der Nähe zu jemanden wie Haslberger den ein oder anderen Touristen- und Handwerker-Vorteil erhoffen.

Und der SPD-Bürgermeister kann nur hoffen, dass jemand wie Haslberger nicht die Freude an ihm verliert. Denn sonst wird aus #haslbergerrocks schnell #schonwiederdicht, #aufsfalschepferdgesetzt und #haettenwirauchmitsareitergehabt. Bislang hat der Robert Kühn vieles mit Charme, neuen Ideen und Energie richtig gemacht. Die Haslberger-Affäre, die am kommenden Donnerstag um 19 Uhr im Gasthof zur Post besprochen wird, kann zu einem ersten Bewährungstest seiner Glaubwürdigkeit und der seiner bisherigen Befürworter werden.


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