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Ein Interview mit Dr. Thomas Straßmüller aus Gmund

Wie gefährlich ist Omikron wirklich?

Von Maxi Hartberger

Die Omikron-Welle kommt erst jetzt in Deutschland an. Doch wie gefährlich wird diese Virus-Variante für uns? Wir haben mit Dr. Thomas Straßmüller über die Auswirkungen und Gefahren gesprochen.

Dr. Thomas Straßmüller wirbt fürs Boostern

Dr. Thomas Straßmüller, Arzt aus Gmund und medizinischer Leiter des Impfzentrums Hausham, kämpft seit einem Jahr für eine hohe Impfquote im Landkreis. Gerade mit Omikron sieht er die Notwendigkeit für die Booster-Impfung. Wir haben mit ihm über die neue Variante „Omikron“ gesprochen.

Wie schätzen Sie allgemein die Virus-Variante Omikron ein? Wie gefährlich ist sie wirklich?

Dr. Straßmüller: Die beste Nachricht zuerst: wer vollständig geimpft und geboostert ist, kann dieser Omikronwelle recht gelassen entgegensehen.

Unsere Befürchtungen, dass der Impfschutz durch Omikron vollständig umgangen wird, haben sich nicht bewahrheitet.

Glücklicherweise kommt die Omikronwelle etwas später auf uns zu als auf andere Länder. Insofern können wir den Verlauf schon etwas besser abschätzen. So wissen wir mittlerweile, dass die Variante insgesamt zu weniger Hospitalisierung (Krankenhausaufnahmen) führt als Delta. Schon bei Ungeimpften um ca. 24 Prozent weniger, und bei doppelt geimpften ca. 34 Prozent und bei Menschen, die einen Booster erhalten haben, um 63 Prozent weniger. Was also wirklich schützt, ist die Booster-Impfung.

Für eine Einschätzung der schweren Verläufe (Intensivstation) ist es noch etwas früh. Aber auch hier erwarten wir eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit der Aufnahme auf die Intensivstation. Aus anderen Ländern wissen wir jedoch, dass dies stark abhängig ist von der Impfquote vor allem in der Altersgruppe über 60.

Das Problem besteht aus dem extrem schnellen Anfluten und aus der schieren Höhe dieser Welle. Und sehr hohe Fallzahlen können die Arztpraxen, Rettungsdienste, Notaufnahmen und die Normalstationen der Krankenhäuser schon enorm unter Druck setzen.

Außerdem sind hohe Ausfälle beim Personal schon allein durch die Quarantänemaßnahmen zu erwarten. Und das betrifft nicht nur den Gesundheitsbereich, sondern die gesamte Wirtschaft. Hier hat man ja erfreulicherweise Isolation und Quarantäne verkürzt, was ich sehr begrüße.

Was raten Sie den Landkreisbürgerinnen und -bürgern? Einfach weitermachen wie bisher oder sich doch wieder vorsichtiger im Alltag bewegen?

Dr. Straßmüller: Weitermachen wie bisher beinhaltet ja schon viele Veränderungen im Vergleich zu unserem Leben vor 2020: Abstand, Hygiene, FFP2-Masken, Lüften, all das hilft auch bei Omikron. Zu den FFP2-Masken gibt es mittlerweile eine Studie. Gut sitzende FFP2 Masken reduzierten das Infektionsrisiko im Innenraum nach 20 Minuten auf unter 0,1%. Es ist jetzt wichtiger denn je, dass die Maske gut sitzt und qualitativ hochwertig ist. Eine Bewertung der Masken findet man hier.

Maßnahmen wie gesunde, vitaminreiche Ernährung und Bewegung an der frischen Luft oder Wechselduschen helfen uns, die Abwehrkräfte zu stärken. (Auch Impfungen können ihre Wirkung nur mit einem guten Abwehrsystem entfalten.) In den nächsten Wochen müssen auch Geimpfte und Genesene darauf gefasst sein, dass sie sich mit Omikron infizieren ohne dass sie sich dabei krank fühlen. Das fällt dann oft nur in einem routinemäßig durchgeführten Selbsttest oder Schnelltest auf.

Die Tests funktionieren auch bei Omikron vielleicht ein wenig schlechter.

Über die Qualität von Tests kann man sich beim Paul Ehrlich Institut informieren. Bei der Durchführung der Tests ist es bei Omikron von Vorteil, zusätzlich zum Nasenabstrich auch einen Rachenabstrich zu machen, da sich bei Omikron in der Frühphase der Infektion das Virus hauptsächlich im Rachen befindet.

Und noch ein Rat an alle, die es noch nicht getan haben: Holen Sie sich die Boosterimpfung! Der Zusatznutzen im Vergleich zur Zweifachimpfung ist enorm. Das hätten wir so nicht erwartet. Ehrlicherweise sollte man nicht von einer Auffrischimpfung, sondern von der Vervollständigung der Impfserie sprechen.

Setzt die Pandemie Ihrer Meinung nach mit der Omikron-Variante zum großen Finale an oder wird uns Omikron für längere Zeit begleiten?

Dr. Straßmüller: Ich denke, dass wir am Übergang zum endemischen Zustand des Virus sind. Die Omikronwelle wird sehr schnell ansteigen, dann aber vermutlich nach relativ kurzer Zeit auch wieder abfallen. Ob uns Omikron dann noch länger begleitet, vermag ich jetzt nicht zu sagen. Was uns aber auf jeden Fall begleiten wird, ist Sars Cov2, das (nun nicht mehr ganz so) neuartige Coronavirus.

Vermutlich werden wir auch noch andere Buchstaben aus dem griechischen Alphabet kennenlernen, aber ich bin zuversichtlich, dass unser Immunsystem damit zurechtkommen wird. Durch Impfung und (Durchbruchs-) Infektionen wird es gut gewappnet sein, und es wird dadurch in der Gefährlichkeit tatsächlich vergleichbar mit den Grippeviren, die wir schon kennen.

Die WHO warnte erst kürzlich, dass sich rund 50 Prozent aller Europäerinnen und Europäer mit Omikron infizieren wird. Wie stehen Sie zu dieser Einschätzung?

Dr. Straßmüller: Ich halte diese Einschätzung für realistisch, nie war es wahrscheinlicher, sich zu infizieren, und noch nie in dieser Pandemie konnten wir mit so hohen Fallzahlen zurechtkommen. Manche nennen es das Omikron-Paradox. Aber so paradox ist es gar nicht. Denn ohne Impfschutz könnten wir niemals so hohe Fallzahlen tolerieren. Allerdings wird die Omikronwelle in den verschiedenen europäischen Ländern bedingt durch Impf-, Boosterstatus und den bisherigen Verlauf der Infektionen recht unterschiedlich verlaufen.

Immer wieder hört man von Personalmangel in Kliniken aufgrund von Infektionen beim medizinischen Personal. Würden Sie insbesondere auch im Hinblick auf andere Unternehmen und Firmen empfehlen, dass sich jeder (ganz unabhängig von seinem G-Status) testet, bevor er zu seiner Arbeitsstelle geht?

Dr. Straßmüller: Das halte ich für sehr vernünftig. Diese Maßnahme wird während der kommenden Wochen viele Betriebe vor massiven Personalausfällen bewahren.

Dr. Straßmüller, vielen Dank für das Gespräch.

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