Wiesseer Bürgermeister testet im See seine Grenzen

von Martin Calsow

Es gibt Termine für Journalisten, da darf man schön herumsitzen und altkluge Kommentare absondern: Sportreporter erleben das Samstag für Samstag. Dann drückt die Chefin dem Autoren Termine auf’s Auge, wo er selbst aktiv werden muss. Eine physische Gratwanderung war jetzt das Durchschwimmen des Tegernsees mit dem Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn unter Aufsicht der Wiesseer Wasserwacht. Hat der Politiker es geschafft? Wo stieg der Autor aus?

Glückskolumnist Martin Calsow schwimmt mit dem Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn durch den Tegernsee.

Montag Abend, 18 Uhr. Auftritt Robert Kühn am baufälligen Schuppen, dem Baustadl. Er hat den Autoren herausgefordert. “Schaffst du nie”, werde ich vom Sozi-Bürgermeister herausgefordert. Er weiß noch nichts von meinem Ehrgeiz. Mit jungen Wasserwachtlern soll es heute von Bad Wiessee hinüber zum Hangort Tegernsee gehen und – zurück! Gefühlte mindestens 2000 Meter, und bei 19 Grad Wassertemperatur für einen Menschen, der schon ein halbes Jahrhundert auf dieser Erde weilt, durchaus eine Herausforderung. Vor allem: 50 und untrainiert. Aber spätestens der Anblick des Bürgermeisters in seiner – klar – roten Badehose pusht mich wie eine Palette Red Bull.

Wo denn das “Seepferdchen”-Abzeichen sei, frage ich freundlich in der Stimme, aber böse in der Absicht. Verunsicherung schaffen – psychologische Kriegsführung eben. Im Schuppen geht es weiter. Jugendtrainer Thomas Mielke bietet uns Neoprenanzüge an. Ein müdes Lächeln meinerseits. Ich habe den Jürgen-Moment.

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Das wird der Leserschaft nichts sagen. Aber in meiner Schulzeit hatten wir Jürgen, einen übergewichtigen Mitschüler, der immer als letzter beim Schulsport gewählt, von Lehrern mit den Worten “der hat eine Drüsenkrankheit” entschuldigt wurde, aber eben immer auch Ziel von Spott war (damals war das noch – leider – so). Bis zu dem Tag, als er nachts in der Tankstelle seines Vaters überfallen wurde. Er warf sich in seiner Verzweiflung auf den deutlich schlankeren Räuber, der dabei schlicht das Bewusstsein verlor. Danach war er der Held der gesamten Schule…

Mit oder ohne Seepferdchen: Ab in den kalten See

Nun, ich schweife ab. “ICH brauche keinen”, betone ich und schaue auf den deutlich schlankeren Bürgermeister, der prompt auch den Gummianzug ablehnt. Vorteil Calsow, denke ich. In der Mitte des Sees wird diese Ansammlung aus Haut und Knochen in Kältestarre verfallen und wie eine kaputte Boje ins Bott der Wasserwacht gezogen werden müssen.

Machen wir es kurz: Robert Kühn schwamm, wie die Jugend der Wasserwacht auch, hin und zurück. Anders der Autor: Heftige Krämpfe schüttelten ihn kurz vor Tegernsee, mit letzter Kraft erreichte er vor! Robert Kühn die Kaimauer am Schloss, wurde dann aber von Ausbilderin Franziska Partheymüller ins Boot gehievt. Die Dame schwimmt auch im Winter im See!

Erst als Bad Wiessee in Sicht war, konnte der Autor (unter Schmerzen!) den deutlich jüngeren Bürgermeister auch wieder schwimmend begleiten, ihn mit einem improvisierten Interview motivieren und ihn so sicher und lächelnd zum Ziel bringen. Presse und Politik – gemeinsam in die Abendröte – ein Bild für Jahrhunderte. Journalismus kann eben auch Hilfestellung sein.

Spenden für die Wasserwacht

Wer aber wirklich Hilfe braucht, ist die Wiesseer Wasserwacht: Ihr Baustadl, und das ist jetzt keine Übertreibung, ist baufällig, gehört weg. Er ist aber nun einmal die Station der Wiesseer. Sie bilden unsere Kinder aus, sorgen für Sicherheit auf dem See, was angesichts aktueller Touristenströme und deutlich gestiegener Nutzung des Wassers dringend nötig ist. Die Wasserwacht in Bad Wiessee braucht unsere Spendengelder – also, liebe Einkommens- und Vermögensmillionäre am See. Schön ist es, und das schreibe ich ganz neidlos, wenn man eine Jolle oder Segelyacht sein Eigen nennt. Aber eine fette Spende an die Wasserwacht macht zufriedener und gibt einem ein sicheres Gefühl, wenn mal das Wende- und Halsemanöver nicht so klappt oder ein Unwetter hereinbricht.

Auch die neue Gemeinde der SUP-Nutzer auf dem See sollte erwähnt werden. Erst jüngst mussten Menschen auf Brettern von der Wasserwacht abgeschleppt werden. Beutel auf, Geld spenden, damit auch die TS-Kegelrobbe munter trainieren kann, ohne Sorge vor dem Untergang zu haben.

Zur Spende hier entlang:
Förderverein Wasserrettung Bad Wiessee e. V.
IBAN: DE16 7115 2570 0012 4335 46
BIC: BYLADEM1MIB

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