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Ein Millionen-Erbe mit Folgen

Wiesseer Feuerwehr im Visier der Staatsanwaltschaft

Maria Huber vermachte ihren Besitz in Wiessee der Freiwilligen Feuerwehr. Den Löwenanteil des Barvermögens erhielt der Vereinsvorsitzende. Dagegen regte sich Widerstand – bis heute. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Nicht nur dieses Haus an der Sanktjohanserstraße hat die Feuerwehr geerbt.

Angefangen hat es mit dem Testament von Maria Huber, die im Januar 2016 im Alter von 91 Jahren verstorben war. Nach ihrem Tod, so ihr Testament von 2007, sollte der Verein der Freiwilligen Feuerwehr e.V. Alleinerbe werden. Zur Erfüllung gemeinnütziger Zwecke, so die Bedingung. Der Verein erbte Maria Hubers Mehrfamilienhaus in der Sanktjohanserstraße 22. Der Wert – samt 2.500 Quadratmeter großem Grundstück – wird auf etwa zwei Millionen Euro beziffert.

Die Mieteinnahmen fließen seither auf das Konto der Feuerwehr. Und noch einer profitierte vom Nachlass der alten Dame: Vereinsvorstand Andreas Kaiser. Dessen Frau hatte die alte Dame betreut. Stefanie Kaiser starb jedoch im Alter von nur 37 Jahren an einem Krebsleiden. Laut zweitem Testament vom gleichen Jahr wurden dem Ehepaar Kaiser sämtliche zum Haushalt gehörenden Gegenstände einschließlich der „persönlichen Habe“ überschrieben.

80.000 Euro Bares und der „gemeinnützige Zweck“

Zu diesem gehört nach Informationen der Tegernseer Stimme auch ein Barvermögen von 115.000 Euro. Nachdem der Begriff „persönliche Habe“ vereinsintern nicht gelöst werden konnte, wurde als Rechtsanwalt und Mediator Anton Lentner aus Bad Wiessee hinzugezogen. Doch das Misstrauen blieb.

Schriftführer Thomas Mattner und der zweite Kommandant Hubert Götschl legten ihre Ämter nieder. Denn sie waren mit der Auslegung des Testaments zugunsten von Kaiser nicht einverstanden. Anfang dieses Monats trat auch Feuerwehrkommandant Christian Stiglmeier zurück. Das heikle Millionenerbe sei nicht der Grund, die Sache sei für ihn abgeschlossen, wird er zitiert. Über 30 Jahre führte der 56-Jährige das Regiment der Freiwilligen Feuerwehr.

Kompromiss-Zahlung

Doch sicher ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen, dass Kaiser von Lentner und dem Vereinsvorstand 80.000 Euro als Kompromiss zugesprochen wurden. Für gemeinnützige Zwecke der Feuerwehr sind demnach nur 35.000 Euro verblieben. Diese Aufteilung und die Auszahlung an Kaiser würde aber nach Auffassung von zwei Erbrechtsjuristen das Testament nicht hergeben.

Wenngleich Bürgermeister Peter Höß hier anderer Ansicht ist, wie ihn der Merkur im Mai vergangenen Jahres zitiert: „Ich denke, dass dies dem Willen der Erblasserin entspricht. Es sei der Wunsch der alten Dame gewiesen, dass ihr verbliebenes Vermögen an die Kaisers gehe. Mit der jetzigen Regelung sei eine gute Lösung gefunden worden“. Man hätte laut Höß natürlich auch vor Gericht streiten können bis nichts mehr da ist.

Feuer am Dach der Feuerwehr

Doch der Zwist um das Barvermögen ist nicht ausgestanden. Womöglich kommt es doch zu der schon angedeuteten Klärung vor Gericht. Nach Kenntnis der Tegernseer Stimme läuft bereits seit Ende vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren. Einige Zeugen wurden bereits im Oktober in der Polizeiinspektion Bad Wiessee gehört. Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft München II bestätigt die Pressesprecherin Andrea Mayer, dass eine Strafanzeige eingegangen sei und es ein Verfahren gebe. Weitere Angaben könne sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen.

Noch weniger ist von Kaiser und Anwalt Lentner zu erfahren. Sie schweigen auf Nachfrage. Umso lauter könnte es dagegen bei der Hauptversammlung des Feuerwehrvereins übermorgen werden. Am 9. März soll ab 19 Uhr im Gasthof Zur Post ein neuer Vorstand gewählt werden. Der bisherige Vorsitzende Andreas Kaiser will aus gesundheitlichen Gründen das Amt abgeben, nachdem er im vergangenen Jahr trotz Erbsache noch wiedergewählt wurde. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft dürfte am Freitag im Verein für Diskussionen sorgen.


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