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Mehr Straftaten im Tegernseer Tal

Wiesseer Polizeichef sucht nach Erklärungen

Von Nicole Kleim

Wie berichtet hat der kürzlich veröffentlichte Sicherheitsbericht der Polizeiinspektion Bad Wiessee vor allem eines gezeigt: Die Straftaten im Tegernseer Tal sind deutlich gestiegen. Die Polizei relativiert diese Zahlen. Warum?

Wiessees Polizeichef Wilhelm Sigel – hier noch mit alter Uniform – erklärt, warum die Sicherheitslage am Tegernsee nicht beängstigend ist.

Wie berichtet sind für das Jahr 2017 in der Kriminalstatistik talweit 1.152 Straftaten aufgeführt. Das sind 187 Fälle und damit 19,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Angestiegen sind dabei vor allem die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Wiessees Polizeichef Wilhelm Sigel räumte zwar bei der Veröffentlichung ein, dass die Zahlen „auf den ersten Blick beunruhigend wirken“, sehe man jedoch die einzelnen Fälle hinter den Zahlen, so „relativiert sich das Ganze“. Selbstverständlich habe man versucht, eine Erklärung für den prozentualen Anstieg der Straftaten zu finden, teilt er nun auf TS-Nachfrage mit.

Im Schnitt 1090 Straftaten

Im Rahmen einer Einzelanalyse der Delikte sei dies auch gelungen, so Sigel, wenngleich „jede Straftat eine zu viel ist.“ Zunächst einmal weist er darauf hin, dass die Zahlen nur im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind. Von 2015 auf 2016 sei ein Rückgang zu verzeichnen gewesen. Die Straftaten sanken von insgesamt 1015 um genau 50 Fälle auf 965.

Nur zweimal sei die Tausendergrenze in den letzten zehn Jahren unterschritten worden: 2014 mit insgesamt 997 Straftaten im Dienstbereich der PI Bad Wiessee (Bad Wiessee, Gmund, Kreuth, Tegernsee, Waakirchen), 2016 mit insgesamt 965. Im Schnitt liege die Zahl der Straftaten bei 1090. Hier eine Übersicht der letzten zehn Jahre:

• 2008 = 1.125 Straftaten
• 2009 = 1.191 Straftaten
• 2010 = 1.222 Straftaten
• 2011 = 1.117 Straftaten
• 2012 = 1.033 Straftaten
• 2013 = 1.083 Straftaten
• 2014 = 997 Straftaten
• 2015 = 1.015 Straftaten
• 2016 = 965 Straftaten
• 2017 = 1.152 Straftaten

Warum es 2017 insgesamt 187 Straftaten mehr gab als noch das Jahr zuvor, erläutert der Polizeichef anhand der vier Deliktsbereiche, bei denen der Anstieg besonders stark war:

Betäubungsmittelkriminalität: + 40 Fälle

Die Steigerung dieses „Kontrolldelikts“ sei der vermehrten Fahndungstätigkeit geschuldet, sagt Sigel. „Wer wenig kontrolliert, wird bei diesem Deliktsfeld mit hoher Dunkelziffer weniger Fallzahlen vorweisen können. Unsere Beamten waren da sehr aktiv, was natürlich positiv ist, aber auch die Straftatenanzahl „anhebt“. Die Aufdeckung dieser Delikte wirke sich nicht unmittelbar auf das Sicherheitsgefühl der Bürger aus, sondern hätte die gewünschte Wirkung, dass weniger Drogen im Umlauf sind.

Sachbeschädigung: + 61 Fälle

Ungefähr die Hälfte der Delikte zähle zu einer „Graffitiserie“ am Tegernseer Tal, die aber aufgeklärt werden konnte. Die Fallzahlen in diesem Bereich seien immer einer Schwankung unterworfen und abhängig davon, so Sigel, ob gerade Gruppierungen existieren, die diese Delikte begehen. An bekannten Treffs suche man gegebenenfalls den Kontakt, um präventiv eingreifen zu können.

Diebstahl: + 42 Fälle

19 Fälle davon seien allein Fahrraddiebstähle, sagt Sigel. Unterschiedliche Tatorte und Tatzeiten ließen hier aber leider keine Hinweise auf die Täter zu.

Betrug: + 28 Fälle

Bei diesem Delikt sei man leider sehr oft fremdbestimmt, teilt Sigel mit. Häufig sei ein Tatort im klassischen Sinn nicht vorhanden, weil der Täter von zu Hause aus agiere. Beispielsweise übers Internet. Zwar könne man der Bevölkerung auch hier kein Sicherheitsgefühl vermitteln, dennoch werde seitens der Polizei alles getan, um vor Betrugsfällen zu warnen. „Leider nicht immer mit dem gewünschten Erfolg“, sagt Siegel.

Unter Berücksichtigung des Zehnjahresdurchschnitts und unter Einbeziehung der oben aufgeführten Analyse komme die Wiesseer Polizei zu dem Schluss, so der Polizeichef, dass es „um die Sicherheitslage im Tegernseer Tal wie schon seit Jahren sehr gut bestellt ist“. Bei den Einbrüchen in Wohnobjekte liegt die Zahl – wie bereits im Vorjahr – bei 14. Diese Zahl könne sich angesichts der Vielzahl von hochkarätigem Wohneigentum „im positiven Sinne“ durchaus sehen lassen, meint Sigel.

Zumal die Aufklärungsquote im Tegernseer Tal traditionsgemäß bei zwei Drittel aller Straftaten liege. Damit nehme die Polizeiinspektion Bad Wiessee seit vielen Jahren einen Spitzenplatz im gesamten Präsidialbereich ein. Allein die Steigerung von Fallzahlen bedeute deshalb nicht automatische eine negative Auswirkung auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, so der Polizeichef abschließend.


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