Touris irren durch Hausham
Wo eine Straße ist, ist auch ein Weg, oder?

von Sabiene Hemkes

Das Chaos ist perfekt. Hausham, das Leitzachtal und besonders Schliersee leiden unter dem Baustellenfestival rund um den oberbayerischen See. Nur die modernen Navigationshilfen ignorieren stur die Sperrungen. Geht das gut?

Schwer gesucht in diesen Tagen – die Schleichwege nach Schliersee

Von der Autobahnabfahrt in Weyarn bis zum Kreisverkehr in Agatharied wird jeder Verkehrsteilnehmer wieder und wieder darauf hingewiesen, die Umleitung über das Leitzachtal zu nehmen, so man das Ziel Schliersee oder Bayrischzell habe. Folge der Vollsperrung der B318 zwischen Hausham und Schliersee.

Stehenbleiben, nachdenken, wenden – Neuer Versuch

Was sich aber am Wochenende in Hausham abspielte, mutete teils schon tragisch an. Menschen in Autos und Wohnmobilen mit ortsfernem Kennzeichnen bahnen sich den Weg durch die kleine Gemeinde zwischen Miesbach und Schliersee. In den kleinen Straßen, abseits der normalen Touristenrouten kurven sie herum. Wenden – bleiben unvermittelt auf der Straße stehen oder steigen aus und werfen einen irritierten Blick auf ihr Mobilfunkgeräte – beziehungsweise die Oldschool-Straßenkarte. Man sieht sie fast denken:

Da muss es doch einen Weg geben.

In den Fahrzeugen wird laut diskutiert. Einmal biegt ein dicker SUV selbstbewusst, in die für Autos und Motorräder gesperrte Straße am “Glück Auf” in Hausham ein. Bremst aber nach wenigen Metern abrupt. Bleibt stehen. Was folgt sind der Rückwärtsgang, bis man das Verbotsschild lesen kann. Dann dringen laute Stimmen aus dem Innenraum. Einer setzt sich durch – es wird gewendet. Ein neuer Versuch.

Wenn Fremde zu Hausbewohnern werden

An einem anderen, nur für Anwohner zugelassen Sträßchen nahe der B318 herrscht reger Verkehr. Das gleiche Spiel. Autos, in denen Beifahrer, die auf ihr Mobiltelefon starren, verharren vor dem Weg ins ersehnte Schliersee. Wäre da nicht dieses Schild.

Etwas später kommt ein großer Münchner Mercedes in einer Kolonne, aus der Anwohnerstraße aus Schliersee. Als er unsere Kamera sieht, bleibt er stehen und lässt das Fenster herunter und ruft uns laut zu:

Ich wohne hier – ich darf hier fahren.

Na ja. So ist das wohl hier im Oberland. Eine Frau mit Hund beobachtet die Szene und lacht. Wir fragen wie es denn auf der „neuen Hauptverkehrsader“ zwischen Hausham und Schliersee zu laufen war. Sie meinte, es sei seit Monaten eine einzige Katastrophe. Im Moment werde es nur noch schlimmer. Aber sehr kommunikativ sei es auch:

Mich haben nie so viele fremde Menschen nach dem Weg gefragt, wie seit einer Woche.

Die Sache hat aber leider auch einen sehr ernsten Hintergrund. Die beiden „Schleichwege“ von Hausham nach Schliersee, sind auch die Überlebensadern der Schlierseer. Gerade in Notfällen, müssen die einspurigen Wege für die Rettungsfahrzeuge frei befahrbar sein.

Polizei entdeckt Notwendigkeit der Kontrolle für sich

Die Umleitungsstrecke über die Staatsstraße durchs Leitzachtal ist 18 km länger und sehr stauanfällig. Erst am Freitag gab es nach einem Motorradunfall dort eine Vollsperrung. Damit war Schliersee auf offiziellen Wegen nur noch über Österreich zu erreichen. Die Polizei, von der am Freitag in Hausham mal gar nichts zu sehen war, will nun verstärkt die Nebenstrecken kontrollieren. Besser spät, als nie.


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