Die TTT und der Fachkräftemangel am Tegernsee

Wo ist der Tal-Personalmanager?

Rund 1,5 Millionen Übernachtungen waren es 2017 allein im Tegernseer Tal. Doch ganz so attraktiv wie für Touristen ist die Region für Jobsuchende nicht. Mit einem Tal-Personalmanager wollte man dem Fachkräftemangel begegnen. Eigentlich.

Ein Personalmanager sollte Fachkräfte ins Tal holen – Wo ist er? / Archivbild

Der Tourismus am Tegernsee boomt. Seit 2010 sind die Zahlen der Gästeankünfte stetig gestiegen. Lediglich der deutschlandweite Trend zum Kurzurlaub hat für Einbußen bei der Aufenthaltsdauer gesorgt. Für die Gastgeber im Tal ist der ständige Bettenwechsel mit Mehraufwand und Kosten verbunden.

An Attraktivität hat der Tegernsee jedenfalls nicht verloren. Weder für Touristen noch für all die Geldigen, die am See dauerhaft sesshaft werden wollen. Eine Entwicklung, die dazu geführt hat, dass sich ein Normalverdiener eine Wohnung am Tegernsee kaum noch leisten kann.

Wie gewinnt man Fachkräfte?

Aus Unzufriedenheit wandern viele Fachkräfte in die Städte ab. Denn das Leben und Wohnen in einer Region, in der „andere Urlaub machen“, ist für viele zu teuer geworden. Aber nicht nur das: Oft fehlen Unterkünfte gänzlich. Die Konsequenz: Etwa 57 Prozent der Arbeitgeber im Tourismus haben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Wer also bleibt übrig, um die Urlauber zu bewirten?

Mit dieser Frage hatte sich auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) beschäftigt und an einer Karriereseite gefeilt. Auf der nun fertigen Webseite werden Jobs und Daten, die für Bewerber interessant sind, ortsübergreifend dargestellt – das heißt aus allen fünf Talgemeinden. Auf lockere Art und Weise sollen potenziellen Bewerbern damit die Anfangshürden genommen werden.

So finden sich jetzt auf der Homepage der TTT Geschichten von jungen Menschen, die neu im Tal sind und über ihre Berufe berichten. Ein erster Schritt, um die “Jobs” vor Ort für andere schmackhaft zu machen? „Die Fachkräftewebsite ist aktuell ein erster Entwurf, der selbstverständlich weiterentwickelt werden soll“, sagt TTT-Chef Christian Kausch auf Nachfrage.

Bislang kein überregionaler Personalmanager in Sicht

Im Herbst werde es hierzu einen Workshop mit Arbeitgebern aus der Tegernseer Hotellerie und Gastronomie geben, um das Thema weiter voranzutreiben. Das Konzept soll genutzt und gelebt werden, so Kausch. Auch ihm ist bewusst, dass den meisten Arbeitgebern ein professionelles Personalmanagement fehlt, um Mitarbeiter für die Region und den Betrieb zu gewinnen und langfristig zu binden.

Dies ist jedoch für eine Tourismusregion wie der hiesigen wichtig. Erste Ideen dazu wurden in einer regionalen Studie der Hochschule München erarbeitet (wir berichteten). Im Kampf gegen den Personalmangel im Touristikbereich müssten die Regionen selbst dafür sorgen, dass sie als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum wahrgenommen werden, so heißt es darin.

Neben Weiterbildungsmöglichkeiten seien regionale Kooperationen von entscheidender Bedeutung. Einer der Grundgedanken war, eine Position für eine übergeordneten Personalmanager zu schaffen. Ob es den geben wird, wisse man noch nicht, sagt Kausch auf Nachfrage. Das komme ganz auf das Konzept an. Im Moment gebe es im Haus zumindest schon mal eine Ansprechpartnerin für das Projekt.

Wohnungen sollen nicht vermittelt werden

Zumal man auch dabei sei, einen überregionalen Austausch zu ermöglichen, sodass im Sommer am Tegernsee gearbeitet werden kann, und im Winter beispielsweise in einer Winterdestination. Auch dieses Thema soll in einem Workshop angegangen werden, so Kausch. Der fehlende Wohnraum sei auf jeden Fall ein Problem, das allerdings schwer zu beheben sei.

Die Gemeinden und wir versuchen zumindest bei neuen Hotelprojekten darauf hinzuwirken, dass an Personalwohnungen gedacht wird.

Einzelne Jobs oder Wohnungen wolle man seitens der TTT nicht vermitteln. Derzeit arbeite man an Weiterbildungsmöglichkeiten für Gastgeber und deren Angestellte, fügt der TTT-Chef hinzu. „Hier können wir als Plattform wunderbar verknüpfen“. Traditionell sei ja die Infofahrt zum Anfang jeder Sommersaison, wo neue Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotelerie kostenlos das Tal kennenlernen können. Im September soll es eine ähnliche Fahrt für Auszubildende geben.

Gemüsehändler, die frisches Obst nach Hause liefern, Restaurants, die Tagesgerichte durch offene Fenster verkaufen: Unternehmen im Oberland werden erfinderisch im Überlebenskampf gegen die Corona-Krise. Nur müssen die Menschen im Tegernseer Tal und darüberhinaus auch von diesem Erfindungsreichtum erfahren.

Um diese über den ganzen Landkreise verteilten Angebote übersichtlich zu bündeln, hat die TS eine Karte entwickelt: “Das Oberland bringt’s” vernetzt kleine Unternehmer mit ihren Kunden. Wenn Sie, gegen einen Unkostenbeitrag, mit in der Karte und auf der Tegernseer Stimme aufgenommen werden möchten, melden Sie sich direkt bei uns.

Martina von Dall`Armi E-Mail martina@tegernseerstimme.de Tel 08022 / 509 21 20

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