Zur Not geht die Post auf der Straße ab

Ende Oktober machte das Schreibwarengeschäft von Andrea Köstler in Tegernsee zu. Gleichzeitig verlor die Stadt ihre Postfiliale. Die Post wollte sich derweil um eine „schnelle Lösung“ bemühen. Ist jetzt eine Alternative spruchreif?

Wer einen Brief aufgeben will, hat eine Alternative: zum Beispiel die Postfiliale im Gmunder REWE./Archivbild

Das kleine Schreibwarengeschäft in der Bahnhofstraße in Tegernsee war ein Relikt aus jenen Zeiten, als noch nicht bei Amazon bestellt wurde. Um der harten Konkurrenz von Online-Shops und Discountern entgegenzuwirken, hatte sich Ladeninhaberin Andrea Köstler ein zweites Standbein aufgebaut und vor 15 Jahren eine Postfiliale in ihr Geschäft integriert (wir berichteten).

Nach der Fusion der Postbank mit der Deutsche Bank setzte man allerdings den Rotstift an: Insgesamt 60 Postbank-Filialen wurden geschlossen. Die Filiale von Andrea Köstler war eine davon. Infolgedessen hatte die Einzelhandelskauffrau ihren Laden zum 31. Oktober aufgegeben.

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Ein nahtloser Übergang schlug fehl

Die Deutsche Post DHL Group wollte zwar einen nahtlosen Übergang schaffen, scheiterte jedoch an potenziellen Partnern. Wie Pressesprecher Erwin Nier am 30. Oktober auf Nachfrage mitteilte, befände man sich zwar in „vielversprechenden Gesprächen mit potenziellen Partnern“, aber noch sei nichts spruchreif.

„Solange die Tinte auf dem Papier nicht trocken ist“, so Nier vor etwa zwei Wochen, werde man sich auch nicht dazu äußern, hoffte allerdings, dass bereits “in den nächsten Tagen” eine Alternative gefunden werde. Man bemühe sich jedenfalls redlich um eine “schnelle Lösung”.

“Nur noch einer im Boot”

Gestern sprachen wir wieder mit ihm. Noch immer kann er keinen unterschriebenen Vertrag mit einem möglichen Partner präsentieren. Von den „vielverprechenden Gesprächen“ habe sich nur eines als spruchreif herauskristallisiert, sagt Nier. Damit sei nur noch ein Verhandlungspartner „im Boot“. Und der müsse zunächst einmal seine Hausaufgaben machen, und die entsprechenden Voraussetzungen für eine Postfiliale schaffen.

Von den technischen Voraussetzungen angefangen, bis hin zu ausreichend Lagermöglichkeiten und Personal. Zwar hat die Deutsche Post insgesamt drei Monate Zeit bis zur Eröffnung einer neuen Postfiliale, aber währenddessen muss die Stadt auf eine verzichten. Und das, wo doch die sogenannte Post-Universaldienstleistungsverordnung vorschreibt, dass es bei mehr als 2.000 Einwohnern (Tegernsee hat etwa die doppelte Anzahl) mindestens eine Postfiliale im Ort geben muss.

Zurück in die Vergangenheit

Verstreicht die Frist, und die Deutsche Post kann keinen Partner in Tegernsee präsentieren, muss sie auf eine Interimslösung zurückgreifen. Und die schaue so aus, dass ein Notbetrieb eingerichtet werde, sagt Nier. Das heißt, in diesem Fall werde man an einem markanten Ort in Tegernsee einen sogenannten „fahrbaren Postschalter“ einrichten.

Manche Postler kennen sowas von früher. Das Auto als Arbeitsplatz – fern vom Postamt, nah am Kunden. Warum also nicht mal wieder einen Gang zurückschalten, und die Briefe durchs geöffnete Autofenster – anstatt in den Briefschlitz – schieben? Die Post kann auch auf der Straße abgehen. Selbst wenn es eine Notlösung ist.

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