Das wird teuer in Bad Wiessee
22 Millionen Euro Umbau Gasthof zur Post?

Der Gasthof zur Post ist seit Ende 2022 geschlossen. Jetzt muss das Gebäude saniert und umgebaut werden. Gestern kam überraschend die Kostenkatze aus dem Sack. Zum Unwillen des Bürgermeisters.

Wie geht es mit dem Gasthof zur Post in Wiessee weiter?

In der Regel haben öffentliche Gemeinderatssitzungen gut einstudierte Abläufe. Die Fraktionssprecher sprechen die heiklen Themen an, schleifen Spitzen ab, wollen kein Zank in der Öffentlichkeit. So etwas gerät leicht außer Kontrolle. In Bad Wiessee weiß man ein Lied davon zu singen. Umso überraschter waren die Teilnehmer der Sitzung gestern, als die CSU-Fraktion aus heiterem Himmel die groben Kosten für den Umbau des Prestige-Objekts “Gasthof zur Post” in den Raum warfen. Eigentlich stellte der Kämmerer Franz Ströbel nur den Haushalt für 2023 vor. Darin enthalten sind drei Millionen Euro unter der Position Investitionsmaßnahmen für die “Sanierung und Erweiterung Hotel zur Post” enthalten. Das ist immerhin der zweitgrößte Posten nach fast acht Millionen Euro für den Neubau Kindergarten.

Es war Kurt Sareiter, seit 39 Jahren im Rat vertreten, der die Bombe platzen ließ. Er wolle, so der CSU-Politiker, “doch gern eine weiterführende Planung haben, eine, die die nächsten Jahre auch beinhaltet. Da müssen die Kosten für den Umbau des Gasthofs zur Post doch transparenter enthalten sein. Schließlich handelt es sich um 22 Millionen Euro!”

Dem Bürgermeister entglitten für Sekunden die Gesichtszüge. Auch die Räte anderer Fraktionen blickten überrascht bis bestürzt. Anscheinend war das Vorpreschen der CSU mit niemandem abgesprochen. Kühn brauchte etwas, um sich zu sammeln, ehe er mit gepresster Stimme darauf hinwies, “dass dies hier und heute nicht der richtige Zeitpunkt sei, um über konkrete Zahlen zu sprechen. Das Projekt sei für die gesamte Gemeinde so wichtig, dass man es nicht im Vorfeld zerreden solle. Er werde zum richtigen Zeitpunkt mehr dazu sagen.”

Damit war die Katze aus dem Sack

Der Gasthof Zur Post, mit dem einzigen Veranstaltungssaal im Ort, gilt am Westufer des Sees als Traditionsgaststätte und sollte nach dem Willen aller Räte als Bürgerzentrum erhalten bleiben. “Die Post bietet großes Potenzial“, sagte Kühn noch im letzten Jahr: “Eine zünftige Wirtschaft mit großem Biergarten brauche jeder bayerische Ort. Es ist der Ort für die Vereine, Stammtische und jene, die sich nicht mit großem Geldbeutel zum Essen treffen wollen.” Neben der Gastwirtschaft soll zudem noch ein Mittelklasse-Hotel eingerichtet werden.

Das Gebäude gehört der Gemeinde, man will es nicht aus der Hand geben. Seit Monaten wird nach einem Pächter gesucht. Nach unseren Informationen war schon die Herzogliche Brauerei von der anderen Seeseite vorstellig geworden. Ihr fehlt aber die Hotellerie-Erfahrung. Ein oberbayerisches Brau- und Gastrounternehmen scheint wohl sehr interessiert zu sein. Aber noch ist wohl nichts in trockenen Tüchern. Da kommt dem Bürgermeister Kühn eine öffentliche Diskussion zu den Gesamtkosten gerade zur Unzeit. Denn der mögliche Pächter will natürlich wissen, mit welchen Umbaumaßnahmen er planen kann. Auch danach richtet sich üblicherweise seine Pachtzahlung.

22 Millionen – das ist ein gigantischer Brocken für eine Gemeinde, die schon jetzt einen hohen Verschuldungsgrad besitzt. “Über 42 Millionen Euro sind es”, erklärte Florian Sareiter, Fraktionssprecher gestern. Der Landkreis Miesbach selbst läge bei “gerade mal bei 66 Millionen Euro Schulden.” In der Tat mussten gestern einige Zuhörer bei der Zahl schlucken. Noch im vergangenen Jahr wurde die Tegernseer Stimme von Räten angezählt, weil sie von einem Neubau schrieb. Es sei doch nur eine Kernsanierung, betonte man im Rathaus damals. Daraus ist jetzt ein hoher zweistelliger Kostenbrocken geworden, damit zukünftig Touristen, der Handwerker-Stammtisch, die Blutspendetage und Bürgerversammlungen moderner und besser “versorgt” werden können.

Kühn wird in den nächsten Wochen viel zu erklären haben. Wenn er nicht wie sein Kollege Christian Köck aus Rottach-Egern mit einer plötzlich auftauchenden Bürgerinitiative das Gesamtprojekt infrage gestellt bekommen möchte, muss er jetzt aktiv und transparent alle aktuellen Pläne auf den Tisch legen.

Ob das nicht abgestimmte Vorpreschen der CSU dem Gesamtprojekt geholfen hat, ist fraglich. Schnell sprießen nach so einer Aktion auch einmal nicht so gewollte Vorschläge im politischen Garten. Interessant auch: Die CSU lehnte den Haushalt nicht ab. Im Gegenteil: Sie winkte den Haushalt 2023 durch. Wie man hört, soll auch Kurt Sareiters Aussage nicht von jedem in der CSU-Fraktion goutiert worden sein.

Am Ende des Abends blieben ein wahltaktisches Manöver und ein überraschter Bürgermeister zurück.     

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