A Luxus-Scheißheisl für Wanderer

von Simon Haslauer

Am Schwarzentenn-Parkplatz in Kreuth steht ein neues Holz-Häuschen für ganz besondere Bedürfnisse, in Bayern auch bekannt unter “Scheißheisl”. Das Beste daran: Es soll nicht stinken – und hält im besten Fall Wanderer davon ab, die Natur weiter als Toilette zu benutzen.

Eine neue Bio-Toilette auf dem Schwarzentenn-Parkplatz – samt Glasdach und innovativer Spülung.

Irgendwo im Nirgendwo ist ein Toilettenhäuschen aufgetaucht – auf bayerisch sagt man “Scheißheisl”. Eigentlichen sieht das kleine Holzhaus aus wie ein Dixi-Klo, nur in schön. Aber es gibt wohl noch andere Besonderheiten. Wir haben uns mal auf Spurensuche gemacht. Woher kommt das Holzhäusl für das kleine oder große Geschäft?

Diese sogenannte „Bio-Toilette“, wie Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider erklärt, steht seit vergangener Woche am Schwarzentenn-Parkplatz im Bergsteigerdorf. Vorerst für zwei Monate. Dabei handelt es sich um eine Aktion der Regionalentwicklung Oberland (REO).

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Mehr als ein aufgehübschtes Dixi-Klo

Der Grundgedanke dahinter: An Plätzen im Landkreis Miesbach, wo es keinen Kanal- oder Wasseranschluss gibt, wird überlegt, ob man nicht einfach Bio-Toiletten aufstellen könnte. Auch in Holzkirchen wurden laut Bierschneider zwei der Häuserl aufgestellt. Eine am Spielplatz in der Flinspachstraße und eine weitere am Wanderparkplatz Hackensee. Die Kosten für die drei Toiletten in Holzoptik teilen sich die teilnehmenden Gemeinden mit der REO.

Thorsten Schär von der REO erklärt auf Nachfrage, dass es sich bei den sogenannten Bio-Toiletten nicht einfach um aufgehübschte Dixi-Klos handelt. Er verspricht: “Es stinkt kaum.” Das liege daran, dass in den Häuschen nicht mit Wasser oder Chemie gespült werde, sondern mit Holzspänen. Dieser Spülmechanismus sorge dafür, dass es “keinen klassischen Toilettengeruch” gibt. Aktuell werden die drei Bio-Toiletten zweimal pro Woche vom Hersteller “Urbedürfnis” gesäubert. Laut Schär beobachte man derzeit, ob es öfters nötig wäre.

Bio-Toilette mit Ausblick

Findet die Bio-Toilette Anklang bei den parkenden Wanderern, kann sich Kreuths Bürgermeister auch vorstellen, das hölzerne Häuschen dauerhaft stehenzulassen. Das erste Wochenende ist laut Schär jedenfalls schonmal gut gelaufen. “Es gab keinen Vandalismus.” Um die Pflege kümmert sich ein Service-Team der Firma. Und wer einen Blick ins Innere wagt, wird tatsächlich überrascht. Kein Geruch von Urin und sogar Desinfektions-Tücher liegen bereit. Das Dach ist zudem aus Plexiglas – bei seinem Geschäft blickt man also in die wunderschöne Natur des Bergsteigerdorfs. Könnte schlimmer sein, oder?

Damit dürfte es künftig vielleicht zumindest an manchen Orten im Landkreis ein Problem weniger geben. Schließlich dient die Natur nicht als Toilette. Doch das wurde in den vergangenen Jahren, insbesondere während der Corona-Pandemie, immer wieder zum Problem. Den Artikel dazu findet ihr hier.

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