Diskussion um kleinen Waffenschein
“Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung”

von Laura Lorefice

Die Nachfrage nach dem sogenannten kleinen Waffenschein war im Landkreis Miesbach 2016 regelrecht explodiert. Das Sicherheitsgefühl der Bürger am Boden. Doch wie sieht die Lage heute, ein Jahr später, aus? 

Der kleine Waffenschein ist groß im Kommen - auch die Bürger im Landkreis rüsten auf / Quelle: dpa
Der kleine Waffenschein war 2016 groß im Kommen – auch die Bürger im Landkreis rüsteten auf. Wie ist es dieses Jahr? / Quelle: dpa

Immer mehr Bürger wollten letztes Jahr den kleinen Waffenschein. Dies beobachtete das Landratsamt Miesbach mit Sorge. Gab es 2015 noch 50 Anträge, explodierte die Zahl im Januar 2016 regelrecht auf 100. Die Bürger, so ein Experte, versuchten offenbar ihr subjektives Gefühl von fehlender Sicherheit zu kompensieren, indem neben Pfefferspray vermehrt auch zu Gas-, Schreckschuss- und Signalwaffen gegriffen wurde.

Deren Erwerb ist zunächst ab 18 Jahren frei. Mitgeführt werden dürfen sie aber nur mit der entsprechenden Erlaubnis durch das Landratsamt. Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamtes, sah den Anstieg damals sehr kritisch: „Es gibt im Landkreis objektiv keine signifikante Verschlechterung der Sicherheitslage, dies berichten auch die beteiligten Polizeiinspektionen oder das Polizeipräsidium Oberbayern Süd“, so Nemitz im Februar 2016.

Falls Bürger auf Grund eines subjektiven Gefühls der Unsicherheit nicht mehr auf die Sicherheitsorgane vertrauen, so gibt es dabei auch Defensiv-Bewaffnungen, die sehr viel sinnvoller sind als Gaspistolen. Dazu gehören etwa Schrillalarme, Stroboskop-Taschenlampen oder Tränengas.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor einer “Scheinsicherheit” durch Waffen. Peter Schall, Landesvorsitzender in Bayern betont gegenüber der Stimme:

Die GdP betrachtete die steigende Nachfrage des kleinen Waffenscheins mit Sorge, denn zum einen geben diese Waffen nur eine Scheinsicherheit, vor allem aber kommt es immer wieder zu polizeilichen Einsätzen, weil entweder der Waffenträger selbst mit dem Teil in der Öffentlichkeit hantiert − oft auch unter Alkohol stehend − oder weil die Waffe zufällig von einem Dritten gesehen wird, weil sie zum Beispiel unter der Jacke in einem Holster getragen wird.

Erst vergangenen Donnerstag kam es laut Schall in München zu einem solchen Vorfall. Jugendliche hantierten mit einer Soft-Air-Pistole auf einem Balkon in der Nähe einer Schule herum. Die Nachbarn riefen die Polizei. So entstand Angst und ein großer Polizeieinsatz ausgelöst. Beides hätte vermieden werden können.

“Schuss” kann auch nach hinten losgehen

Auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd warnt davor, sich mit Waffen einzudecken. Ein erhöhtes Sicherheitsgefühl durch Waffen sei ein “Trugschluss”, so Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums. „Mit Gas- oder Signalwaffen können unter Umständen sehr gefährliche Verletzungen herbeigeführt werden.

Sonntag appelliert stattdessen an das richtige Verhalten. Denn Fakt sei, Waffen würden zu einer Eskalation eines Konflikts beitragen. Sollten sich beispielsweise Frauen beim Joggen durch einen Park abends nicht sicher fühlen, rät der Sprecher in Begleitung zu gehen oder Strecken auszuwählen, die gut beleuchtet und sehr belebt sind.

In unserer Region lebt man sicher. Ja, es gab Fälle, bei denen Frauen angegangen wurden, aber die sind an einer Hand abzuzählen.

Genau das bestätigen jetzt auch die aktuellen Zahlen. Während die Anträge auf kleine Waffenscheine bundesweit nochmals angestiegen sind, kann man besonders im Landkreis Miesbach einen starken Rückgang beobachten. Heuer wurden laut Landratsamt bis zum heutigen Tag, insgesamt nur 19 kleine Waffenscheine ausgestellt.

Wirklich erklären könne man die extremen regionalen Unterschiede nicht, so Schall. Er vermutet, es liege an den örtlichen Gegebenheiten und bestätigt, dass die Rate der Kriminalfälle in Bayern sehr niedrig sei. “Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die Leute im Landkreis sicherer fühlen. Auf dem Land, da ist die Welt noch in Ordnung.”


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