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Kinofilm mit Protagonisten aus dem Tegernseer Tal

„Auf der Jagd – wem gehört die Natur?“

Im September 2016 hatte die Tegernseer Stimme über die Dreharbeiten in Wildbad Kreuth berichtet. Nun ist der bundesweite Start des Dokumentarfilms von Regisseurin Alice Agneskirchner. Gestern war bereits Preview im Kino Rottach-Weißach. Die Zuschauer erfuhren viel über Jäger und Gejagte.

Während der Dreharbeiten in Wildbad Kreuth: Regisseurin Alice Agneskirchner und Jäger Hans Halmbacher (2. u.3.v.l.), Christine Miller (2.v.r.) / Foto: Klaus Wiendl

In ihrer Doku „Auf der Jagd – wem gehört die Natur“ fragt Agneskirchner, die ihre Kindheit auch am Tegernsee verbrachte, danach, wem die Natur eigentlich gehört – den Menschen, den Tieren oder vielleicht niemandem? Sie stellt auch die Frage, ob es so etwas wie unberührte Natur überhaupt noch gibt.

Dafür zeigt der Film Idyllen von friedlich grasenden Rot- und Gamswildbeständen, von grunzenden Wildschweinbachen im Schlammbad. Bis Schüsse fallen. Die Herden auseinander rennen, verharren, gelähmt vor Schreck. So wird aus dem vermeintlich stillen Wildtierfilm für den Laien ein Szenario, das ihn nicht unberührt lässt.

Von der Herzogin bis zum Jäger: Menschen aus dem Tal befragt

Agneskirchner hinterfragt weder noch verklärt sie das waidmännische Erlegen von Wildtieren. Die Filmerin zeigt, wer hierzulande das Zusammenleben zwischen Mensch und Natur regelt und wer bestimmt, wie viele Wildtiere von Jägern geschossen werden dürfen.

Zu diesem Zweck befragt die Regisseurin Jäger, Förster, Waldbesitzer, Wildbiologen und Forstbeamte. Einige davon leben im Tal, wie Herzogin Helene in Bayern, die Wildbiologin Christine Miller aus Rottach-Egern, der Tegernseer Jäger im Eigenrevier, Hans Halmbacher und Franz Josef Maier aus Rottach-Egern als Gastronom und Jäger.

Forstbehörden wollen Abschussquoten erfüllt sehen

Einige von ihnen waren zugegen, als die Herzogin die „dramatische Abnahme des Gamsbestandes” vor der Kamera und gegenüber der Tegernseer Stimme beklagte. Als Beispiel dafür zeigte sie auf den gegenüberliegenden Steilhang des Grünecks:

Dort haben meine Schwester und ich in den Kindheitstagen mit dem bloßen Auge die dunkelbraunen Flecken der Gamsen gezählt. Das war das schönste und beste Gamsrevier im ganzen Tal, wenn nicht gar im Landkreis. Heute sieht man leider Gottes, wenn man Glück hat, nur noch vereinzelt welche vorbeihuschen.

De facto sei, so die Herzogin, der Bestand heute durch die Sanierungsflächen leergeschossen. Der Hang ist mit Lawinenschutz verbaut. Sie sieht darin eine der Ursachen, dass der Gamsbestand in Wildbad Kreuth drastisch abgenommen hat. „Die Tiere werden rigoros geschossen, ohne ihnen die nötigen Ruhezeiten zu geben, die sie brauchen“.

Bei den Dreharbeiten des Kinofilms: Herzogin Helene in Bayern im Interview / Foto: Klaus Wiendl

Dagegen könne sie gar nichts machen, ihr Revier dort sei nur der kleinere Teil des Bergrückens. Das meiste nördlich der B307 gehöre den Bayerischen Staatsforsten. So viel politischen Einfluss habe sie aber nicht, um die Behörde in die Schranken weisen zu können, erklärte sie während der Dreharbeiten der Tegernseer Stimme.

Doch welcher Kinobesucher weiß schon, dass Jäger, die unter der forstbehördlich geforderten Stückzahl geschossener Tiere bleiben, mit Revierentzug bestraft werden können? Oder dass die Behörden zum Berechnen der Abschussquote Verbissgutachten erstellen?

„Da hängt ein ganzer Kindergarten“

Auch die Hegeschauen in Miesbach und Garmisch werden im Film zu Tatorten über den von Miller apostrophierten „Vernichtungsfeldzug“ gegen die Gams als Kulturgut Bayerns. Die Wildbiologin Miller spricht sogar von „Kindermord“. Immer jünger sind die abgeknallten Tiere, „da hängt ein ganzer Kindergarten“, sagt Halmbacher. Damit die Wildtiere eine Stimme bekommen, gründete Miller mit der Herzogin den Verein „Wildes Bayern“, der die Jagdpolitik in Bayern aufs Korn nimmt.

Filmautorin Alice Agneskirchner / Foto: BOROADVIEW Pictures

Im Film lässt Agneskirchner einfach Zahlen und Fakten sprechen: 51,6 Prozent der gesamtfläche Deutschlands werden landwirtschaftlich genutzt. Weitere 30,6 Prozent bestehen aus Wald, 90 Prozent davon sind wiederum Nutzwald. So stellt sie die Frage, wohin das Wild überhaupt noch kann und darf.

Sie weicht auch nicht dem Spagat von auf der Jagd erlegten Tieren und den Bergen an Billigfleisch aus, von denen sich die Mehrheit in Deutschland ernährt. Nirgendwo sonst dürfte der Konsens über das, was gesellschaftlich akzeptabel ist und was nicht, brüchiger sein als beim Thema Fleischverzehr, schreibt „Die Welt“ in ihrer Filmkritik. Sie urteilt aber auch: „Konsensfähig schön verzaubern die elegant gebauten Bilder den Zuschauer nach Kräften“. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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