Strüngmanns "Seegut"
Bekommt Wiessee den neuen Reißbrett-Stadtteil?

von Sabiene Hemkes

Jahre später. Jahrzehnte gefühlt. Gestern grübelten die Räte erneut über die Umplanungen des Hoteldorfkomplexes am westlichen Seeufer des Tegernsees. Ist der Weg für Strüngmanns 5-Sterne-plus Hotels frei?

Eine Illustration vom geplanten neuen Wiesseer Stadteil “Seegut am Tegernsee”. / Quelle: heller & partner Marketing Services AG

Der Hotelneubau des einheimischen Pharma-Moguls Thomas Strüngmann am Bad Wiesseer Ufer des Tegernsees hat so seine Längen. Manche behaupten gar Überlängen. Resultierend aus langwierigen Genehmigungsverfahren, diversen inhaltlichen Umstrukturierungen durch den Bauherren, über die Jahre neu entwickelten Designkonzepten, Erweiterungen des Baugeländes durch Zukauf, diverse Weltkrisen sowie der extrem kleinteiligen Beurteilung durch die Bad Wiesseer Gemeinderäte. Das macht zusammengenommen eine Planungsphase von mal schlappen zehn Jahren. Da bekommt der Spruch “Gut Ding braucht Weile” eine ganz neue Dimension.

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht

Diesem Abwicklungstempo schließt man sich in Miesbach gerne an. Bis heute fehlt die Baugenehmigung des Landratsamtes für die vorbereitenden Maßnahmen. Doch die Planer sind guter Dinge, noch in den “nächsten Tagen”, die bereits in der Septembersitzung von Bürgermeister Robert Kühn (SPD) angekündigte Freigabe für den Bodenaushub zugestellt zu bekommen. PLANKREIS, die in der gestrigen Gemeinderatssitzung die überarbeitete Planungskonzeption für das “Seegut am Tegernsee” vorstellten, halten an dem Vorhaben fest, noch in diesem Jahr mit den Arbeiten zu beginnen. Zudem wird Athos noch vor Weihnachten den ersten konkreten Bauplan für einen Bauabschnitt einreichen, wie ein Vertreter des Unternehmens während der Präsentation ankündigte.

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In der letzten Sitzung der Räte am 20. Oktober lehnte das Gremium die vorgelegten Pläne ab. Dem Gemeinderat erschien die Bebauung zu gedrängt und zu eng. Hatte man sich doch erhofft, dass durch den Zukauf des Ottl Geländes und die damit hinzukommende Fläche eine Auflockerung der Gesamtplanung erreicht werde. Susanne Rentsch, Dipl.-Ing. Stadtplanerin von PLANKREIS, verdeutlichte in ihrer Präsentation gestern Abend, dass man sich die Kritik der Gemeinde zu Herzen genommen habe.

Wir haben unsere Hausaufgaben der letzten Sitzung gemacht. Daher wurde die geplante Gebäudeanzahl auf dem ehemaligen Ottl Gelände von drei auf zwei Häuser reduziert.

Susanne Rentsch, Dipl. Ing. Stadtplanerin von PLANKREIS, 22.11.2022

Man bliebe, so Rentsch, auch bei der erneut zur Abstimmung gebrachten 1. Änderung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das knapp 38.000 Quadratmeter große Areal unter den Vorgaben des bereits genehmigten Projektes. Die Stadtplanerin, die im Auftrag der Gemeinde zusammen mit den Architekten der Athos GmbH über den neuen Stadtteil am Wiesseer Ufer wacht, stellte im Weiteren die Anpassungen und Erweiterungen, die durch den zusätzlichen Landerwerb nötig wurden, vor.

Gemeinde vertraut Bauamtsleiter und langjähriger Vorarbeit

Das beinhaltet unter anderem die Information, dass es bei der Planung des Wirtshauses Änderungen gibt, die ein Architektenwechsel notwendig mache. Insgesamt fiel die Reaktion der Räte auf die vorgestellten Änderungen sehr positiv aus. Ein Grundvertrauen auch dem Chef im Bauamt vom Bad Wiessee geschuldet, wie sich herauskristallisierte.

Ich vertraue da den Einschätzungen des Prof. Dr. Bammer

Florian Sareiter, Franktionschef der CSU im Gemeinderat. 22.11.2022

Bei fast jeder eingebrachten Frage oder bei geäußerten Bedenken einer der Räte, ging der fragende Blick in die Richtung des Bauamtsleiters. Rentsch und die Vertreter der Firma Athos betonten zudem, dass bei der gestrigen Abstimmung nicht die Ausgestaltung der Einzelbauten im Vordergrund stehe, sondern das Gesamtkonzept des gewaltigen Bauvorhabens. Für die einzelnen Gebäudegruppen werden jeweils die Baupläne der Gemeinde zur Genehmigung vorgelegt.

Jetzt sind die Bürger am Zug

Bei insgesamt 24 Einzelgebäuden wartet da eine weitere Mammutaufgabe auf die Räte. Allerdings scheint es der Gemeinde in der arbeits- und zeitintensiven Ausarbeitungsphase des vorhabenbezogenen Bebauungsplans gelungen zu sein, den Rahmen für das Mega-Hotel-Projekt mit nur 85 Suiten, den beiden großen Ferienhäusern und den Wohnungen zur Zufriedenheit fast aller Beteiligten festzulegen. Die Zustimmung fiel mit einer Gegenstimme deutlich aus.

Soweit die Abstimmung im Rat. Jeder Bürger, besonders all diejenigen, die den Plänen des gigantischen Hotelprojektes der Familie Strüngmann “als Dorf im Dorf”-Lösung im Bereich der Superluxus-Klasse ablehnend oder skeptisch gegenüberstehen, sei die öffentliche Auslegung des Projektes ans Herzen gelegt. Wie üblich werden im gleichen Zug die Stellungnahmen der Träger der öffentlichen Belange eingeholt. Zudem weist Kühn ausdrücklich darauf hin, dass die Mitarbeiter im Bauamt der Gemeinde jederzeit für Fragen zur Verfügung stehen.

Wir von der TS werden das Projekt weiter beobachten. Dafür bleibt noch ausreichend Zeit. Mit der endgültigen Fertigstellung rechnet Athos erst im Jahr 2028. Bis 2024 soll die aufwendige Gründung der Gebäude abgeschlossen werden. Ab 2026 ist die schrittweise Fertigstellung der Einzelkomplexe geplant. In den nächsten Wochen wird euch die TS den geplanten neuen Ortsteil mit all seinen Facetten vorstellen. Das bietet bestimmt reichlich Diskussionsstoff in den nächsten Jahren.

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