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Wie Bromme Jagdfreunden was "Gutes" tun wollte

Halali

Die Jagdleidenschaft des damaligen Chefs der Kreissparkasse Miesbach (KSK) kannte keine Grenzen. In Tirol war Georg Bromme unter Waidmännern besonders beliebt, weil er immer seine Spendierhosen anhatte.

Der Schießstand des Jagdbezirks Schwaz liegt direkt an der bayerischen Grenze

Schon seit dem Jahr 2000 wissen Brommes Schützenkollegen im grenznahen Achenkirch nur Gutes über ihn zu berichten, wie heute bei der Verlesung ihrer Zeugenprotokolle im Landgericht München I wieder deutlich wurde. Denn wenn es irgendwo am Schießstand gleich hinter der bayerischen Grenze hakte, Bromme war zur Stelle.

Wenn die Stahlseilanlage, der Zaun, die Toiletten, die Kaffeemaschine, der Kauf von Tiroler Bezirkszeichen oder eine neue Vereinsfahne anstand, Bromme ließ seine Sparkasse zahlen. „Denn der Schießstand hat immer am Hungertuch genagt“, wie ein Zeuge vom Gericht zitiert wurde. Woher das viele Geld stammte, sei immer klar gewesen, da man von Brommes Funktion als Bankdirektor wusste. So kamen laut Anklage 17.157 Euro für die KSK zusammen.

Beinahe wären es noch um 10.000 Euro mehr geworden. Über diesen Betrag als Spende hatte Bromme schon im März 2012 kurz vor seinem Ausscheiden verfügt. Doch Martin Mihalovits als sein Nachfolger durchkreuzte des Jägers Pläne. Die Summe kam nicht mehr zur Auszahlung, wie auch ein Tiroler Zeuge bestätigte. Auch sonst war der Angeklagte und derzeitige KSK-Chef Mihalovits im Gegensatz zu Bromme nun aufs Sparen aus. Bei der pompösen Feier zu Jakob Kreidls 60. Geburtstag zog Mihalovits zumindest die Handbremse. Ursprünglich hätte das Ganze einen Volksfestcharakter bekommen und über zwei Tage im Kreuther Leonhardstoana Hof dauern sollen, wie Alexander K., einstiger „Stabschef“ von Bromme, aussagte.

Mihalovits durchkreuzte Brommes Pläne

Nachdem aber immer mehr Teilnehmer vom Landratsamt gemeldet wurden, seien dann im August 2012 in Wasmeiers Freilichtmuseum nicht nur weitere Räume angemietet worden, auch an ein Zelt habe man angesichts der unsicheren Witterung gedacht, so der KSK-Manager. Weitere 50.000 Euro wären fällig geworden, bei einer Feier, die letztlich schon fast 120.000 Euro verschlang. Doch auch hier habe Mihalovits laut Zeuge schon den Rotstift angesetzt, ebenso bei den angebotenen Menüs. Schließlich waren statt der angedachten 300 unversehens 460 Gäste zu verköstigen.

Auf der Gästeliste, so der Zeuge Alexander K., standen großteils Kunden der Sparkasse. Neben Prominenz wie Ministerpräsident Seehofer und Reinhard Kardinal Marx hätten sich auch viele Unternehmer aus dem Landkreis sowie die über 60 Kreisräte mit Ehefrauen eingefunden. Warum Mihalovits im Vorfeld der Feierlichkeiten für den Landrat und Vorsitzenden des Verwaltungsrats nicht schon stärker eingegriffen habe, wollte das Gericht vom Zeugen wissen. „Mihalovits war ab April 2012 intensiv mit seiner neuen Aufgabe als Sparkassen-Vorstandsvorsitzender beschäftigt“.

Viele Spenden, aber keine Quittungen

Bankmanager K. zum Schießstand befragt, meinte, dass er oft die „Sinnhaftigkeit“ von Brommes Spenden nicht verstanden habe. Hintergrund sei für ihn Brommes Affinität als Jäger gewesen. Spendenquittungen habe er als seine rechte Hand nie gesehen. Eine Werbung der Sparkasse dafür am Schießstand habe es auch nicht gegeben.

Bromme in der Tiroler Trophäenschau. Er wird vom Schwazer Bezirksjägermeister Otto Weindl mit einer Urkunde geehrt. / Quelle: SZ/oh

Vor der Mittagspause ging es auch wie berichtet um zahlreiche „Gelegenheitsgeschenke an Mitglieder des Vorstands und Verwaltungsrats“. Nach einem Rechtsgespräch mit den Verfahrensbeteiligten meinte der Vorsitzende Alexander Kalomiris: „Wir haben die Verwaltungsräte bei den Geschenken draußen“. Es sei überhaupt fraglich, welche Rolle diese Gaben Brommes noch spielen würden.

Umso unverständlicher ist es daher für Angeklagte wie Prozessbeobachter, warum das Verfahren mit weiteren Terminen bis 27. März ausgedehnt wurde. Etliche auf den Gerichtsgängen fragen sich, was die Staatsanwaltschaft noch im Köcher hat, nachdem ihr jetzt schon das Pulver auszugehen scheint. Am 7. Januar wird der Prozess um Untreue, Bestechung, Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung fortgesetzt. Doch etliche der 16 Anklagepunkte sind bereits vom Tisch.


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