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Ex-Vorstände der Sparkasse erheben Vorwürfe im Amigo-Prozess

Brommes mangelnder Informationsfluss

Einst muss in der Kreissparkasse unter Ex-Chef Georg Bromme und seinen Vorständen ein eisiges Klima geherrscht haben. Dies wurde heute vor dem Landgericht München II deutlich. Transparenz scheint nicht Brommes Stärke gewesen zu sein, wie Zeugen übereinstimmend erklärten.

Die zwei Hauptangeklagten: Jakob Kreidl (links) und Georg Bromme (rechts). Bromme hübschte auf, Kreidl ist sich keiner Schuld bewusst. / Foto: Klaus Wiendl

Wie bereits vorab berichtet standen heute die Maßnahmen zur Renovierung des etwa 100 Jahre alten und denkmalgeschützten Hauptgebäudes des Landratsamts im Mittelpunkt. Vor allem deren Kosten. Der mitangeklagte Jakob Kreidl wollte mit seinem Amtsantritt 2008 als Landrat auch zumindest sein Dienstzimmer renoviert haben, so Brommes Aussage heute vor der Wirtschaftsstrafkammer.

Eigentlich hätte man das ganze Dienstgebäude auf Vordermann bringen müssen. Doch dies schied aus Kostengründen aus. Denn dafür wäre ein „zweistelliger Millionenbetrag“ notwendig gewesen, so Bromme. Dies sei aus finanziellen Gründen nicht gegangen. Zum einen war der Landkreis damals „hochverschuldet“, zum anderen habe der Neubau des Krankenhauses Agatharied ein tiefes Loch in die Kreiskasse gerissen. Eine zusätzliche Renovierung des Landratsamtes wäre bei der „Bevölkerung nicht gut abgekommen.

Knapp 180.000 Euro fürs Sekretariat und Besprechungsraum

Also habe sich Bromme mit Kreidl zunächst auf dessen Bürorenovierung verständigt. Dies sei im Sommer 2008 während des Urlaubs von Kreidl geschehen. Kostenpunkt: 113.760 Euro. Dafür wurde in Technik, Stromleitungen und Isolierverglasung investiert. Auftraggeber war Bromme, dessen Sparkasse prompt die Rechnungen beglich. Dies machte Bromme wohl ohne Rückendeckung der hauseigenen Gremien.

Da dieser Fall aber verjährt ist, kann er ihm nicht mehr zur Last gelegt werden, wie Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller auf Nachfrage bestätigt. Die zweite Baumaßnahme dagegen schon. Die Renovierung des Vorzimmers und des Besprechungsraums kostete letztlich der Sparkasse weitere knapp 180.000 Euro. Während Bromme behauptete, sein Bankvorstand wäre mit dem Vorgang befasst gewesen, bestritten dies Brommes einstige Kollegen, wie beispielsweise der Mitangeklagte Roland Böck.

Bromme vergab Aufträge in „Eigenregie“

Für dessen Verteidiger war klar, dass Bromme „die Arbeiten in Eigenregie“ vergeben habe. Böck habe mit den Umbauten „nichts zu tun gehabt“. Einen Vorstandsbeschluss dazu gebe es nicht. Dies war im Kern auch die Aussage des Zeugen Stefan Neuhaus, zwei Jahre Vorstand in Brommes Ägide. „Es gab keinen Vorstandsbeschluss und keine Information“, so Neuhaus. Sein Verhältnis zu Bromme sei nicht gut gewesen, „es war zerrüttet“, weil beide „unterschiedliche Vorstellungen von der Führung einer Sparkasse“ gehabt hätten.

Bromme soll nur den Verwaltungsrat am 1. Februar 2010 informiert haben, der das Vorhaben einstimmig abnickte. Verbucht wurden die Rechnungen in der Sparkasse als „sonstiger außerordentlicher Aufwand“. Steuerlich erfolgte die Behandlung dieser Zahlungen laut Staatsanwaltschaft als kapitalertragsteuerpflichtige verdeckte Gewinnausschüttung“.

Kreidl verteidigte sich damit, dass ihm Bromme signalisiert habe, es würde sich hier um eine „gemeinnützige Leistung der Sparkasse“ handeln. Und er wisse bis heute nicht, „warum dies nicht zulässig gewesen sein soll“, denn der Landkreis sei der „Gewährträger“ der Sparkasse. Kreidl: „Ich bin überzeugt, dass ich richtig gehandelt habe“. Denn von der Sparkasse „habe ich ein eindeutiges Ja bekommen“.Kreidls Vize als Landrat, Arnfried Färber, konnte sich als Zeuge an nichts erinnern. Anders dagegen Martin Pemler als Zeuge. Als Abteilungsleiter im Landratsamt habe er erst von den beiden Renovierungen erfahren, als diese schon umgesetzt worden seien. Kreidl habe ihm erklärt, dass die Sparkasse die jeweiligen Kosten übernehmen werde. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.


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