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Sparkassenaffäre landet vor Gericht

Kreidl-Prozess beginnt am 24. Oktober

Fünf Jahre, nachdem das großzügige Sponsoring der Kreissparkasse Miesbach um Ex-Landrat Jakob Kreidl aufflog, beginnt nun der Prozess. Sitzen werden auf der Anklagebank nach Angaben von Gerichtssprecher Florian Gliwitzky ein ehemaliger Landrat und ein Teil der früheren und amtierenden Sparkassen-Führung.

Peanuts links, Peanuts rechts. Dazwischen Jakob Kreidl. Der sitzt nun am 24. Oktober auf der Anklagebank / Archivbild

Nach Informationen der Tegernseer Stimme beginnt der Prozess vor dem Landgericht München II am 24. Oktober. Angesetzt hat die Wirtschaftsstrafkammer 21 Verhandlungstage. Das Urteil könnte am 30. Januar 2019 fallen. Gegen die anderen drei ursprünglich Beschuldigten habe es “Verfahrenseinstellungen” gegeben oder sie seien durch “Klagerücknahme” ausgeschieden. Darunter waren auch der damalige Vize-Landrat Arnfried Färber und die Vorstände Gerhard Gegenfurtner und Stefan Neuhaus.

Den Angeklagten, Ex-Landrat Jakob Kreidl, dem ehemaligen Sparkassen-Chef Georg Bromme sowie den amtierenden Vorständen der Sparkasse, Martin Mihalovits und Roland Böck werden hauptsächlich Untreue und Vorteilsnahme vorgeworfen. “Es sind diverse Straftatbestände, die eine Rolle spielen”, so Staatsanwalt Gliwitzky. Im Januar 2015 hatte eine Hundertschaft von Staatsanwälten und LKA-Leuten insgesamt 27 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht, darunter auch die Privathäuser von Kreidl und Bromme.

Insgesamt waren es einmal 13 Beschuldigte

“Ursprünglich waren es zwei verschiedene Anklagen: Doch das zweite Verfahren steht noch aus, es ist noch nicht terminiert”, so Gliwitzky gegenüber der Tegernseer Stimme. Dieses mit minder schweren Vorwürfen richtet sich gegen aktive oder ehemalige Mitglieder des Verwaltungsrats der Sparkasse. Dies wären unter anderem Kreuths Rathauschef Josef Bierschneider, der Weyarner Ex-Bürgermeister Michael Pelzer und Miesbachs derzeitiger Landrat Wolfgang Rzehak. Als Mitglieder des Sparkassen-Verwaltungsrats hätten sie laut Staatsanwaltschaft aber dem Treiben von Bromme und Kreidl Einhalt gebieten müssen. Stattdessen hätten sie ebenfalls Vorteile daraus gezogen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 6.000 Seiten umfassenden Schriftsatz in zwei Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer getrennt. Einerseits die sieben erwähnten höherrangigen Akteure aus dem Sparkassen-Vorstand, andererseits die sechs einfachen Mitglieder des Verwaltungsrats. Ursprünglich hatten sich die Ermittlungen gegen 20 Beschuldigte gerichtet. Gegen zwei Beschuldigte wurden laut Staatsanwaltschaft München II Strafbefehle beantragt, die durch das Amtsgericht München erlassen wurden und bereits rechtskräftig sind. Gegen vier Beschuldigte sei das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Bei einem Beschuldigten sei eine Verfahrenseinstellung aus Rechtsgründen erfolgt.

Fürstliche Geburtstagsfeier mit Geld von Sparern

Alles begann mit der opulenten Sause zu Kreidls 60. Geburtstag als Landrat am 16. August 2012. Kreidl hatte sich seine 118.000 Euro teure Party in Wasmeiers Freilicht-Museum vom Geldinstitut als Verwaltungsratschef mit 77.000 Euro finanzieren lassen und durch den Landkreis Miesbach mit 33.000 Euro. Doch dies war nicht das Ende der Gefälligkeiten durch die Sparkasse. Ihre Ansprüche an Kreidl und Bromme wurden mit bis zu 4,3 Millionen Euro beziffert.

Denn die Ermittlungen brachten den Erwerb der Geitauer Alm bei Bayrischzell für 1,5 Millionen Euro und des Psallierchores im Kloster Tegernsee für weitere Millionen ans Licht. Aber auch Jagdausflüge, kostspielige Bürgermeisterreisen und Büroausstattungen wurden gesponsert. Inzwischen hat die Bank von ihrer Manager-Haftpflichtversicherung zwei Millionen Euro erhalten. 22.000 Euro stehen als offenen Forderungen noch im Raum. “Die Anzahl von 21 Sitzungstagen sagt nichts über das Gewicht der Straftaten aus”, so Gliwitzky.


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