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Ein Gegenkommentar zum Ausflugswahnsinn am Tegernsee

Das Tegernseer Tal ist nicht die Herbertstraße

Von Peter Posztos

Die Erfahrenen unter den Tal-Bewohnern wissen: Wer zahlt, schafft an. Sie zahlen, Sie bekommen. Das ist in etwa das Verständnis einiger Tal-Besucher und manch Gastronomen und Hoteliers. Ein Kommentar von Peter Posztos.

Das Tegernseer Tal ist nicht die Herbertstraße.

Ein Kommentar von Peter Posztos:

Nun ist käufliche Liebe im Tegernseer Tal nur in Form von Ehen erlaubt, also dürfte nicht jeder die amouröse Allegorie verstehen. Zum Mitschreiben: einige Tal-Besucher – gleich ob Mountainbiker mit Bienenkostüm oder Frührentner mit mitgebrachten Butterbrot – eint eine Aussage: Wir bringen das Geld ins Tal, wir haben das Sagen. Der gemeine Tal-Bewohner dagegen hat brav zu ertragen und bekommt dafür das Geld jener, die am Tegernsee Woche für Woche einfallen.

Das Tal ist überfüllt

Und genau das ist das Missverständnis. Selbst wenn der umtriebige Korbinian K. aus Gmund wie auf der Hamburger Herbertstraße an seinen Betrieben mit “We love Münchner” wirbt, spricht das nicht für die Mehrheit. Denen missfällt der Stau-Wahnsinn, die überlauten Motorräder, die Heuschreckenschwärme an Tagestouristen, die jeden noch so geheimen Winkel des Tals zutrampeln.

Auch wenn der immer öfter zu Altersmilde tendierende Kollege Martin Calsow zur Toleranz mahnt, vielen Menschen ist das schlicht zu viel. Schon in den letzten Sommern war das Tal weit über das Erträgliche überschwemmt worden. Und auch wenn Berufsbeschwichtiger wie der TTT-Chef Kausch mit herbeigezimmerten Studien über die Lukrativität der Tagestouristen argumentieren, muss man wissen, wer ihm applaudiert: Ein gar nicht mal so großes, aber sehr wirkmächtiges Netz aus direkten und indirekten Profiteuren, einige von ihnen ohne jegliches Verständnis für ihre Heimat.

Das Geschwätz jener Räte, die von “vielleicht ein wenig im Stau stehen” sprechen, ist für die, die das täglich tun müssen, eine Zumutung. Denn schon längst haben jüngste Handy-Erhebungen eine Überfüllung an vielen Seen im Oberland festgestellt. Jeder sieht und spürt tagtäglich die Enge, die Tausende von Besuchern anrichten.

Das Problem sind die Gierigen

Irgendwann darf sich die Politik nicht mehr vor den wenigen Großgastronomen wegbuckeln. Und es gibt unter Hoteliers und Gastronomen ja durchaus auch kritische Geister, die die Entwicklung mit Besorgnis sehen, vernünftige Menschen, die mit nachhaltigen Ideen den selbstgeschaffenen Ekzessen begegnen wollen. Das Problem sind die Gierigen unter ihnen, die den Hals nicht vollbekommen, die das Tal als ihre persönliche Spardose ansehen. Da muss auch der letzte Groschen rausgepresst werden, wie um 5 Uhr morgens auf St. Pauli.

Wer wie Kohler “We love Münchner” plakatiert, richtet einen gesellschaftlichen Schaden an. Es ist nicht einfach eine andere Meinung: Es sagt: Mitbürger: Mir ist Euer Stress egal, ihr seid mir egal. Mein Umsatz ist wichtiger als Euer Bedürfnis nach Ruhe und Erholung. Keiner will Schließungen, aber zwischen Null und 100 gibt es eine Mitte. Doch davon ist das Tal – zumindest derzeit – weit entfernt.

Hier lesen Sie die andere Ansicht auf den Ausflugswahnsinn von unserem altersmilden Kolumnisten Martin Calsow.


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