Kolumne: "Postskriptum"

Gmund – vom Nabel bis zum Ende der Welt

Von Toni

Te Pito Te Henna, der Nabel der Welt befindet sich angeblich auf der Osterinsel. Er besteht aus einem großen, runden Stein umgeben von vier anderen Steinen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren sollen. Um dieses Arrangement befindet sich ein ebenfalls aus Steinen gelegter Kreis.

Ein anderer Nabel der Welt ist Gmund am Tegernsee. Keine bestimmte Stelle in der Gemeinde, die Steine oder anderes markieren. Nein, der Ort an sich ist der Nabel der Welt, so jedenfalls behaupteten in den letzten Wochen einige meiner Freunde, als ich ihnen mitteilte, ich ziehe nach Gmund. Endlich, so waren sie sich einig, kommst du zurück aus der Pampa.

Holzkirchen = Pampa?

Die Pampa ist eine Grassteppe im südöstlichen Südamerika am Río de la Plata. Ich war dort nie. Ich lebte fünf Jahre im S-Bahnbereich in der Nähe von Holzkirchen. Offensichtlich ist das für meine Freunde, die in Miesbach, Reichersbeuern, Sachsenkam, Tegernsee, Gmund oder Reitham wohnen, wie das Outback in Australien oder eben die Pampa in Argentinien.

Ich fand bis dato, dass Holzkirchen der wesentlich zentralere Ort sei. Nach dem Ende einer Kinospätvorstellung war die Autofahrt nachts um ein Uhr vom Münchner Stadtzentrum bis nach Holzkirchen in einer halben Stunde zu bewältigen, tagsüber bei normalem Verkehr sind es knapp 38 Kilometer. Von Gmund bis ins Münchener Stadtzentrum sind es nun gute 52 Kilometer.

Gmund – der Nabel der Welt? Quelle: Papierfabrik Louisenthal

Die Welt hat offensichtlich viele Nabel. Vermutlich annähernd so viele wie es Menschen gibt. Denn wer oder was der Nabel der Welt ist hängt wohl vom Standpunkt des Betrachters ab. Für mich ist es zuweilen das Münchner Stadtzentrum, für meine Freunde eben Gmund am Tegernsee. Andererseits wird wohl keiner auf die Idee kommen zu sagen, der Nabel der Welt liege in Reitham oder Geretsried.

Bei Bayrischzell bin ich mir da nicht so sicher, denn für die meisten Bayrischzeller ist Bayrischzell der Ort, wo Bayern am Bayrischsten ist und das ist dann ja auch ein wenig, wie das gefühlte Zentrum der Welt.

Von Gmund über Draxlham direkt ins Outback

Bei Draxlham bin ich mir wiederum ziemlich sicher, dass es wohl niemanden gibt, der diesen Ort für den Nabel der Welt hält. Das würde voraussetzen, dass man weiß, wo Draxlham liegt. Aufmerksam geworden auf Draxlham bin ich, als einer meiner Freunde sagte, er ziehe auch um, und zwar ans Ende der Welt. Ich fragte per Mail, wo sich denn das Ende der Welt befinde, damit ich ihn besuchen könne. Er sagte der Ort nenne sich Draxlham, ein Ortsteil von Warngau, der in google Maps nicht auffindbar ist. Und somit zumindest ein Kriterium erfüllt hat, das die verschiedenen Enden unserer aktuellen Welt charakterisiert.

Man gelangt übrigens nach Draxlham, oder wenn man so will, ans Ende der Welt, wenn man vom Tegernseer Tal aus nach Holzkirchen fahrend, links Richtung Osterwarngau abbiegt und vor Osterwarngau nochmals nach links abfährt. Doch wenn das dort das Ende sein soll und Gmund der Nabel, wo liegt dann Holzkirchen? Gehört es überhaupt noch zur Welt?

Meine Freunde haben wohl doch recht, wenn sie sagen Holzkirchen sei sowas wie die Pampa oder das Outback. Ob meine Freunde schon einmal in Australien waren? Ich weiß es nicht und frage auch lieber nicht nach – ich könnte die Orientierung gänzlich verlieren.


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