Tegernsee:
Greither darf loslegen: Stadtrat Tegernsee wiegelt Gutachten ab

Seit drei Jahren will Andreas Greither sein Hotel umbauen. Seit 2020 gibt es einen Bebauungsplan. Aber seine Nachbarn fürchten die Lärmbelästigung. Jetzt kamen sie mit einem Gutachten in den Stadtrat.

Gehts beim Westerhof voran? Quelle: Redaktion

Die drei großen V’s nachbarlicher Beziehungen: verklagen, verzögern, verhindern. Die Nachbarn von Andreas Greither kennen keine Gnade, wollen seine Hotel-Baupläne um jeden Preis blockieren. Dabei helfen auch örtliche Politiker wie Marcus Staudacher von den Grünen oder Thomas Mandl von der SPD. Aber – ohne Erfolg. Wieder einmal.

Vorlesung Stadtrat Tegernsee

Am Dienstagabend war Vorlesungszeit im Stadtrat Tegernsee. Bauamtsleiterin Bettina Koch verlas die Fragen der Grünen-Fraktion zu einem neuen Gutachten und die dazugehörigen Antworten des ersten Gutachters. Letzteres ist Grundlage für einen Bebauungsplan am Westerhof-Grundstück. Damals hatte das Münchner Ingenieurbüro für Geotechnik und Umwelttechnik, Frank/Bumiller/Kraft, alle Bedenken, inklusive Erdrutsch, vom Tisch gewischt. Das Landratsamt hat 2020 grünes Licht für den Bau gegeben. Vorausgegangen waren Jahre des Streits zwischen der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), den Nachbarn auf der einen Seite und dem Unternehmer Greither auf der anderen Seite.

Greither will aus dem Garni-Hotel mit 43 Zimmern geführten Westerhof ein luxuriöses Gesundheitshotel mit 134 Zimmern, 270 Betten und 50 Personalzimmern sowie Wellnessbereich, Terrassen und Chalets bauen. Der Tegernseer Stadtrat hat im Mai 2020 nach elfjährigem Verfahren einen Bebauungsplan beschlossen, der dies ermöglicht. Anwohnerinnen und Anwohner und Unterstützer wie die SGT fürchten die Lärmbelästigung und das Verkehrschaos auf der Olaf-Gulbransson-Straße. Ein Urteil am Verwaltungsgericht (VG) gab Greither jedoch im Februar 2022 recht, er durfte bauen. Bis heute gilt der Westerhof in Tegernsee als Projekt mit der längsten Planungsphase.

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Nun wohnt da oben nicht das arme Tal-Prekariat, sondern ein solventes Publikum, was auch langjährige juristische Auseinandersetzungen nicht scheut. Aktuell ist noch eine Normenkontrollklage gegen das Urteil am Verwaltungsgericht anhängig. Das dauert. Aber in dieser Klage gibt es – na klar – ein Gegengutachten. Damit schlägt man sich bis zu einer Gerichtsentscheidung die Zeit tot. Die Nachbarn hatten eine gutachterliche Stellungnahme von Dr. Christian Uhlir, einem österreichischen Fachbuchautor und Lehrbeauftragten an einer Salzburger Uni, in Auftrag gegeben. Der sah erhebliche Risiken für Rutschungen, bezog sich auf vorhandene Karten und warnte vor mögliche Abgänge, speziell bei Starkregen-Ereignisse. Diese Vorwürfe nahmen die Grünen im Stadtrat auf, stellten Fragen.

Man war sich im Stadtrat schnell einig, sogar Staudacher stimmte hier zu, dass Gutachten gern die Meinung der Auftraggeber widerspiegeln. Uneinig aber hingegen war man über die Konsequenz. Denn die ersten Gutachter konnten auf jede Frage der Grünen ausführlich und dezidiert antworten, sahen keinerlei neue Erkenntnisse. Aber Stadtrat Staudacher wünschte sich ein drittes, von einer “neutralen” Stelle, ausgeführtes Gutachten. Aber nur Thomas Mandl (SPD) und Staudachers Fraktionskollegin Barbara Staudacher, stimmten dieser Idee zu.

Der Rest konnte nur müde den Kopf schütteln. Bürgermeister Johannes Hagn sah den Zug für einen Baustopp längst abgefahren. Das Landratsamt bliebe als Genehmigungsbehörde bei dem Ergebnis des ersten Gutachtens. Er wolle und könne da mit seiner Verwaltung noch einmal dazwischengehen. “Ich lasse mich nicht in ein rechtlich unsicheres Terrain ziehen”, betonte der CSU-Stadtchef. Auch sein Stellvertreter Michael Bourjau von den FWG stimmte ihm zu.

Am Ende wurde das Ansinnen der Grünen zwar angehört, aber es blieb folgenlos. Andreas Greither darf loslegen.

Interessant auch: Die Stadt hatte mit dem Unternehmer vereinbart, dass er für die Kosten der Straßensanierung aufkomme. Die ist so gut wie abgeschlossen, wird den Unternehmer wohl mehrere Millionen Euro gekostet haben. Schon jetzt werden die Gesamtkosten für den Gesamtbau auf einen dreistelligen Millionen-Betrag geschätzt. Greither, schon über 70, will aber um jeden Preis den Bau umsetzen. Fraglich nur, ob er die Nachbarn zu einem Versöhnungstee auf der dann neuen Terrasse hoch oben über dem Tegernsee einladen wird.

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