Ostern am See: Auferstehung der heiligen Bigotterie

Guter Geschmack – Warum hast Du uns verlassen?

Von Martin Calsow

Was war das für ein Wochenende? Ein Event folgte dem nächsten. Aber zuerst eine Testfrage: Was sind die größten Gefahren für unsere örtliche Idylle: Touris? Klima? Russen? Covid? Oder vielleicht doch eine ganz besondere Gruppe Einheimischer…? 

Ein Feierabendbier am See? In vielen Teilen der Gemeinden ist das seit langem verboten. / Archiv

Eine zärtliche Glosse vom Glückskolumnisten Martin Calsow:

Nicht der Tagestourist, der falsch parkt, nicht der grölende, sich zuweilen übergebende Bräustüberlbesucher oder ebensolcher Preysing-Partygast stört unsere örtliche Politik. Es ist eine kleine Gruppe, die niemand so wirklich im Tal schätzt…

Ballermann-Lifestyle nur, wenn die Gastro profitiert

Jugendliche. Klar: Das dauermüde Jungvolk steht auf der Taltouristiker-Hitlist auf den Abstiegsplätzen. Haben Akne. Stehen nur rum. Kosten Geld, geben selbst kaum etwas aus und machen dafür Dreck und Lärm in Ufernähe. Das geht nicht. Im Tal gilt: Lärm und Dreck? Nur in dafür vorgesehenen Räumen mit Umsatzgarantie. Also wird das Zusammenstehen mit einer Halben überall am See von örtlichen Dorfschulzen aufs Stärkste geahndet. (Stichwort Alkoholverbot und Verhaltenskodex an den Seepromenaden)

Sind zwei oder drei im Namen der Freizeit unterwegs, so ist das Ordnungsamt unter ihnen. Wie heißt es im Dialekt der Alten in Enterrottach noch so nett: Quod licet Iovi, non licet bovi – Was dem Stier Preysing oder Ochsen Hubert erlaubt ist, gilt noch längst nicht für die pubertierenden Kälbchen im Tal.

Ballermann-Lifestyle in Preysings Party-Purgatorium ist ok, wenn ein Zaun drumherum gezogen wird. Busweise herausgekippte Menschentrauben im Bräu? Klaro, weil das ja irgendwie auch zu Tegernsee gehört. Stehen aber zwei Pubertiere bibbernd in der Frühlingskälte mit zwei Flaschen Bier am See beieinander, dann ist das bußgeld-bewehrt. Ordnung muss sein. Saufen und Musik? Nur, wenn die örtliche Party-Gastro profitiert.

Paaaaaaarty

Nun sieht man die Feierbilder der Preysing-Party, zieht die Insta-Fotos des Saurüsselteams (bester Firmenname ever) dazu, verbindet das mit der baldigen Neu-Eröffnung des Bussi Babys und schon hat man die Road Map für das einst verschlafene Westbankerl-Örtchen Wiessee: Vom Haslberger-Reich hinunter zum See soll für das zahlungskräftige Partyvolk ein Eventraum geschaffen werden. Ruhige Erholung war gestern. Der Schampus soll fließen von 1.000 Höhenmetern hinunter bis zur Uferkante. Wem das nicht reicht: Es geht auf der anderen Seeseite im Kohler-Clubhaus weiter.

Der Tegernsee ist auf dem besten Weg, zum neuen Kitzbühel/Ischgl/St.Anton der deutschen Feierblase zu werden. Ab und an darf dann noch der Trachtlerzoo zur Belustigung ein wenig mit der Peitsche knallen und auf die Lederhose klatschen. Haslberger, Preysing, Frühauf, Kohler – das sind die Vier von der Party-Tankstelle. „Unternehmer“, die unser Tal in die neue Zeit des Entertainments bringen. Läuft. Zumindest für diese Herren…

Sherlock-Sozi entdeckt reiche Ukrainer am Tegernsee

Dann geht es auch schon weiter mit dem heiteren Oster-Rückblick: Tagestouristen aus München sind ja die allerliebsten Gäste im Tal. Aber unser persönlicher Lieblingsgast war heuer der Münchner Sozi Florian Post. Er kam, verkleidet als JU-Bezirkschef aus dem Münsterland: Steppjacke, Luxusuhr, Sonnenbrille, zu enge Hose und Zwillingskinderwagen. Damit wäre er im Meer der täglichen Plage aus der Stadt nicht weiter aufgefallen.

Auch hier am See trägt der in die Jahre gekommene Haziettenbesitzer so eine Verkleidung, wenn er jüngere Frauen anspricht. Aber Genosse Post hat dann auch getwittert: „Reiche ukrainische Oligarchen verlassen das Land. Vor den teuersten Hotels am #tegernsee stehen #luxusautos mit ukrainischen Kennzeichen und hier klatscht man eifrig Beifall zu einem solch asozialen Verhalten. Kämpfen soll dann doch lieber das einfache Volk!“

Hat der Sozi sich so ausgedacht und schnell mal, vermutlich am Schorn stehend, rausgehauen. Nun sind Sozis aktuell nicht jene, die sich mit Kritik an der überfallenen Ukraine hervortun sollten (Schröder, Steinmeier, Schwesig etc.). Aber es zeigt uns kleinen Tal-Einwohnern, dass der Themenknochen „Oligarchen“ immer noch nicht völlig abgenagt ist, wenn eine SPD-Polithyäne davon publizistisch leben kann.

Für einen Pfarrer gibts drei Frauen

Doch was wäre Ostern ohne Kirche? Skandalfreie Feiertage? Nein. Während im Bistum Köln aus Missbrauchsfonds Spielschulden von Priestern beglichen werden, hatten die Papisten im Tal Personalnotstand. Monsignore Waldschütz war vom Corona-Dämon Virus besessen (an dieser Stelle noch einmal vom Messdiener-Veteranen: Gute Besserung).

Und die Heimatzeitung, verlässliches Organ der Katholischen Kirche und ihrer Aktivitäten, meldete fromm und frei: Drei Frauen müssen ihn vertreten – und das „wird nicht jedem gefallen“. Wenn das der alte Frauenhasser Paulus wüsste. Übernimmt das katholische Weibsvolk die Arbeit nun gänzlich?


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