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Neue BOB-Haltestelle in Finsterwald

Hätte die Kostenexplosion verhindert werden können?

Die Bauwirtschaft boomt. Baufirmen mit freien Kapazitäten und angemessenen Preisen zu finden, ist oft schwierig. Aber musste der neue BOB-Halt in Finsterwald wirklich doppelt so teuer werden?

Im Juli beginnt die zweite Bauphase für den neuen BOB-Halt in Finsterwald.

800.000 Euro – so lautete ursprünglich das Limit, das sich die Tegernsee-Bahn Betriebsgesellschaft mbH (TBG) für den Bau des neuen Bahnhalts in Finsterwald gesetzt hatte. Inzwischen belaufen sich die geplanten Kosten wie berichtet auf rund 1,6 Millionen Euro. Damit haben sich die Kosten innerhalb kurzer Zeit verdoppelt.

Im Jahr 2016 hatten die Arbeiten begonnen. Aus Rücksicht auf die Schüler der in Finsterwald ansässigen Realschule Tegernseer Tal wurden die Baumaßnahmen in die Herbstferien verlegt. Von Anfang hatte man für das eigentlich einjährige Projekt zwei Bauphasen angesetzt – mit jeweils eigenständigen Ausschreibungsverfahren, erklärt Tegernsee-Bahn Geschäftsführer Heino Seeger auf Nachfrage.

Wegen der finanziellen Förderung des Vorhabens durch den Freistaat Bayern sei eine Ausschreibungen unabdingbar und laut Förderrichtlinien zwingend erforderlich gewesen. Das Projekt in zwei Bauphasen zu teilen sei das Entgegenkommen der TBG gegenüber der Realschule Tegernseer Tal gewesen, so Seeger, damit die Belästigungen während des Bauens sich vorwiegend in den Ferien abspielen. So wurde die zweite Bauphase in den Pfingstferien 2017 geplant. Dann aber schnellten bereits in der ersten Phase die Baukosten extrem in die Höhe (wir berichteten). Kabelkanäle mussten gezogen, Bodenersatzkörper eingebaut, Signale versetzt und Gleise angehoben werden.

Baustopp wegen höherer Baukosten

Aufgrund der veränderten Gleislage habe man unter anderem den Bahnübergang in der Tölzer Straße den Straßenanforderungen anpassen müssen, sagt Seeger. Und er betont: schon damals „flossen die Baukosten davon“. Zulieferer und Hersteller von Bahnsteigelelementen hätten auf einmal ihre Preise extrem angehoben, weil bundesweit vielerorts umfangreiche Arbeiten zur Verbesserung der Schienen-Infrastruktur stattfanden. Infolge der Großaufträge boomte die Baubranche. Die Firmen waren ausgelastet und kaum noch zu kriegen, ebenso wie Zulieferer und Hersteller.

Eine Entwicklung, auf die die Verantwortlichen der Tegernsee-Bahn reagierten, indem sie die Reißleine zogen und die Arbeiten nach Abschluss der ersten Phase erst einmal verschoben. Genauso wie die neue Ausschreibung zum zweiten Bauabschnitt. Es wäre nicht zu vertreten gewesen, so Seeger damals, das Budget deutlich zu überschreiten, nachdem für den Bau des neuen Haltepunktes öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Doch gerade diese Zuschüsse sind es, die das in Tegernsee ansäßige Unternehmen zu neuen öffentlichen Ausschreibungen in Bauphase zwei verpflichtet. „Wir leben nun einmal in Zeiten des Wettbewerbs“, so Seegers Antwort auf die Frage, warum man denn nicht von Anfang an alles auf eine Baufirma gesetzt hat, um Kosten zu vermeiden. Doch nach der erneuten, zweiten Ausschreibung sei schnell klar geworden, dass sich an der Situation in der Baubranche nichts geändert hatte. Der Markt boomte weiterhin. Statt also die Bauarbeiten in den Pfingstferien 2017 fortzusetzen, wurden diese verschoben. Inzwischen habe man eine Firma gefunden, so Seeger, die etwas preisgünstiger als die anderen sei.

Fertigstellung voraussichtlich Anfang November

Wäre der Freistaat nicht ein so „verlässlicher Partner“, wie es der TBG-Chef ausdrückt, und hätte er nicht ein Interesse daran, die Eisenbahn-Infrastruktur voranzutreiben, dann würde man wohl auf den hohen Kosten sitzenbleiben. Mit ein Grund, warum die Tegernsee-Bahn, an der unter anderem die Gemeinde Gmund zu 45 Prozent beteiligt ist, weiterhin hinter dem Projekt steht. Nutznießer des neuen Haltes seien vor allem die Schüler.

Kritikern, die zu geringe Fahrgastzahlen bei den prognostizierten hohen Kosten befürchten, hält der Bahn-Chef entgegen:

Wir machen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die nächsten 25 Jahren und bauen Bahnsteige für Jahrhunderte. Der Bahnhalt wird die Entwicklung der Gemeinde ganz klar berücksichtigen.

Und auch der Freistaat habe laut Seeger eine Plausibilitäts-Prüfung verlangt und sich die Gründe für die Verzögerung und doppelt so hohen Kosten detailliert erklären lassen. Am 2. Juli beginnt nun nach einer langen Pause Phase zwei des Projekts. Gebaut wird der 120 Meter lange Bahnsteig mit behindertengerechtem Zugang. Auch Fahrkartenautomaten sollen in Finsterwald installiert werden. Die Fertigstellung ist für Anfang November geplant.


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