Die Tegernseer Tal Woche im Rückblick

Ihre Hose ist zu lang, Frau Wachtmeisterin

Im Tegernseer Tal geht es manchmal heiß her. Auch in der vergangenen Woche ist wieder einiges passiert. Wir blicken zurück und erinnern uns an teure Polizei-Bootshäuser, rasende E-Biker und einen neuen Landratskandidaten.

Das war los im Tegernseer Tal

Unsere Polizei im Tal hat jetzt endlich ihr Boot. Allgemeines Aufatmen. Denn über Jahre hin war der See ein quasi rechts- mindestens aber polizeifreier Raum. Wie oft klagten Segler über Piratenüberfälle, berichteten Schwimmer von illegalen Drogengeschäften obskurer Stand Up Paddler in der Mitte des Sees. Jetzt kann die Staatsmacht hinunter zum Bootshaus fahren, das Boot binnen zehn Minuten startklar machen und wie in einer ZDF-Vorabendserie über den See knattern.

Aber wenn für ein Boot und ein Bootshaus erhebliche Mittel bereitgestellt werden, ist da nicht noch ein Etatgroschen für richtig sitzende Uniformen, fragen sich die Fashionistas aus der Redaktion.

Untenrum zu lang? / Quelle: Klaus Wiendl

Nun aber zu einem Knallerthema, das nicht nur jene betrifft, deren Zähne nachts in einem anderen Zimmer schlafen. Radlfahren innerorts. Mit den E-Bikes hat der deutsche Rentner eine neue Stufe der Mobilität erreicht. Humpelte einst der in beigen Funktionswesten gekleidete Pensionär mißgelaunt in Gruppen durch unsere Gemeinden, fegt er nun, angetrieben von einem Akku unterm Po, über Gehwege und versetzt ahnungslose Gleichaltrige wie auch Einheimische in Angst und Panik. Platz da, Opa kommt!

Den Helm schräg über den Kopf, die Augen schreckensweit hinter der Gleitsichtbrille geöffnet, scheint er schwerste Fastunfälle zu verursachen. Selbst Tegernsees wichtigste Ordnungsmacht, der Erste Bürgermeister, gibt sich hilflos. Wie könnte ein Warnschild für radelnde Rentnerrüpel aussehen? Jemand Vorschläge, fragen die I-Dötze zum Schulbeginn aus der Redaktion.

Ein neuer Mann fürs Amt des Landrats

Und dann war da noch der grundsympathische Patriot Martin Beilhack, Maurer, Landwirt und Chef der Waakirchner Gebirgsschützen. Der wollte vor vier Jahren wissen, ob er in einer Bundesrepublik lebt oder doch im Königreich Bayern. 2015 hatte er einen Antrag auf einen sogenannten Staatsangehörigkeitsausweis beim Miesbacher Landratsamt gestellt und sich auf das Gesetz von 1913 berufen – ein typisches Anzeichen für Reichsbürgertum, meint die Behörde. Laut der Ideologie dieser Bewegung, der sich auch manche Rechtsextremisten anschließen, gibt es die Bundesrepublik Deutschland gar nicht. So wie Bielefeld oder den Weihnachtsmann.

Das mit dem Antrag hat leider nicht so ganz funktioniert. Das Landratsamt zog einen unangekündigten Hausbesuch beim Bauern Beilhack auf dem Hof nach dem Motto „Der letzte klingelt“ durch und nahm ihm zwar nicht die Förmchen, jedoch die Waffen weg.

Der Prozess, ob der gute Mann weiterhin Waffen führen darf, läuft noch. Aber die Zeit bis zur Entscheidung vertreibt sich der Mann, der von sich sagt, er stehe mit beiden Beinen auf dem Grundgesetz, mit einer Kandidatur für den Landratsposten. Damit wäre er auf der anderen Seite des Schreibtisches, also dort wo die gelben Staatsangehörigkeitsscheine liegen… Das hat eine gewisse Ironie, finden die Hobby-Staatsrechtler in der Redaktion.


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