Nach Kritik an mangelnder, medizinischer Betreuung
Ist das Misstrauen von Müttern gerechtfertigt?

von Nicole Kleim

Immer mehr Geburtsstationen schließen. Freie Betten in Krankenhäusern? Mangelware. Die Belastungsgrenze des Personals ist oft nicht nur erreicht, sondern überschritten. Meldungen wie diese machen Angst. Aber wie sieht die Realität rund ums Tegernseer Tal aus?

Das Krankenhaus Agatharied – einer der letzten medizinischen Anlaufstellen. /Archivbild

Seit die Tölzer Asklepios-Klinik Ende März 2017 ihre Geburtsstation geschlossen hat, müssen werdende Mütter entweder in die Kreisklinik nach Wolfratshausen ausweichen oder ins Krankenhaus Agatharied. Gerade Agatharied musste sich zuletzt den Vorwurf gefallen lassen, es gebe zu wenig Betten und zu wenig Personal. Die Belastungsgrenze der Mitarbeiter war erreicht. Hebammen befanden sich im Dauereinsatz und arbeiteten bei voll belegten Kreißsälen auf Anschlag.

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Im vergangenen Jahr genehmigte der Landkreis dem Krankenhaus ein Zuschuss in Höhe von 32,1 Millionen Euro. Nicht nur die OP-Säle sind inzwischen aufgestockt worden, sondern auch die Kreißsäle. Statt drei gibt es nun vier, einen zusätzlichen Reserve-Entbindungsraum und eine Schwangeren-Ambulanz. Im Zuge dessen sei auch das Geburtshilfe-Personal verstärkt worden, wie Dr. Stefan Rimbach, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe auf Nachfrage mitteilt.

Es wurden erfreulicherweise zusätzliche Hebammen engagiert, die bei uns freiberuflich tätig sind. Aufgestockt wurde von neun auf 16, wobei einige in Teilzeit tätig sind.

Aber auch das ärztliche Team habe sich vergrößert, sagt Rimbach, fügt aber hinzu, dass hierbei schwer zu differenzieren sei zwischen der größer werdenden Geburtshilfe und der ebenfalls wachsenden operativen Gynäkologie (Endometriose, Brustkrebs, Beckenboden und weitere Themen). „Eine Arztstelle kann man gegenüber 2017 auf jeden Fall der Geburtshilfe zuschreiben.“ Auch die Pflegestation sei um zwei Stellen erweitert worden. Ebenso gebe es jetzt einen zusätzlichen, zweiten Nachtdienst.

Aktuell habe das Krankenhaus 1.242 Geburten im Jahr, sagt Rimbach. Im Schnitt also etwa 100 Geburten pro Monat. Tendenz steigend. Im Jahr zuvor waren es ungefähr 80 Geburten im Monat. Die Befürchtung werdender Mütter, sie würden keinen Platz zum Zeitpunkt der Entbindung bekommen, kann Rimbach ihnen nehmen: „Bislang habe man keine Schwangere abweisen müssen.“

Um auch Bedarfsspitzen abdecken zu können, sei die Station extra um vier Betten erweitert worden. Ein Problem in der allgemeinen, medizinischen Versorgung sehe er im südlichen Landkreis weder jetzt noch in Zukunft.

Das Krankenhaus Agatharied ist gut aufgestellt.

Er räumt aber ein, dass „Anpassungen an die sich stetig wandelnden Herausforderungen immer wieder nötig sind.“ Die Patienten würden primär aus den Landkreises Miesbach, Bad Tölz und Rosenheim kommen. Aber auch aus dem Münchner Süden habe man Zuwachs. Ebenso wie aus dem Tegernseer Tal. Als “Glücksfall” wurde zuletzt das für ambulante Operationen vorgesehene OP-Zentrum in Holzkirchen bezeichnet, das als weiteres Standbein hinzukam und für 15 Jahre gepachtet wurde (wir berichteten).

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