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Nach Razzia in Tegernsee

Kriegswaffe schützt vor Altersarmut nicht

Montagnachmittag in der Tegernseer Rosenstraße: Mehrere LKA-Beamte stürmen in ein Geschäft und nehmen den Ladeninhaber fest. Einen Mann, für den das Gestern eigentlich noch Zukunft haben sollte.

In seinem Laden in der Rosenstraße wurde der Antiquitätenhändler am Montagnachmittag festgenommen.

Kurz vor 15 Uhr spielten sich am Montag in der Tegernseer Rosenstraße Szenen wie in einem Gangsterfilm ab. Wie berichtet drangen bewaffnete LKA-Beamte in ein Geschäft ein und nahmen den Ladeninhaber fest. Gegen den Geschäftsmann hatte die Münchner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Waffenhandels bereits im Vorfeld ermittelt.

Im Rahmen ihrer Ermittlungen hatten die Fahnder herausgefunden, dass sich Käufer und Verkäufer – einer davon der Ladeninhaber – eine vollautomatische Maschinenpistole, eine Uzi, in Tirol beschafft hatten, um diese in Deutschland weiterzuverkaufen. Der Coup der Ermittler am Montagnachmittag gelang. Die Beamten beschlagnahmten die Maschinenpistole samt Munition.

Illegaler Waffendeal, weil „Geschäfte schlecht liefen“?

Nachforschungen der Tegernseer Stimme haben nun ergeben, dass es sich bei dem „mutmaßlichen Waffenschieber“ um den Inhaber des Antiquitäten-Geschäfts gehandelt hat. Der 78-Jährige wird von Nachbarn als „nett“ und „freundlich“ beschrieben. Gelegentlich habe man sich auf der Straße gegrüßt. Soziale Kontakte soll er nicht viele gehabt haben, so heißt es.

Was man von ihm allerdings wusste war, dass „die Geschäfte schlecht liefen“. Dadurch, dass der Antiquitätenhändler am Montagnachmittag wie ein Terrorist abgeführt wurde, hatte der erste Eindruck, den man von dem älteren Herrn hatte, kaum mehr eine zweite Chance. Warum der Geschäftsbetreiber den illegalen Deal mit einer „Kriegswaffe“ durchgeführt hat, wird nun die Staatsanwaltschaft prüfen.

Antiquitätenhändler wohnt auf Campingplatz

Kriminelle Absichten unterstellen ihm diejenigen, die näher mit dem Antiquitätenhändler zu tun hatten, jedenfalls nicht. Laut Schilderung eines Mitarbeiters des Campingplatzes „Wallberg“ in Rottach-Egern, wo der Antiquitätenhändler bis zu seiner Festnahme jahrelang als „Dauercamper“ wohnte, ist er auch dort nur als „netter, freundlicher und großzügiger Mann“ bekannt.

Von irgendwelchen Waffenschiebereien will man auf dem Campingplatz nichts gewusst haben. Von der Festnahme selbst habe man aus den Medien erfahren. Vielmehr gehe man davon aus, dass der 78-Jährige sich durch den Waffenverkauf die Rente habe aufbessern wollen. Sein Halbjahres-Mietvertrag für den feststehenden Wohnwagen besteht derweil weiter. Kostenpunkt: In etwa 900 Euro. Ohne Strom.

Auf dem Campingplatz in Rottach-Egern war der Antiquitätenhändler “Dauercamper”.

Ob der Campingplatz nun seinen Stammgast verlieren wird, bleibt abzuwarten. „Die Behörde wird wohl auf uns zukommen“, mutmaßt der Mitarbeiter. Besonders heikel für den Antiquitätenhändler und seinen „Kompagnon“: Der Besitz und der Handel mit einer Kriegswaffe fällt unter das Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG) und wird als „Verbrechen“ geahndet.

Die beiden Männer müssen laut §51 des KrWaffKontrG mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen. Normalerweise sind Antiquitäten „das einzige Feld, auf dem das Gestern noch Zukunft hat.“ In der Rosenstraße scheint dieser Acker gerodet zu sein.


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