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Krankenhaus Agatharied: Sorge vor der fünften Welle

„Pandemiebekämpfung ist längst nicht vorbei“

Von Sabiene Hemkes

Die vierte Corona-Welle bringt die Mitarbeiter im Gesundheitswesen an ihre Belastungsgrenze. Auch im Krankenhaus Agatharied arbeitet das medizinische Personal seit fast zwei Jahren unter sehr hohem Druck. Seit über zwei Monaten bewegen sich Pfleger und Ärzte am absoluten Limit. Wartet nun schon die fünfte Welle auf die Angestellten?

Update aus dem Krankenhaus Agatharied

Die Krankenhausleitung in Agatharied ist seit Beginn der Pandemie um Transparenz bemüht. Regelmäßig informieren die Verantwortlichen über die Entwicklungen und die Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb. Vor einem Monat erhielten wir sogar die Möglichkeit, uns vor Ort einen Eindruck von den außerordentlichen Belastungen für das medizinische Personal und die besorgniserregende Situation zu verschaffen.

Im heutigen Update informiert uns Melanie Speicher, Leiterin der Unternehmenskommunikation des Unternehmens, über die aktuelle Situation und wirft einen Blick auf die Herausforderungen der bevorstehenden fünften Corona Welle.

Wie ist die aktuelle Situation im Krankenhaus in Agatharied?

Melanie Speicher: Wir beobachten seit etwa zwei Wochen einen Rückgang der Coronafälle auf den Normalstationen. Die Intensivstation ist weiterhin stark ausgelastet, auch wenn die Anzahl der Coronapatienten auch hier zurückgegangen ist. Jedes verfügbare Bett wird genutzt, um wieder ein Stück Normalität herzustellen. Richtig Zeit zum Durchatmen bietet das Abflachen der vierten Welle also kaum.

Steht nach den kräftezehrenden letzten zwei Monaten mit der Ankunft von Omikron im Landkreis Miesbach nun schon die nächste Belastungsprobe für die Mitarbeiter in Agatharied vor der Tür?

Speicher: Wir sehen uns in dieser Pandemie seit nun fast zwei Jahren unter Dauerbelastung. Die letzten zwei Monate waren allerdings besonders herausfordernd.

Deshalb sind wir besonders stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ihrer Professionalität und mit einem starken Teamgeist viel Unmögliches möglich gemacht haben.

Mit Blick auf die aktuellen Erfahrungen aus anderen Ländern und unter Würdigung der wissenschaftlichen Veröffentlichungen müssen wir jedoch davon ausgehen, dass die notwendigen Anstrengungen zur Pandemiebekämpfung noch längst nicht vorbei sind. Alles deutet derzeit auf eine bevorstehende fünfte Welle hin, die uns Krankenhäuser noch einmal extrem beanspruchen wird.

Ist es richtig, dass Sie dringend auf der Suche nach Personal sind? Auch kurzfristig?

Speicher: Ja, absolut. Das liegt aber nicht nur an Corona. Es gibt in Deutschland Berufe, in denen ein massiver Fachkräftemangel herrscht. Dazu zählt der Pflegeberuf bereits seit vielen Jahre, auch schon vor der Pandemie. Der bundesweit zu beobachtende Personalmangel macht auch vor Agatharied nicht Halt.

Unser Personalbedarf in der Anästhesie- und Intensivpflege ist aber zusätzlich damit zu erklären, dass wir vor wenigen Wochen unsere Beatmungskapazitäten über die ursprünglichen Kapazitäten hinaus erweitert haben. Aus diesem Grund brauchen wir auch zusätzliches Pflegepersonal mit entsprechenden Zusatzqualifikationen. Über Bewerbungen freuen wir uns – natürlich auch kurzfristig.

Liegt das auch daran, dass Mitarbeiter wegen der Impfpflicht kündigen oder liegen die Gründe woanders?

Speicher: Die Gründe für die permanente Suche nach examinierten Pflegekräften liegen im allgemeinen Fachkräftemangel. Das ist aber kein reines Agatharied-Problem, sondern eine Herausforderung, die alle deutschen Krankenhäuser stemmen müssen.

Wir haben während der vergangenen Dezemberwochen in einer flächendeckenden Umfrage die Durchimpfung unserer Mitarbeiter erhoben. Demnach verfügt nur ein verschwindend geringer Anteil unserer rund 1.200 Mitarbeiter noch nicht über einen vollständigen Impfschutz.

Wir sind weiter bestrebt, die Reihen zu schließen und bieten deshalb unermüdlich Beratung, aber auch Impfmöglichkeiten an.

Wir betreiben am Krankenhaus seit Längerem einen Impfstützpunkt, an dem sich die Mitarbeiter ohne großen Aufwand impfen lassen können. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen.

Die Gefahr, dass Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen, dies zum Anlass für eine Kündigung nehmen, sehen wir nicht. Wir gehen eher davon aus, dass nach der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im März eine allgemeine Impfpflicht folgen wird. Damit wäre mit einer Kündigung nichts gewonnen.

Im Dezember hat die alpine Skisaison nach einem Jahr Zwangspause wieder begonnen. Es wurden zuletzt Befürchtungen laut, dass sich durch die beim Wintersport verletzten Menschen ein neuer Engpass im Krankenhaus ergeben könnte. Wie ist Ihre aktuelle Einschätzung der Situation?

Speicher: Auch im letzten Jahr, trotz geschlossenem Skibetrieb, waren Menschen in der Notaufnahme, die sich bei Wintersportaktivitäten verletzt haben. Wir erinnern uns an viele Rodler, Skitourengeher und verletzte Schlittschuhläufer, ganz ohne Liftbetrieb.

Aktuell, für diese Jahreszeit typisch, stellen wir einen leichten Anstieg der unfallchirurgischen Fälle in der Notaufnahme fest. Darauf sind wir vorbereitet; die Versorgung der Verunfallten ist für uns im Moment gut beherrschbar.

Vielen Dank für das Gespräch.


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