Ist das wirklich gewollt?

So groß soll die Halle am “Grünen Wasserl” werden

Nahezu jeder Talbewohner kennt sie: die Lagerhalle im Gmunder Ortsteil Moosrain. Wer auf der B318 nach Holzkirchen fährt, sieht sie rechts am Straßenrand. Hoch aufragend steht ein dunkler Koloss am Waldrand. Genau gleich groß soll nun ein weiterer im Landschaftsschutzgebiet am Grünen Wasserl entstehen, trotz Protesten.

Eine gleich große Lagerhalle wie in Moosrain soll auch im Biotop Grünes Wasserl entstehen / Quelle: Klaus Wiendl

Man muss sich einfach nur mal vor die Lagerhalle des Staatlichen Straßenbauamts Rosenheim stellen, um sich die Dimensionen ausmalen zu können, die Bauherr Lorenz Kandlinger auf der knapp 7.000 Quadratmeter Fläche am Biotop vorgesehen hat. 14 Meter breit soll die Splitthalle werden, 23 Meter lang und fast zehn Meter hoch. Zum Vergleich: das Pendant dazu in Moosrain hat nach eigenen Messungen mit dem Meterstab eine Breite von 12 Metern, eine Länge von 27 Metern. Allein das Garagentor ist etwa 5 Meter hoch. Darüber sind es nochmals etwa 4 Meter bis zum First. Unter dem Strich unterscheiden sich die existierende und die geplante Halle nur in der Länge. Die in Moosrain ist vier Meter länger. Ansonsten bleiben die Dimensionen einer Monsterhalle, die der Bauherr und die Talbürgermeister dort im Biotop entstehen lassen wollen, mit dem Segen des Landratsamts.

Dieses sieht die Splithalle auf Kreuther Gemeindegebiet als Teil eines „umfassendes Sanierungskonzepts“ mit der „Renaturierung größerer Uferflächen“. Damit sich die planierte Fläche „nicht weiter in das Biotop ausbreiten“ könne, müsse der „Status Quo“ des östlichen Teils „verbindlich festgelegt“ werden. Das Haus des Grünen-Landrats Wolfgang Rzehak bleibt dabei, dass sich „die Splitthalle nicht im Biotop befindet“. Erst durch dieses Gesamtkonzept sei es möglich geworden, große Flächen am Uferbereich zu renaturieren, während nur „sehr kleine Flächen“ für die Zufahrt verwendet würden, so Rzehaks Landratsamt, das damit eine Kehrtwende vollzog.

„Ablehnung zum Schutz des Landschaftsbildes“

Denn das gleiche Haus hatte noch am 15. Juni 2015 Kandlingers Neubauvorhaben abgeschmettert. Das geplante Vorhaben widerspreche „öffentlich-rechtlichen Vorschriften“. Die geplante Splitthalle liege direkt am Grünen Wasserl, einem „ökologisch wertvollen Quellgebiet“ mit naturschutzfachlich „sehr bedeutsamen Lebensräumen“, urteilte das Staatliche Bauamt damals. Die bestehende Lagerfläche habe sich „sukzessive und ohne die erforderliche Genehmigung immer weiter in ökologisch sensible Bereiche und Biotopflächen ausgeweitet“. Der derzeitige Zustand auf der Fläche ist „naturschutzfachlich äußerst bedauerlich“.

Im Bereich des Biotops soll die Lagerhalle entstehen / Quelle: Nina Häußinger

Das Grüne Wasserl sei als „bedeutender Quell- und Zulaufbereich ein sehr markanter und charakteristischer Ort am Tegernsee, der zur „Eigenart und Schönheit“ des Gebiets und der umliegenden Landschaft“ beitrage. Da eine weitere Bebauung auch die „Erlebbarkeit dieses Gebietes empfindlich beeinträchtigen“ würde, sei das Vorhaben zum „Schutz des Landschaftsbildes abzulehnen“. Zumal die Lagerhalle „weniger als 50 Meter von der Uferlinie entfernt“ entstehen würde. Außerdem sei sie im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet „Schutz des Tegernsees und Umgebung“ geplant. Deshalb sei die Errichtung der Halle „aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde“ mit den Bestimmungen des Naturschutzes „nicht vereinbar“. Wegen der sensiblen Lage könne eine „notwendige naturschutzrechtliche Befreiung nicht erteilt werden“.

Als würde es diese Abfuhr aus dem eigenen Haus nicht geben, wurde drei Jahre später unter Rzehaks Federführung eine Baugenehmigung erteilt. Begründung: Das Schreiben des Landratsamts 2015 sei “gar keine Entscheidung” und somit auch “kein verbindlicher Bescheid” gewesen. Außerdem hätten sich seitdem die “Voraussetzungen für den Erlass einer Baugenehmigung geändert”, hieß es nun aus Miesbach.

Behauptungen, die die Gegner des Projekts schon lange nicht gelten lassen wollen. Anlieger Jochen Pagenberg und die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) laufen Sturm gegen die Kehrtwende in Miesbach. Inzwischen hat auch eine Petition der SGT den Umweltausschuss des Landtags erreicht. Da es im Fall des Grünen Wasserls ein „paar Ungereimtheiten“ gebe, wollen sich Mitglieder des Gremiums nach den Pfingstferien ein eigenes Bild vor Ort machen.

Meinung der Redaktion:

Vielleicht wäre dann ein Schaugerüst hilfreich, das schon so manches Vorhaben zu Fall brachte. Oder die Landtagsabgeordneten halten zuvor in Moosrain an der Lagerhalle. Dort sehen sie, was am Biotop des Grünen Wasserls geplant ist: eine Monsterhalle.


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