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Neue Details in der Miesbacher Amigoaffäre

Prüfer feierten auf Kosten der Kreissparkasse

Seit Ende Oktober versucht das Landgericht das großzügige Sponsoring der Kreissparkasse Miesbach (KSK) aufzuklären. Wie mehrfach berichtet geht es dabei auch um Luxus-Reisen und sündteure Feiern. Die Ausgaben dafür unterlagen der Kontrolle des Sparkassenverbandes. Doch der ließ sich von der KSK aushalten, wie TS-Recherchen nun zeigen.

Sparkassenprüfer feierten auf Kosten der Kreissparkasse im Leonhardstoanerhof

Zu Beginn des Prozesses vor der Wirtschaftskammer berief sich vor allem Georg Bromme als Angeklagter ständig darauf, dass seine Jahresabschlüsse als Sparkassenchef ständig vom Sparkassenverband Bayern geprüft worden seien und es keine Beanstandungen gegeben habe. Doch nicht nur nach etlichen Zeugenaussagen wurde klar, dass man offensichtlich in der Münchner Prüferzentrale beide Augen trotz zahlreicher Auffälligkeiten zudrückte.

Auch die für die KSK zuständige Prüferin Anita D.-T. aus Gmund arbeitete „nicht ordnungsgemäß“ und soll „Untreuehandlungen in der Sparkasse in mehreren Fällen begünstigt“ haben, wie die Tegernseer Stimme Ende November aufdeckte. Die Leiterin der Prüfungsstelle beim Sparkassenverband Bayern wurde wegen „mehrfacher Beihilfe zur Untreue zu einem Strafbefehl mit Bewährungsstrafe verurteilt“, so die Staatsanwaltschaft gegenüber der Tegernseer Stimme.

Nicht ins Visier der Ermittler geriet wegen Verjährung, wie beispielsweise der „Verbandsprüfertag“ 2004 inszeniert wurde. Denn er unterschied sich nur wenig davon, wie freizügig Bromme und der Mitangeklagte Jakob Kreidl als ehemaliger Landrat und Ex-Verwaltungsratsvorsitzender mit Sparergeldern umgingen. Die Prüfer stellten für ihre „interne Veranstaltung“ im Oktober 2004 auch noch Ansprüche, wie der Tegernseer Stimme nun bekannt wurde. Nach der Planung bereits im Mai sollte die Feier damals zunächst noch im Bauer in der Au für die 120 Personen des Sparkassenverbandes stattfinden.

Amüsement mit „Damen vom Innendienst“

Gewünscht war eine Kutschfahrt hoch zum einstigen Wiesseer Ausflugslokal. Doch dafür wären 20 Kutschen erforderlich gewesen. Dieses Transportmittel ließ man zwar fallen, dafür sollten es dann Traktoren mit Anhängern werden. Schließlich sollte bei der Feier zu Zeiten der Hirschbrunft beim Bauer in der Au „sehr ausgelassen“ gefeiert werden. Denn es seien ja „auch die Damen vom Innendienst“ dabei, mit denen man sich „schließlich amüsieren“ möchte. Man wollte auch keine „getragene“, sondern eine „fetzige“ Musik, da auch bei den „letzten Veranstaltungen auf Tischen und Bänken getanzt wurde“, so die internen Notizen, die der Tegernseer Stimme vorliegen.

Doch dazu kam es nicht, denn es erfolgte ein Wechsel der Veranstaltungsorte. Man verlegte die Firmenveranstaltung für den ersten Tag, den 5. Oktober, nach Kreuth in den Leonhardstoaner Hof. Begonnen wurde mit einem Preisschießen im Schützenhaus nebenan. Als „Zielwasser“ wurden entweder „Obstler oder Enzian“ kredenzt. Das Catering kam vom Gasthof zum Hirschberg. Aufgetischt wurden „Tafelspitzsülze mit Radieserl-Vinaigrette“, „ofenfrischer Schweinsbraten“ und „Vanilleeisguglhupf mit Beerenragout“. Für Musik war auch gesorgt. „Die Kosten der Veranstaltung werden durch die Kreissparkasse getragen“, vereinbarte Prüfer Rüdiger O. mit Bromme. Übernachtet wurde im Best Western Hotel Bayerischer Hof in Miesbach.

„Der Fisch stinkt vom Kopf“

Am nächsten Tag ging es dann in den Barocksaal des Tegernseer Schlosses. Hier waren bis zu 150 Personen zu bewirten. Das Catering übernahm Josef Brenner, damals Pächter von Gut Kaltenbrunn. Auch hier zeigte sich Sparkassen-Chef Bromme mit Blick auf die nächste Prüfung des Jahresabschlusses seiner KSK generös. Er übernahm nicht nur die Miete des Barocksaals samt Infrastrukur, als leidenschaftlicher Jäger ließ er beim „Empfang“ auch 20 Jagdhornbläser aufmarschieren. „Höfische Musik“ erklang durch ein fünfköpfiges Ensemble der Musikschule Tegernsee.

Solche „Verbandsprüfertage“ würden im Sparkassenverband Reih um gehen. Jedes Jahr sei eine andere Sparkasse dran, ist zu erfahren. Frei nach dem Sprichwort: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Nach etlichen Verhandlungstagen vor der Wirtschaftskammer wird immer deutlicher, dass der Sparkassenverband gegen die Missstände in der  KSK nichts bis wenig unternahm, und er selbst offensichtlich vom Geben und Nehmen (Vorteilsgewährung und Vorteilsnahme) profitierte. Diese Abhängigkeiten beschrieb ein Sparkassen-Insider so: „Der Fisch stinkt vom Kopf“.


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