Steiniger Weg zum Bergsteigerdorf

Die Idee von Bergsteigerdörfern stammt aus Österreich. Inzwischen gibt es dort 20 Orte mit diesem Prädikat. Auch Kreuth will die Auszeichnung des Alpenvereins. Doch der will sich noch nicht festlegen.

Derzeit stehen in Siebenhütten nur vier der ehemals sieben Gebäude / Quelle: mein-tegernsee.de
Siebenhütten ist ein Ausgangspunkt für Bergtouren in Kreuth / Quelle: mein-tegernsee.de

Mehrere Ziele hat der Deutsche Alpenverein (DAV) mit dem Projekt Bergsteigerdörfer. In den Orten soll auf technische Erschließungsmaßnahmen verzichtet, alpine Natur und Kultur bewahrt und der naturnahe Tourismus im Bergsport gefördert werden.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Bergsportaktivitäten in intakter Natur. Ein Motto, das Ramsau bei Berchtesgaden bereits als Leitlinie mit Erfolg besetzt: Der Ort unweit des Königsees wurde im September vergangenen Jahres Bergsteigerdorf – als erste deutsche Gemeinde.

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Einwohnerzahl zu hoch?

Kreuth würde Ramsau gerne folgen, wie andere Bergdörfer auch. „Wir erfüllen bereits sehr viele Kriterien des DAV“, urteilte Josef Bierschneider (CSU) bei der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat, der dem Bürgermeister einstimmig folgte. Doch dies war bereits im September 2014. Seitdem stockt das Vorhaben. Es gab sogar schon im Juli vergangenen Jahres einen abschlägigen Bescheid, den man dem Bürgermeister mitgeteilt habe, so Hanspeter Mair vom DAV auf Nachfrage gegenüber der Tegernseer Stimme.

Es ist ein etwas schwieriges Unterfangen. Wir haben das vor Ort schon evaluiert und uns angesehen. Kreuth ist ein Grenzfall.

Mair stellt aber klar, dass die ganze Gemeinde „auf keinen Fall“ ein Bergsteigerdorf werden könne, wenn, dann nur ein Ortsteil. Denn der Ortsteil Weißach erfülle beispielsweise die Kriterien in keinster Weise. Dafür brauche es ein Ortszentrum mit dörflichem Charakter. Es müsse auch eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein.

Eine Schutzhütte sei sicherlich mit der Tegernseer Hütte am Roß- und Buchstein gegeben. Probleme aber bereite ihm die stark befahrene Bundesstraße. „Dies muss man nun abwägen. Denn wir können nicht nur die eine Gemeinde sehen, sondern müssen auf die Außenwirkung achten“.

Ist Kreuth ein Bergsteigerdorf? Der DAV ist nicht überzeugt.
Ist Kreuth ein Bergsteigerdorf? Der DAV ist nicht überzeugt.

Doch Bierschneider kämpft unverdrossen weiter, auch gegen den Hemmschuh, Kreuth übersteige mit seinen 3.500 Einwohnern die vom DAV vorgesehene Obergrenze von 2.500 Einwohnern pro Dorf deutlich. „Die Einwohnerzahl ist in der Tat eine Hürde, die es zu überwinden gilt“.

Dennoch gibt es in Österreich Orte mit über 2.500 Einwohnern, die Bergsteigerdorf sind. Dort sind nur Teile des Ortes in die Bewertung einbezogen worden. So etwas schwebt uns auch vor, um die Kriterien zu erfüllen.

Die allermeisten anderen Kriterien würde man bereits erfüllen oder könnte diese nachträglich vorweisen, davon ist Bierschneider überzeugt, nachdem er sich im Februar ein eigenes Bild in der Ramsau machte.

Ramsau als Vorbild

Mit dabei waren Christine Miller von der DAV-Sektion Tegernsee und der inzwischen ausgeschiedene TTT-Chef Stephan Köhl. „Es ging uns vor allem um die Frage, wie das Verfahren zur Erlangung des Siegels „Bergsteigerdorf“ von statten ging, und natürlich hat uns interessiert, wie das Thema im Ort umgesetzt wird und welche Wirkung die Siegelverleihung gehabt hat“, so Bierschneider

Mit Köhl wollte DAV-Mann Mair nochmals im Mai über Kreuth reden. Der Termin sei nun gestrichen worden. Dennoch soll es noch weitere Gespräche geben, zunächst mit Christine Miller von der Sektion. „Denn“, so Hanspeter Mair, „wir haben grünes Licht für weitere Bergsteigerdörfer in den jeweiligen Sektionen“. Dennoch wolle man Bezugsfälle vermeiden. Er möchte auch keine Hoffnungen in die Welt setzen. Mair: „Wir müssen nicht übereinander, sondern miteinander reden. Das ist mir wichtig“.

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