Tegernseer Turnhalle bald wieder Flüchtlingsunterkunft?

von Maxi Hartberger

Über 1.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind inzwischen im Landkreis Miesbach untergekommen. Die Regierung von Oberbayern kündigte nun weitere Flüchtlinge an – auch aus Russland. Doch die Kapazitäten fehlen …

Im März wurde die Berufsschul-Turnhalle in Miesbach für Flüchtlinge umgebaut. Sie dient weiterhin als Unterkunft. / Quelle: LRA Miesbach

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine kommen immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland. Auch im Landkreis Miesbach sind zahlreiche Menschen aus der Ukraine in privaten Unterkünften, Ferienwohnungen und sogar Hotels untergekommen.

Erste Anlaufstelle der Geflüchteten war die Berufsschul-Turnhalle in Miesbach. Auch in der Turnhalle des Miesbacher Gymnasiums wurden Flüchtlinge untergebracht. Nach Angaben des Landratsamts befinden sich dort stets zwischen 15 und 25 Flüchtlingen. Damit sollte in diesem Monat eigentlich Schluss sein: „Die Miesbacher Gymnasiums-Turnhalle hätte im Oktober wieder für die Sportnutzung zur Verfügung stehen sollen“, so die Landratsamt-Sprecherin.

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Geflüchtete aus der Ukraine, Russland und anderen Krisenregionen erwartet

Doch daraus wird nichts. Die Regierung von Oberbayern stellte dem Landkreis Miesbach die Ankunft weiterer Flüchtlinge im mittleren dreistelligen Bereich in Aussicht. „Aufgrund der Ankündigung der Regierung von Oberbayern, dass in naher Zukunft wieder verstärkt Geflüchtete in den Landkreis zugewiesen werden sollen, kann der Rückbau nun nicht erfolgen.“ Die Miesbacher Turnhalle muss also weiter als Anlaufstelle für Flüchtlinge fungieren.

Durch die Teilmobilmachung in Russland werden in ganz Deutschland wieder steigende Ankunftszahlen prognostiziert. Die Sprecherin des Landratsamts Miesbach erklärt auf Nachfrage: „Es wurden Geflüchtete aus der Ukraine und Russland angekündigt, sowie Geflüchtete, die aus anderen Gründen wie dem Ukraine-Krieg nach Deutschland fliehen, z.B. aus Afghanistan.“

Kein bezahlbarer Wohnraum im Landkreis Miesbach

Bei der Verteilung der Neuankömmlinge steht der Landkreis Miesbach bayernweit an oberster Stelle. „Jeder Landkreis muss vorgegebene Quoten zur Aufnahme von Geflüchteten erfüllen, die der Landkreis Miesbach derzeit nur zu 88 Prozent erfüllt. Daher werden dem Landkreis zuerst Geflüchtete zugewiesen, unabhängig davon, ob vor Ort Unterbringungsmöglichkeiten bestehen.“

Und genau darin liegt das Problem. „Die Unterkunftsakquise für Geflüchtete gestaltete sich in den vergangenen Jahren als sehr schwierig, weil die Verfügbarkeit von bezahlbaren Wohnungen im Landkreis bekanntermaßen sehr begrenzt ist“, so die Sprecherin weiter. Das Landratsamt habe zu Beginn der Ukrainekrise in einem großen Kraftakt versucht, Geflüchtete aus der Ukraine in private Wohnungsangebote zu vermitteln. Die Sprecherin betont:

Inzwischen ist die Vermittlung in private Angebote nicht mehr möglich, da es keine Angebote mehr gibt beziehungsweise Angebote und Nachfrage nicht mehr zusammenpassen.

Das heißt: „Geflüchtete, die aus privaten Angeboten ausziehen müssen, können bedauerlicherweise nur in Sammelunterkünften in Turnhallen untergebracht werden, da wie dargestellt nicht ausreichend Kapazitäten auf dem Wohnungsmarkt bestehen, die der Freistaat zur Unterbringung Geflüchteter anmieten könnte.“

Tegernseer Turnhalle wieder als Sammelunterkunft?

Betroffen sind aktuell in Miesbach die Turnhallen des Gymnasiums und der Berufsschule. „Sollte eine noch größere Anzahl an Geflüchteten als angekündigt dem Landkreis zugewiesen werden, würde als nächste Halle die Turnhalle des Tegernseers Gymnasiums dafür umgebaut werden“, so die Sprecherin. Bereits während der Flüchtlingskrise 2014/15 wurde die Tegernseer Turnhalle als Asylunterkunft genutzt.

Das Landratsamt arbeite eigenen Angaben nach währenddessen aber an einer Container-Lösung, um die Schulturnhallen freizuhalten. „Inzwischen wurden zwei Standorte für eine dreistellige Anzahl an Geflüchteten geplant und der Regierung von Oberbayern zur Kostenübernahme vorgelegt. Wir warten derzeit auf die Kostenfreigabe der Regierung.“

Insgesamt werden derzeit gut 450 Geflüchtete vom Landratsamt Miesbach betreut. Hinzu kommen die etwa 1.100 Ukrainerinnen und Ukrainer.

Wie kann ich helfen?
Private Wohnungsangebote können an unterkuenfte@lra-mb.bayern.de gesendet werden.
Wer sich in einem der Helferkreise in den Gemeinden im Landkreis Miesbach engagieren will, findet alle wichtigen Informationen auf der Homepage des Fördervereins PIA.

 

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