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BOB-Desaster: Landkreispolitiker versuchen zu erklären

Und der Depp ist immer der Pendler …

Von Redaktion

Die BOB musste in den vergangenen Tagen wieder ordentlich Kritik einstecken – zurecht, wie die zahlreichen Fahrgäste finden. Wir haben die wichtigsten Landkreispolitiker nach ihrer Meinung gefragt. Unfreiwillig erhellend: die Aussage von Landtagspräsidentin Ilse Aigner.

Eine Bahn wie sieben Tage Regenwetter.

Die Bayerische Oberlandbahn brachte viele seiner Fahrgäste in den vergangenen Tagen wieder zur Weißglut. Stundenlange Verspätungen, eingesperrt in defekten Zügen, keine Toilette oder komplette Ausfälle. Bereits im Januar schlug das Versagen der BOB während des Schneechaos hohe Wellen. In den vergangenen Tagen folgte nun das nächste Desaster.

Grund für die massiven Probleme am Montag und Dienstag waren nach Aussage der BOB veraltete Züge mit technischen Störungen. Nur noch knapp die Hälfte der Züge war im Einsatz. Ein Chaos-Unternehmen. Doch viele sehen das Versagen auch auf der politischen Ebene. Aus diesem Grund haben wir die Verantwortlichen der BOB und die wichtigsten Landkreispolitiker nach ihrer Meinung gefragt.

Das waren unsere Fragen:
1. Wer trägt die Schuld am BOB-Desaster?
2. Wer müsste sich hier stärker engagieren?
3. Was muss besser werden?

 

Beschwichtigende Aussagen:

 

Christopher Raabe, Pressesprecher der Bayerischen Oberlandbahn:

„Unsere Fahrzeuge sind in die Jahre gekommen und störanfällig. Wir haben gemeinsam mit dem Freistaat Bayern bereits im letzten Jahr mit der Entscheidung, die komplette Flotte auszutauschen, reagiert. Wir freuen uns sehr auf die neuen Fahrzeuge bei der BOB und sind für das Engagement eines weiten Teils der Bevölkerung und der Politik sehr dankbar.“

Meinung der Redaktion: Höchstpunktzahl auf der Abwiegel-Skala. Der “Dank an die Kunden” verdient den Verhöhnungssonderpreis.

Johannes Hagn, Bürgermeister der Stadt Tegernsee:

„Die Ausfälle sind auf technische Defekte zurückzuführen. Schuld tragen also die alten Züge. Es war im Übrigen die Landkreispolitik, die die außerplanmäßige Einführung der LINT Züge für 2020 initiiert und angeschoben hat. Ohne diese Initiative im Jahr 2017 müsste die BOB noch erheblich länger mit den Integralen fahren.“

Meinung der Redaktion: Schuld sind immer die anderen, bei CSU-Politiker Johannes Hagn ist es im Zweifel der grüne Landrat.

 

Massive Kritik von allen Seiten:

 

Wolfgang Oeser, Pressesprecher der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG):

„Die Verantwortung hierfür liegt eindeutig bei der Bayerischen Oberlandbahn, welche für die Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge sowie auch das Störfallmanagement und die Fahrgastinformationen zuständig ist und hier zum wiederholten Male versagt hat. Neben der geballten Anzahl an Großstörungen sind für uns auch die Umstände, welche uns von Fahrgästen aus den liegengebliebenen Fahrzeugen geschildert wurden (u. a. fehlende Informationen, defekte Toiletten), absolut inakzeptabel.

Nach dem Winterchaos mit zahlreichen Folgeproblemen werden die Fahrgäste im Oberland erneut mit untragbaren Zuständen konfrontiert.

Dies ist umso ärgerlicher vor dem Hintergrund, dass die BEG die BOB im Rahmen der Winterkrise im Oberlandnetz bereits zu Krisengesprächen einbestellt und umfassende Maßnahmen zur langfristigen Stabilisierung der Verkehre im Oberland vereinbart hatte.“

Meinung der Redaktion: Wir sind topp, Schienen waren immer super gewartet. Schuld ist nur die BOB. SO sieht Verdrängung aus.

Wolfgang Rzehak, Landrat des Landkreises Miesbach:

„Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich in den vergangenen Tagen auch an das Landratsamt Miesbach und den zuständigen Fachbereich Mobilität gewandt. Es gab eine Vielzahl an Beschwerden über Züge, die zu spät fuhren, über mangelnde Information der Fahrgäste und fehlende Flexibilität auf Seiten der BOB. Wir haben die Verantwortlichen der BOB gleich mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Nach deren Antwort weisen die Ausfälle aber „keine Systematik auf“ oder „seien auf einen Grund zurück zu führen“.

Nach unserer Erkenntnis liegt das Problem allerdings darin, dass hier veraltete Züge auf sehr alten Strecken fahren, die größtenteils eingleisig sind. Die Deutsche Bahn müsste dringend in die Infrastruktur investieren. Auch die Bayerische Staatsregierung ist gefordert, endlich einen echten Paradigmen-Wechsel zu vollziehen. Weg von der Überbetonung des Straßenverkehrs, hin zu einer echten Verkehrswende. Zu lange gab es in Bayern die Priorisierung von Straßen vor der Schiene.

Die neuen Zug-Modelle vom Typ Lint 54 sind zwar schon bestellt, allerdings dauert es noch eine ganze Weile, bis sie im Einsatz sind und die veralteten Modelle ablösen. Ab Mai 2020 sollen sie eingeführt werden, verspricht die BOB. Allerdings hätte die Staatsregierung durch die BEG sich viel eher darum kümmern müssen, dass moderne Züge viel eher bestellt werden. Die BOB fährt mit veraltetem Material und die Kunden haben spürbar darunter zu leiden.“

Meinung der Redaktion: “München, die CSU und die BOB sind schuld. Ich bin doch nur ein kleiner Landrat, der ja irgendwie auch kaum Eigeninitiative und Druck erzeugen kann.” Das ist zu wenig, Herr Landrat!

Johannes Hagn, Bürgermeister der Stadt Tegernsee:

„Es ist ein Ärgernis, dass man seine Kommunikationsprobleme offensichtlich immer noch nicht im Griff hat. Hier ist die Geschäftsleitung in der Bringschuld.“

Meinung der Redaktion: Hat er recht, der Bürgermeister von der falschen Seeseite. Kleiner Schönheitsfehler: Auch die Politik hat eben diese Bringschuld, wenn es nicht vorangeht.

Verspätungen, Zugausfälle, Schienenersatzverkehr: Immer wieder werden BOB-Fahrgäste mit chaotischen Verhältnissen konfrontiert. / Archivbild

 

Dringend geforderte Maßnahmen:

 

Christopher Raabe, Pressesprecher der Bayerischen Oberlandbahn:

„Worin wir besser werden müssen ist nach wie vor das Thema der Kommunikation. Dieses Mal war es uns leider aufgrund der Schwere der Auswirkungen und der schnellen Abfolge der Störungen nicht gelungen, Informationen rechtzeitig und vollständig an unsere Mitarbeiter und an die Fahrgäste zu bringen. Wir haben unter anderem dieses Thema intern aufbereitet und Maßnahmen abgeleitet, die den Informationsfluss verbessern sollen.“

Meinung der Redaktion: “Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründe einen Arbeitskreis.“ Sonderpreis für rhetorische Nebelbombe.

Wolfgang Oeser, Pressesprecher der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG):

„Neben dem umfassenden Maßnahmenkatalog hat die BEG zusätzlich aufgrund des wiederholten Versagens der BOB zwei Themen in die Hand genommen: Mit fachlicher und finanzieller Unterstützung der BEG werden derzeit zwei Gutachten zur Verbesserung der Fahrgastinformation und zur Überarbeitung der Störfallkonzepte im Oberlandnetz vergeben.

Im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse erwartet die BEG, dass die Integral- und Talentfahrzeuge bis zur Inbetriebnahme der Neufahrzeuge im kommenden Jahr von der BOB nicht kaputtgespart werden, sondern weiterhin einer ordnungsgemäßen und umfassenden Wartung im Betriebswerk unterliegen. Außerdem haben wir die BOB aufgefordert, uns im Rahmen der wöchentlichen Gespräche weitergehende Maßnahmen vorzustellen, die ergriffen werden müssen, damit derartige inakzeptable Vorkommnisse zukünftig von vornherein vermieden werden.“

Meinung der Redaktion: “Erst mal ein Gutachten in Auftrag geben, dann zurücklegen und abwarten.” Als Behörde eher ein Underperformer…

Wolfgang Rzehak, Landrat des Landkreises Miesbach:

„Auch wenn die neuen Züge schon bestellt sind: Die BOB muss jetzt Geld in die Hand nehmen und ausreichend Züge zur Verfügung stellen. Dazu kann sie auch temporär Ersatzzüge ausleihen. Das wichtigste ist hier eine landesweite Verkehrswende, also ein Umdenken. Einzellösungen bringen uns nicht entscheidend weiter.

Die jetzige Situation ist nicht mehr zumutbar!

Es sollten im Landkreis Miesbach moderne Züge auf einem Streckennetz fahren, welches voll elektrifiziert ist. Außerdem sollte die Takt-Zahl erhöht werden, die Züge sollten also öfter fahren. Es müsste eine moderne Technik und Infrastruktur auf der Schiene geben. Außerdem ist eine Verbundlösung anzustreben – also ein einheitliches Ticket-System und eine Anbindung und Einbindung von anderen Verkehrsmitteln. Also Busse zum Zug und vom Zug weg.

Besonders ärgerlich ist aber, dass wiederum die Kommunikation katastrophal war. Die BOB zieht aus ihren Fehlern anscheinend keine Konsequenzen. Hier muss geschultes Personal eingestellt werden und die technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden.

Meinung der Redaktion: Hat er recht, der Herr Landrat. Aber was genau machen Sie jetzt?

Olaf von Löwis, Bürgermeister der Marktgemeinde Holzkirchen und Landratskandidat 2020:

Ich bin mittlerweile schon ziemlich angefressen. Ich war am Montag selbst in München unterwegs und habe über die Internetkanäle von den Problemen der BOB erfahren. Daraufhin habe ich Fabian Amini (Geschäftsführer der BOB) sofort eine E-Mail geschickt. Ich sehe natürlich das Problem der BOB ein, dass es mit den alten, maroden Dieselloks schwierig ist. Ich habe für die BOB also ein gewisses Verständnis, doch wir sprechen seit dem Chaos im Januar über Lösungsansätze und noch immer gibt es diese massiven Probleme.

Ich selbst fühle mich hier schon als Multiplikator, der sowohl in die lokale Ebene als auch nach oben hin in der Politik etwas tun kann. Daher habe ich Fabian Amini auch ganz konkret gefragt, wie die Politik handeln kann bzw. soll. Bisher habe ich noch keine Antwort. Doch wir als Politiker reden immer von weniger Verkehr und besserem ÖPNV, aber in der Realität funktioniert es dann nicht.

Wir machen uns da als Politiker lächerlich. Wir müssen hier Perspektiven bieten.

Die Menschen beschweren sich, natürlich auch bei uns Bürgermeistern. Was ich hier deshalb weiterhin auch ganz stark an den Verantwortlichen der BOB kritisiere, ist die fehlende Kommunikation. Das ist unhaltbar für die Gäste, die ewig in den Zügen sitzen und nicht wissen, was los ist. Das ist vorsintflutlich. Und hier sind auch keine Erklärungsversuche der BOB mehr möglich. Das kann es nicht sein. Hier muss es schnell eine Lösung seitens der BOB geben. 

Die Meinung der Redaktion: “Ich kenne Euer Problem. Ich bin da ganz bei euch. Aber so richtig neue Ideen habe ich auch nicht.” Klingt aber für den künftigen Landrat ganz staatsmännisch…

Ilse Aigner, Landtagspräsidentin:

Ilse Aigner wollte sich nach dem Kommentar unseres Kollegen Martin Calsow nicht mehr zu der aktuellen Lage der BOB äußern, ließ sie über ihre Pressesprecherin Gabriele Dorby mitteilen.

Meinung der Redaktion: Gewohnt schwach. Ob Kramp Karrenbauer oder die Aigner Ilse: Presse bashen und boykottieren ist bei den Damen gerade schwer in Mode. Ist ja auch erst mal keine Wahl in Sicht. Dumm nur, wenn das im nächsten Jahr zu den Kommunalwahlen wieder zum Thema wird.


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