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Traditionsmetzger hört kurzfristig auf

Walch weicht aus Wiessee

Lange wurde schon darüber spekuliert, nun ist es endgültig: Leonhard Walch, einer der letzten Metzger im Tal, schließt bereits Ende dieser Woche seinen Laden in Bad Wiessee. Ein Nachfolger ist bereits gefunden, aber noch nicht gekürt. Dennoch müssen Kunden (noch) nicht ganz auf Walchs berühmte Weißwürste verzichten.

Die Zeiten von der Metzgerei Walch in Wiessee sind gezählt.
Die Zeiten der Metzgerei Walch in Bad Wiessee sind gezählt.

33 Jahre führte Leonhard Walch seine Metzgerei gleich neben dem Hotel Post, in dem er zuvor bereits als Metzger tätig war. Nun geht eine lange Tradition zu Ende. Er sei jetzt 65 Jahre alt und „die Arbeit geht mir immer schwerer von der Hand, da ich auch gesundheitlich angeschlagen bin“, vertraut Leonhard Walch der Tegernseer Stimme an.

Da auch die Arbeit immer mehr werde und es geeignete Fachkräfte nicht mehr gebe, habe er den Pachtvertrag mit der Gemeinde zum 30. September gekündigt. Walch: „Ich habe auch keine Nachkommen zur Weiterführung des Ladens“. Eine Metzgerei könne man nicht mit Hilfskräften betreiben, wie in den Supermärkten. „Dort ist alles abgepackt. Das können auch ungelernte Kräfte verkaufen.“

Eine Institution

Walchs Erfolgsrezept war die eigene Schlachtung und Wursterei. Der gute Ruf seiner Weißwurst schwappte weit über das Tal hinaus. Es ist bislang sein Bestseller. Da gehen schon mal pro Woche bis zu 800 Kilogramm über die Ladentheke. Diese Größenordnung dürfte nun bald Geschichte sein – zumindest in der Wiesseer Filiale.

Denn das Thema Walch stand gestern auch im Wiesseer Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung. Heute nun erklärte Michael Herrmann, der Geschäftsleiter der Gemeinde auf Nachfrage:

Wir bedauern natürlich, dass Leonhard Walch nach so vielen Jahren seinen Laden schließen wird. Er war eine Institution als Metzger.

Für die Gemeinde sei es die wichtigste Prämisse gewesen, möglichst “gleichwertigen Ersatz” zu suchen. “Denn ein Handwerksmetzger in einem Ort ist enorm wichtig, da wir uns nicht ausschließlich auf die Supermarktketten verlassen wollen.”

Man habe, so Herrmann weiter, einen gleichwertigen Metzger gefunden und stehe mitten in den Verhandlungen. “Aus diesem Grund will ich noch keinen Namen nennen“.

Wiedereröffnung am 1. Dezember

Der Laden von Walch sei natürlich nicht mehr der neueste. Im neuen Pachtvertrag entstünden der Gemeinde nur Kosten für Fliesen- und Elektrikerarbeiten. Walchs Gerätetechnik und Kühlanlagen entsprächen allerdings nicht mehr dem heutigen Standard.

„Deshalb werden nun entsprechende Umbauarbeiten notwendig, so dass die Metzgerei vermutlich von Ende September bis 1. Dezember geschlossen sein wird“, so Herrmann, „wie der neue Metzger seinen Laden einrichtet, entzieht sich unserer Kenntnis. Vertraglich ist über das Inventar nichts festgelegt“.

Wenn man sich im Tal umsieht, bleiben eigentlich nur zwei Metzgereien, die als Handwerksbetriebe in Frage kommen könnten. Einer wäre die Miesbacher Metzgerei Holnburger, die bereits in Rottach-Weißach mit einer Filiale vertreten ist. Genau dies aber sei mit ein Grund, warum man kein Interesse an Walchs Laden in Wiessee habe.

Man wäre zu nahe dran, begründet Anton Holnburger seine Absage an Walch, der ihm das Geschäft angeboten hatte: „Für uns ist das uninteressant. Die Lage da hinter dem Hotel Post ist nicht so gut, es gibt auch Schwierigkeiten mit dem Parken. Das ist mehr etwas für einen Familienbetrieb, mit ein bis zwei Hilfskräften“, so Holnburger.

Als zweiter Kandidat bliebe noch die Metzgerei Killer in Dürnbach. Doch die hat bisher nicht auf TS-Anfragen reagiert. Von Walch ist zu erfahren, dass er von Josef Killer eine humane Ablöse für die Einrichtungen verlangt habe, „doch der will den Laden zu dem Preis nicht übernehmen“.

Inzwischen verabschiedet sich Walch bereits mit einem Schild im Laden von seinen Kunden. „Ich gehe mit einem weinenden Auge, denn ich war lange in diesem Laden und hatte gute und treue Kunden. Ich war mit Leib und Seele Metzger“, so der Metzgermeister rückblickend, „doch wenn man sechs Tage in der Woche um vier Uhr aufsteht, dann geht es irgendwann nicht mehr.”

In Kreuth wolle er noch ein bisschen weitermachen und hoffen, dass sich “da was ergibt“. Genaueres will Walch derzeit noch nicht preisgeben.


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