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Interview mit Kreuths Bürgermeister: Wildbad Kreuth wird zum Event-Areal

Warum ruhig, wenn es auch laut geht?

Von Martin Calsow

Am südlichsten Zipfel des Tals wird es bald bunt und laut. Drei Männer wollen dort ein Areal für Events und Entertainment entstehen lassen. Wie findet das der Bürgermeister des selbsternannten “Bergsteigerdorfs” Kreuth? Wir haben nachgefragt.

Aus Wildbad Kreuth soll ein Mental-Retreat Hotel für ausgebrannte Manager werden, noch nicht im Bild…

Alles begann mit dem Auszug der CSU aus dem ehrwürdigen Klausurgebäude in Wildbad Kreuth. Jahrelang suchte die Besitzerin Helene von Bayern nach Konzepten und Investoren, aber nichts ging voran. Die Familie Wittelsbach musste ihr wohl unter die Hände greifen. Schwager Maltzan, Ehemann der Herzogin aus Tegernsee, nahm sich der Sache an, holte Super-Kohler, den Größtgastronom aus Gmund.

Der hat nun ganz große Pläne, will ein “Retreat”, vulgo Herberge, für ausgebrannte Manager dort errichten. Aber das wird erst was in einigen Jahren. Bis dahin muss der Rubel rollen. Mit einem Promi-Caterer aus München will Korbinian Kohler am südlichsten Ende des Tals auf die Event-Pauke hauen.

Silvesterfeiern, Partys für 2.000 Menschen auf der Festwiese und skurrilerweise auch einen Friedwald unterhalb des Anwesens sind so die Ideen, mit denen die Drei von der Event-Stelle den Kreuther Gemeinderat überraschten. Wir haben Bürgermeister Josef Bierschneider zu den Plänen von Kohler, Maltzan und Dahlmann befragt.

Herzlichen Glückwunsch zu dem neuen Event-Konzept in Wildbad Kreuth. Der Pächter Korbinian Kohler und sein Promi-Caterer Dahlmann haben ja Großartiges vor. Bis 2024 soll das bislang sehr ruhige Wildbad Areal zu einer Event Location werden. Wie zufrieden sind Sie jetzt schon?

Josef Bierschneider: Grundsätzlich ist es so, dass wir als Gemeinde froh sind, dass nach fünf Jahren des Leerstandes, die sich am Zustand des Gebäudes von Wildbad Kreuth leider bereits bemerkbar gemacht haben, die Räume wieder einer Nutzung zugeführt werden. In den vergangenen Jahren hatten wir im Gemeinderat verschiedene Interessenten da, die das Gebäude übernehmen wollten, teilweise sehr vielversprechende, teilweise auch solche, bei denen der Gemeinderat sehr skeptisch war.

Nun hat Gott sei Dank nicht irgendein unbekannter ausländischer Investor das Areal übernommen, von dem man nicht weiß, was er damit vorhat bzw. für den es vielleicht nur irgendein Spekulationsobjekt ist, sondern es hat mit Herrn Kohler ein Bürger unseres Tales, der hier aufgewachsen ist, das Areal übernommen.

Wir gehen davon aus, dass sich Herr Kohler der Verantwortung für diesen Ort bewusst ist und er schon allein seines Rufes im Tegernseer Tal wegen diesen Ort ganz besonders sorgsam zu behandeln weiß.

Über seinen Ruf gibt es ja unterschiedliche Wahrnehmungen. Aber was ist Ihre persönliche Position zu dieser Wandlung eines einst eher ruhigen Ortes zu einem lauten Veranstaltungsort?

Bierschneider: Wenn das historische Wildbad Kreuth künftig wieder als Übernachtungs- bzw. Gesundheitseinrichtung an die über Jahrhunderte alte Tradition anknüpft, die das Wildbad Kreuth zu Kloster- und Wittelsbacherzeiten innehatte, wird auch dies unsere Gemeinde voranbringen und eine dauerhafte Sicherung der denkmalgeschützten Gebäude mit sich bringen.

Mag ja alles sein, aber das wird doch eine andere Qualität haben. Lauter, greller vermutlich.

Bierschneider: Dass Herr Kohler durch die Vereinbarung mit dem Catering-Unternehmen Dahlmann in der Übergangszeit die historischen Räume wie den Festsaal oder die Molkehalle wieder mit Leben füllen möchte, ist nachvollziehbar und auch dies knüpft an die bisherige Nutzung an, denn auch schon zu Zeiten der Hanns-Seidel-Stiftung fanden in den Räumen des Festsaales und der Molkehalle Konzerte, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Abiturfeiern, Firmenveranstaltungen, etc. statt.

Was gefällt Ihnen persönlich denn am besten von diesem Potpourri an Event-Ideen? Die Feier gleich Anfang Juli, quasi als Comepack-Party nach Corona? Oder ist es das Angebot für bis zu 2000 Menschen auf der Festwiese?

Bierschneider: In der Presseberichterstattung ist – und darauf zielen Ihre Fragen vermutlich ab – auch die Nutzung der Wiese vor dem denkmalgeschützten Gebäude für Veranstaltungen bis zu 2.000 Personen erwähnt worden.

Hier gibt es seitens der Gemeinde die klare Botschaft, dass die Wiese auf keinen Fall eine Party-Location werden soll. So etwas würde nicht nur unserer klaren Zielsetzung als Bergsteigerdorf entgegenstehen, sondern auch den Schutzvorgaben, die auf der Umgebung von Wildbad Kreuth liegen: Landschaftsschutzgebietsverordnung, FFH-Schutzgebiet, Vogelschutzgebiet, sowie Wildschutzgebiet.

Die Gemeinde ist dagegen, dass die Wiese für Events genutzt wird.

Und weiß Herr Dahlmann das auch? Klingt nicht so, wenn man seine vollmundigen Aussagen liest.

Bierschneider: Dies haben wir auch mit Herrn Dahlmann so besprochen, als er sich bei uns in der Gemeinde vorgestellt hat und er hat uns versichert, dass er in keinster Weise den Interessen der Gemeinde entgegenarbeiten möchte und ohnehin nur geschlossene Veranstaltungen in kleinerem Rahmen im Festsaal, in der Molkehalle bzw. im früheren Speisesaal geplant wären. Wir sehen keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Herr Dahlmann zu seinem Wort steht.

Hinter all diesen neuen Konzepten steckt ja der Herr von Maltzan, der umtriebige Ehemann der Bierbesitzerin Anna in Bayern. Der hat kürzlich in ihrem Gemeinderat ja die Idee eines Friedwalds, eines alternativen Urnenfriedhofs unter Bäumen, gehabt. Liegen sollte er auf dem Weg zur Fischzucht. Also oben ewige Party, unten ewiges Leben. Wie stehen Sie dazu?

Bierschneider:Was die Projekte anbelangt, die Herr Baron von Maltzan dem Gemeinderat vor einiger Zeit vorgestellt hat, ist es so, dass diese den Gemeinderat noch nicht überzeugen konnten, sondern sehr viele unbeantwortete Fragen geblieben sind. Neben der grundsätzlichen Frage, ob und wenn ja wo und wie der Gemeinderat sich diese Projekte vorstellen könnte, steht darüber hinaus auch noch die Frage im Raum, ob die Projekte baurechtlich und naturschutzrechtlich überhaupt zulässig wären, was andere Fachbehörden zu beurteilen haben.

Sie waren sehr bemüht, das Label „Bergsteigerdorf” für Ihre Gemeinde zu bekommen. Die Eckpfeiler der Philosophie dieses Labels sind: Nähe ohne Respektlosigkeit, Genuss auf hohem Niveau, Bewegung aus eigener Kraft, Anregung ohne Hektik, Belebtheit ohne Lärm.

Bierschneider: Der Gemeinderat wird – da können Sie sicher sein – bei allen Planungen sehr genau darauf achten, ob diese den Zielsetzungen der Gemeinde entsprechen und ob diese sich mit der Philosophie des Bergsteigerdorfes vertragen.

Herr Bierschneider, wir danken für das Gespräch.


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