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Große Hotels gegen umstrittene Kurtaxe

Wiesseer Vermieter machen Druck

Ende Februar beschloss der Gemeinderat von Bad Wiessee mit knapper Mehrheit die Erhöhung des Kurbeitrags von zwei auf 3,30 Euro. Der Alleingang entfachte im Tal einen Sturm der Entrüstung. Der dürfte nicht ohne Folgen bleiben, denn die Wiesseer Gastgeber haben nun ihre Unterschriftenliste im Rathaus übergeben – mit einem überwältigenden Ergebnis.

Bereits Anfang März beschloss der Wiesseer Kur- und Verkehrsverein, Unterschriften gegen die Kurtaxen-Erhöhung zu sammeln. / Foto: Klaus Wiendl

Dass ein Graben durch den Gemeinderat geht, zeigt allein schon die Abstimmung zur Erhöhung der Kurtaxe, die bis zu 700.000 Euro Mehreinnahmen in die Kasse des Kämmerers spülen soll. Selbst zwei Mitglieder des Wiesseer Blocks (FWG) stimmten nach kontroverser Debatte gegen den Beschlussvorschlag, den Kurbeitrag um 65 Prozent auf 3,30 Euro zu erhöhen. Danach ging der Wiesseer Kur- und Verkehrsverein auf die Barrikaden. „Die Vermieter wurden von der Erhöhung völlig überrumpelt. Sie sind richtig sauer“. Gegen diese „Wettbewerbsverzerrung“ kündigten die 65 Mitglieder des kämpferischen Vereins eine Unterschriftenliste an. Mit großem Erfolg, wie sich nun zeigt.

Etwa 110 von ungefähr 200 Vermietern in Bad Wiessee sind gegen die Erhöhung von 1,30 Euro pro Tag und pro Person. Auffallend an der Liste ist, dass sich laut der Vereinsführung auch die großen Häuser des Ortes eingetragen haben. So ist darauf der Medical Park ebenso zu finden wie Korbinian Kohlers Hotel Bussi Baby, die Hotels Alpensonne, Alpenhof, Terrassenhof, Bellevue, Schnitzer sowie kleinere Pensionen und Fremdenheime. Zusammen aber sind sie eine Machtdemonstration. „Das sind über 2.000 Betten“, berichtet Erlacher der Tegernseer Stimme auf Nachfrage.

Gemeinderat soll Beschluss zur Kurtaxe zurücknehmen

Mit solch einem Rückhalt marschierten die Vermieter Ende März ins Rathaus. Bernd Kaiser als Vorsitzender und seine Schriftführerin Maria Strillinger übergaben die Liste Geschäftsleiter Hilmar Danzinger und Kämmerer Franz Ströbel. Dabei forderten sie eine „Neuaufnahme der Kurtaxenregelung im Gemeinderat“.

Schon jetzt konnten sie erreichen, was ihnen bislang im Rathaus verwehrt wurde: Ende April soll es ein Gespräch „mit einem oder auch beiden Bürgermeistern“ geben. „Dafür haben wir die Zusage“, so der Verein auf Nachfrage. Ein Informationsgespräch hätten sich die Gastgeber schon vor der entscheidenden Abstimmung im Februar gewünscht. Denn die Vermieter haben nichts gegen eine Erhöhung, aber sie sollte mit 50 Cent auf 2,50 Euro „verträglich zum Wohle unserer Gäste“ sein.

Darüber, so die Hoffnung des Kur- und Verkehrsvereins, sollte der Gemeinderat am 16. Mai erneut abstimmen und fordert jetzt: „Wir erwarten, dass das Thema auf die Tagesordnung kommt und neu verhandelt wird“. Man „ist sehr gespannt, wie der Bürgermeister und seine Gemeinderäte weiter entscheiden“. Mit den wichtigsten Hotels des Ortes im Rücken dürfte „die Macht der Betten“ auch den Gemeinderat nicht unbeeindruckt lassen. Der Mai wird es zeigen.


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