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Ein Kommentar zur heutigen Schweigeminute

Wir sind Polizei

Von Martin Calsow

Nicht jeder hat eine positive Sicht auf Polizisten. Manch einer wurde vielleicht falsch behandelt, fühlte sich ohnmächtig gegenüber staatlicher Macht. Andere nehmen die Arbeit der Polzisten als selbstverständlich hin. Man zahlt ja auch Steuern. Das stimmt. Aber in diesen Tagen sollte sich unsere Sicht auf diese Menschen und ihre Arbeit verändern.

#zweivonuns, bundesweit legten Polizisten heute eine Schweigeminute ein. / Quelle: Polizeipräsidium Oberbayern-Süd

Zwei Polizisten sind getötet worden. Von Wilderern. Einfach so. Mit Schüssen in die Köpfe. Heute haben bundesweit Polizisten und Polizistinnen ihrer Kollegen gedacht. Wir alle hätten es ihnen gleichtun sollen. Polizisten sind wir alle. Sie sind Bestandteil unseres Rechtsystems, keine Fremdkörper. Sie sind für uns da. Gehen dorthin, wo wir sehr ungern hinschauen – jeden Tag. Auch hier im Landkreis haben die Polizisten eine Schweigeminute abgehalten. Um 10 Uhr standen sie für 60 Sekunden nicht für uns auf, sondern für zwei aus ihrer Mitte. Das wird im konstanten Nachrichtenstrom bald wieder für uns, die wir diesen Beruf nicht ausüben, vergessen sein, nicht jedoch für die Polizisten in Deutschland, für deren Frauen und Ehemänner, den Kindern. Sie leben mit der Angst, dass es ihren Bruder, ihre Mutter oder ihren Vater als nächstes treffen könnte.

Ich bin befangen. Einer meiner Brüder und mein Vater waren Polizisten. In der RAF-Zeit waren sie potentielle Ziele, aber auch später musste die Familie die Sorge unterdrücken, wenn im Radio von einer Attacke gegen Polizisten zu hören war.

Jüngst hat eine Menschengruppe die Polizeistation in Miesbach angegriffen. Wieder mussten Menschen um ihr Leben fürchten. Zu ihrem Glück haben Polizeiführung und später Richter robust auf diesen Angriff reagiert. Kein Mensch, ob Polizist, Feuerwehrler oder Rettungskräfte, dürfen um Leib und Leben fürchten. Es darf nicht lässiger Teil ihrer Berufsbeschreibung werden. Dennoch nehmen Übergriffe auf Polizisten zu. Seit 2012 sind die Attacken gegen die Vollzugsbeamten um 20 Prozent gestiegen. Wir wollen keine US-Verhältnisse. Ein wichtiger Punkt wäre, um weniger tödliche Attacken zu erzeugen, noch strenger Waffenbesitz zu kontrollieren und Missbrauch sehr hart zu ahnden. Wenn in unserem Nachbarland Österreich leichter Waffen zu bekommen sind, muss die Staatsregierung handeln und verhandeln. Das Landratsamt sollte auch hier, wo Jagen Tradition hat, mit mehr und nachhaltigeren Stichproben Waffenbesitzer checken.

Keine Gesellschaft sollte Angst vor ihren eigenen Polizisten haben. Aber keinem Polizisten sollte die Würde genommen werden, sollte entmenschlicht werden. All Cops are bastards – ACAB – wird gerne von Vollpfosten skandiert oder gesprüht. Das ist die Entwürdigung, die Degradierung, von Artikelversuchen in der taz ganz zu schweigen.

Und wir? Wir sollten die Uniformierten zuerst als das sehen, was sie in erste Linie sind: Menschen. Menschen, die Angst, und auch mal einen Dreckstag hinter sich haben, nicht immer tipptopp fragen oder antworten, die nach dem Dienst einfach gesund heimkommen wollen. Ihre Angehörigen sollen sie freudig erwarten können, und nicht mit einem Kriseninterventionsteam rechnen. Das muss selbstverständlich sein.


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