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Ein billiger Werbegag auf Kosten anderer?

Worbs lässt Marke “Tegernseer Hof” schützen

Der Feichtner Hof in Finsterwald heißt jetzt Tegernseer Hof. Eigentümer Kristian Nicol Worbs hat sich die Marke schützen lassen. Doch diesen Namen gibt‘s schon in Tegernsee. Funktioniert so Kapitalismus? Der Tegernseer Stadtrat ist auf alle Fälle erbost und prüft eine Anfechtung der Eintragung.

Tegernseer Hof-Eigentümer Kristian Nicol Worbs (links) hat sich den Namen “Tegernseer Hof” schützen lassen.

Der ehemalige Feichtner Hof in Finsterwald heißt nun Tegernseer Hof. Und das, obwohl auch die Stadt Tegernsee ein Gebäude samt Restaurant mit diesem Namen in der Rosenstraße hat. Derzeit allerdings firmiert im Komplex des Ludwig-Thoma-Saals das „Ristorante Trastevere“ als Betreiber. Weil der Name „Feichtner Hof“ für Gäste von außerhalb schwer zu merken sei, hatte Kristian Nicol Worbs als neuer Eigentümer seine Traditionsgaststätte in „Tegernseer Hof“ umgetauft.

Dies rief die Stadt Tegernsee auf den Plan. Denn die gesteht das Namensrecht von jeher nur ihrem „Tegernseer Hof“ in der Rosenstraße zu. „Unter diesem ist es weitläufig bekannt“, so Geschäftsleiter Hans Staudacher im Stadtrat am Dienstagabend. Der neue Pächter der Gaststätte in Finsterwald hätte versichert, nicht gewusst zu haben, dass der Name Tegernseer Hof bereits existiere. Eine Umbenennung sei bei ihm mit hohem finanziellem Aufwand verbunden.

Dies habe ein „langes Gespräch“ am 20. Juni im Rathaus ergeben, so Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Bei ihm auf der Matte standen Pächter Privitera für die Gastronomie und Lorenz für das Hotel. Beide hätten sich zuvor bei der Gemeinde in Gmund rückversichert, „ob es den Namen Tegernseer Hof schon gibt“. Sie hätten sich dann „schlau gemacht“, ob der Name gastronomisch oder im Geschäftsverkehr genutzt werde. „Das ist nicht der Fall“, räumte Hagn gegenüber dem Stadtrat ein. Die Frage bleibe aber, „wollen wir gegen die Nutzung des Namens vorgehen“.

„Effekthascherei“

Ein ganz klaren Standpunkt hatte Peter Schiffmann (SPD): „Da offenbart jemand wenig Gefühl für die Region“. Denn auch bei Google komme unter dem Namen Tegernseer Hof zuerst das “Trastevere” im Ludwig-Thoma-Saal. Die Umbenennung in Finsterwald sei sicher mit Kosten und Aufwand verbunden, doch „Fehler schützen nicht vor Strafe“. Für ihn sei klar, dass man sich von der Marke Tegernsee eine Scheibe abschneiden und mit der Effekthascherei gut verdienen wolle. „Wenn es eine Möglichkeit gibt, sollten wir dagegen vorgehen“.

Man sollte den Namen zugestehen, erwiderte Martina Niggl-Fisser (BürgerListe), „weil er regional ist“. Sie hätte nichts gegen zwei Tegernseer Höfe einzuwenden. „Ich finde das Vorgehen des Eigentümers erbärmlich und hinterfotzig“, konterte Norbert Schußmann (CSU). Der Feichtner Hof liege in Gmund nicht mal am Tegernsee. Er gehöre weder der Stadt noch sei er jemals ein Klosterhof gewesen. Da es dort als „Krönung“ nicht einmal Tegernseer Biere gebe, „hat dieses Etablissement überhaupt nichts mit dem Tegernsee zu tun“. Auffallend für ihn sei, dass auch Schriften und Farben sehr ähnlich seien. „Der billige Werbegag auf Kosten anderer war volle Absicht“.

„So funktioniert Kapitalismus“

Heino von Hammerstein (BürgerListe) recherchierte, dass die Wortmarke Tegernseer Hof „am 30. März von der Aureus Immobilien und Anlagen GmbH angemeldet wurde“. Seine Befürchtung sei, dass sich die Marke Tegernseer Hof auch anderweitig vermarkten lasse, auch für Finanz- und Bankgeschäfte. Ein Blick ins Internet zeigt, dass bereits auch eine Hotel Tegernseer Hof GmbH existiert.

Der zeitliche Ablauf offenbare für Hammerstein das „bewusste Unterlaufen“ des Namens Tegernseer Hof. Denn dieser in der Rosenstraße könne irgendwann auch mal andere Pächter bekommen, die dann den Namen wieder nutzen könnten. „Wir müssen an die Zukunft denken“. Thomas Mandl (SPD): „Damit wir uns selber schützen, müssen wir dagegen vorgehen“. Die Geschichte des Feichtner Hofs zeige für ihn, „so funktioniert Kapitalismus“.

Zum Glück kein “Schmusi-Mausi”

Für Tochter Laura Mandl (SPD) ist das Vorgehen des Eigentümers in Kaltenbrunn nicht die „feine englische Art“. Im Gegensatz zum Vater empfahl sie aber zunächst mal eine Mediation. Andreas Obermüller (FWG): „Für uns könnte ein Schaden entstehen, wenn beide Lokale verwechselt werden“. Zumal das neue Lokal nicht so weit weg vom Tegernsee liege. Thomas Mayer (CSU) kennt nach eigenen Angaben den Tegernseer Hof 40 Jahre, den „wollte die Stadt nie aufgeben“.

Wenn auch momentan ein Italiener Pächter sei, könne dies sich irgendwann auch wieder mit einer bayerischen Wirtschaft ändern. Der Wirt könnte dann auf den Namen Tegernseer Hof bestehen. Letztlich beauftragte der Stadtrat einstimmig die Verwaltung, eine Anfechtung der Eintragung zu prüfen. Danach sei der Stadtrat nochmals damit zu befassen. „Im Falle einer drohenden Verfristung wird die Stadt ermächtigt, sofort zu handeln, um die Rechtsposition der Stadt zu sichern“. Man könne froh sein, so Hagn abschließend sarkastisch, dass die neuen Eigentümer des Feichtner Hofs ihn nicht „Schmusi-Mausi“ genannt haben.


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