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Darum geht der Chef der BOB…

Wie berichtet gibt Bernd Rosenbusch seinen Chefposten bei der BOB ab. Zum 1. Oktober wechselt er nach München zum MVV. Mit uns spricht er über die Gründe.

Nach drei Jahren: Geschäftsführer Bernd Rosenbusch verlässt die BOB.

Nach drei Jahren gibt Bernd Rosenbusch seinen jetzigen Posten als Geschäftsführer bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) ab. Wie berichtet wechselt er zum 1. Oktober nach München zum MVV. Dort tritt er die Nachfolge des langjährigen MVV-Geschäftsführers Alexander Freitag an, der Ende September nach 21 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird.

Für die Bayerische Oberlandbahn ist es der vierte Wechsel in nur sechs Jahren. Immerhin hielt es Rosenbusch länger als seine zwei Vorgänger aus. Kai Müller-Eberstein blieb nur zweieinhalb Jahre, bevor er nach Regensburg wechselte, sein Vorgänger Axel Sondermann ging bereits nach sechs Monaten. Kritik musste Rosenbusch vor allem im vergangenen Jahr einstecken.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hatte massiv die Qualität der BOB angeprangert. Es kam sogar soweit, dass Grünen-Landrat Wolfgang Rzehak ihn vor den Kreistag zitierte. Als besonders tragisch erwies sich das schwere Zugunglück von Bad Aibling im Februar 2016, das sich während seiner Amtszeit ereignete. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben.

Rosenbusch regelt künftig den Münchner Verkehr

Erst vor wenigen Tagen raste ein Zug der Bayerischen Regiobahn bei der Einfahrt in den Aichacher Bahnhof auf einen stehenden Güterzug. Dabei kamen der Lokführer der Regiobahn sowie eine 73-jährige Passagierin ums Leben. Deren Sohn wirft der Bahn vor, sie würde die Verantwortung auf den Fahrdienstleiter abwälzen, der mit einer „Technik aus dem letzten Jahrtausend“ allein gelassen wurde.

Auch Rosenbusch hatte immer wieder betont, die Deutsche Bahn sei verantwortlich für die Sicherheit der Bahnstrecken und hätte hierfür „Sorge zu tragen“. Auch die BOB stand immer wieder mit ihren defekten, teilweise veralteten Zügen in der Kritik. Chaotische Zustände an Bahnübergängen, Platzmangel und überforderte Mitarbeiter machten auch Rosenbusch in der Vergangenheit zu schaffen. Ein Grund für ihn, das Handtuch zu schmeißen? Wir haben nachgefragt.

Tegernseer Stimme: Herr Rosenbusch, warum geben Sie Ihren Chef-Posten bei der BOB auf und wechseln zum MVV?

Bernd Rosenbusch: Nach 17 Jahren auf Seiten der Eisenbahn, also im operativen Geschäft, ist es für mich eine neue Herausforderung. Künftig kann ich von der Bestellerseite aus den Verkehr mitorganisieren und verbessern. Mein persönlicher Wunsch ist es, einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrswende in München zu leisten. Und das geht – für den gesamten Raum – von der MVV-Seite aus am Ende besser.

Oder hat Sie vielleicht die Kritik im vergangenen Jahr “mürbe” gemacht?

Rosenbusch: Nein, wenn man bei der Eisenbahn arbeitet, dann ist man Kritik gewohnt. Das ist auch gut so. Und so viel Kritik gab es ja nun auch wieder nicht. Wenn ich es zusammenzähle, waren es hauptsächlich ein paar Tage im Sommer 2015 – auch wegen der Radfahrer – und die Chaos-Tage im Januar und Oktober 2017. Da war die Kritik zum Teil berechtigt, zum Teil nicht. Aber das hält man schon aus. Wenn sie Kollegen oder Partner fragen, wird keiner sagen, ich bin dadurch mürbe geworden. Im Gegenteil, jede Kritik war Ansporn, im Anschluss wieder etwas besser zu werden.

Hatten Sie sich schon länger mit dem Gedanken getragen, woanders hinzugehen?

Rosenbusch: Nein. Die konkrete Anfrage vom Gesellschafterkreis des MVV kam erst kürzlich. Ich habe bei der BOB einen spannenden Job und viele nette und engagierte Kollegen. Auch die operative Arbeit bei der Eisenbahn macht viel Spaß. Wer kann schon aus dem Bürofenster schauen und sieht, wie sein Produkt läuft, ob es pünktlich ist, leer oder voll? Ich hätte noch lange weitergemacht, wenn die Anfrage für den Gesamtraum, sich zu engagieren, nicht gekommen wäre.

Wer tritt Ihre Nachfolge an?

Rosenbusch: Zunächst besteht unsere Geschäftsführung aus zwei Geschäftsführern, Fabian Amini ist als technischer Geschäftsführer ja weiterhin im Amt. Unsere Muttergesellschaft Transdev kümmert sich nun um meine Nachfolge. Da ich ja erst zum 30. September gehe, bleibt dafür also noch viel Zeit.

Dadurch bekommen wir für meine Themen in der Geschäftsführung einen reibungslösen Übergang, eine gute Einarbeitung und Stabilität. Das ist auch alles in meinem Interesse, da ich nach drei Jahren und allen Erlebnissen, die ich mit unseren Bahnen hatte, natürlich eng verbunden bin und möchte, dass es stabil weitergeht. Aber ich bin sicher, so wird es auch weitergehen.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Rosenbusch: Zusammen mit der Stadt, den Landkreisen, dem Freistaat und allen Verkehrsunternehmen den Großraum München vor dem Verkehrskollaps zu schützen. Die Region wächst, der Verkehr nimmt immer weiter zu. Und so, wie wir bisher die Straßen belasten, wird es nicht mehr weitergehen können. Da möchte ich auf die Leistung von Herrn Freitag aufbauen, der den MVV zu dem gemacht hat, was er heute ist. Und ich möchte noch mehr Fahrgäste dazu bewegen, gute Busse und Bahnen zu nutzen.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Rosenbusch: Er fährt mit Meridian, BOB und BRB Zügen in die schönsten Regionen Deutschlands. Ein unglaublich hohes Potential für viele Fahrgäste. Dabei muss er vor allem weiter an der Qualität arbeiten: die BRB an der Spitze aller bayerischen Bahnen halten und den Aufstieg des Meridian weitertreiben.

Da sind wir fast in der Spitzengruppe. Und er muss bei der BOB täglich dafür sorgen, dass die alten Fahrzeuge weiter am Laufen bleiben. Besonders im Oberland braucht er beizeiten ein dickes Fell. Dort erlebt die BOB ja eine Art Hass-Liebe: Eigentlich liebt man sie, aber man ist auch schnell enttäuscht, wenn etwas schief geht.

Ich wünsche ihm, dass hier einfach mehr Rationalität greift: Visionen müssen zurückgefahren, dafür relevante Themen angepackt werden. Es muss zwar berechtigte Kritik geben, aber pauschale Kritik wie „früher war alles besser“ abgelegt werden. Denn das war es nicht.

Sie meinen, heute ist alles besser?

Zumindest sind wir im Qualitätssystem der BEG viel besser geworden, und die Informationen für Reisende haben seit Einführung unserer App Quantensprünge gemacht. Zudem fahren wir im Auftrag der BEG mehr Züge. Und auch bei Störungen haben wir viele Maßnahmen ergriffen, die sofort und unverzüglich greifen.

Die BOB fährt auf alten, eingleisigen Stecken Millionen an Fahrgästen im Jahr nach München und ins schöne Oberland – fast immer mit einer soliden Leistung. Darauf kann die Region stolz sein. Trotz aller Kritik im Einzelfall, wenn wir zum Beispiel dem Ansturm der Radfahrer nicht immer gerecht werden können.

Wenn es dann Kritik hagelt, muss mein Nachfolger alle Mitarbeiter davor in Schutz nehmen. Die Kollegen bei der BOB sind engagiert, das sieht man zum Beispiel bei den phänomenal geringen Krankenquoten bei den Triebfahrzeugführern. Sie tun ihr Bestes. Mir tut es immer leid, wenn pauschale Kritik direkt oder indirekt auch die Mitarbeiter trifft. Nur wir als Geschäftsführer sollten uns damit auseinandersetzen.

Was ist für Sie bis zu Ihrem Ausscheiden im Oktober noch zu tun?

Rosenbusch: Wir arbeiten weiter an einer sauberen Betriebsaufnahme der BRB im Dezember Richtung Füssen. Wir wollen alle drei Netze bei der Qualität weiter voranbringen: Beim Meridian a) vor allem die kommende große Baustelle gut abfahren und bei der BOB b) den Betrieb wie in den letzten neun Monaten weiter stabil fahren. Parallel dazu entwickeln wir die Überlegungen für die zukünftigen Fahrzeuge im Oberland mit.

Dabei kann es am Ende nur ein Ziel geben: Die schnelle Elektrifizierung des Oberlandes. An allen Themen sind wir dran. Fabian Amini und allen Kollegen wird es dabei nicht langweilig. Und ich freue mich auf die Themen in den nächsten fünf Monaten.


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