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Wiesseer Spielarena auf dem Prüfstand

Ein Neubau würde sieben Millionen kosten

Im Gegensatz zur CSU spricht sich die SPD im Gemeinderat für den Abriss der Spielarena 2021 aus. In ihrem Antrag fordert sie, dass dann ein privater Investor gesucht wird. Sehen das die beiden anderen Parteien im Gemeinderat ähnlich? Das war die spannende Frage in der gestrigen Sitzung.

Der von der Gemeinde vernachlässigte “Schandfleck” Spielarena – erhalten oder abreißen? / Foto: Klaus Wiendl

Wie berichtet, wollte die Orts-SPD von Bad Wiessee mit ihrem Antrag im Gemeinderat erreichen, dass nach dem Auslaufen des Pachtvertrages mit Josef Niedermayer eine öffentliche Ausschreibung für „einen privat geführten Spaß- und Spielepark“ auf Gemeindegebiet stattfindet. Einem Investor sollte bei der Suche nach einem gemeindlichen Grundstück geholfen werden. Denn in Eigenregie werde die Gemeinde laut Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) keine Arena bauen oder betreiben.

Fraktionssprecher Bernd Kuntze-Fechner nannte als Grund des Antrags, dass frühzeitig etwas auf den Weg gebracht werden solle. Dabei gehe es nicht um eine Entscheidung Pro oder Contra einer sinnvollen Einrichtung, sondern darum, dass das jetzige „Provisorium“ verschiedenartige Probleme mit sich bringe. Deshalb plädiere die SPD jetzt für eine Ausschreibung, die den Blick darüber hinaus sichere. „Wir wollen hier präventiv tätig werden“, ergänzte Vize-Bürgermeister Robert Huber als Mitunterzeichner des Antrags.

Platt machen oder erhalten?

Für seine Fraktion sei der SPD-Antrag „sehr überraschend“ gekommen, erwiderte Florian Sareiter (CSU) als leidenschaftlicher Verfechter der Spielarena. Denn der Gemeinderat habe laut Sareiter vereinbart, um die Freizeiteinrichtung aus dem beginnenden Wahlkampf herauszuhalten, dass sich erst das neu zusammengesetzte Gremium damit befassen sollte. Deshalb fordert die CSU, „dass die SPD ihren Antrag zurücknimmt“. Damit ergebe sich eine Planungssicherheit sowohl für die Gemeinde als auch den Betreiber Niedermayer.

Stattdessen sollte die Gemeinde als Eigentümerin lieber die Kosten zur äußerlichen Renovierung der Halle prüfen lassen. Denn die Spielarena sei laut Sareiter ein „super Angebot“ für Kinder und Jugendliche talweit und darüber hinaus. Gerade in der Nachbarschaft von Badepark und See sei es eine „tolle Geschichte“, plädierte Sareiter als „zweifacher Vater“. Teilweise würden dort an Wochenenden gleichzeitig 16 Kindergeburtstage stattfinden.

So etwas dürfe keinesfalls abgerissen werden, wenn man keinen neuen Standplatz dafür habe. Es solle jetzt die Arena „plattgemacht“ werden, die damals der Gemeinde vom inzwischen verstorbenen Mäzen Otto von Beisheim gestiftet wurde. Laut Sareiter bietet Niedermayer an, seinen Vertrag weitere acht bis zehn Jahre „als unbestritten fähiger Betreiber“, so Sareiter, zu verlängern.

90.000 Euro vs. sieben Millionen

Gegen die dem Pächter „unterstellte Profitgeilheit“ spreche, dass er seit zehn Jahren die Eintrittspreise nicht erhöht habe und es Behinderten-Rabatte gebe. Er würde auch alle Schulen, Vereine und das Seefest mit Spielgeräten unterstützen. Wenn ein Betreiber einer solch „definitiv nicht lukrativen Anlage“ weitermachen wolle, sollte die Gemeinde „froh“ darüber sein. Er lasse auch das Argument nicht gelten, so Sareiter, dass die Halle und das Umfeld dort jetzt nicht „schön aussehen“ würden. Dies sei schon die letzten zehn bis zwanzig Jahre so. Die geschätzten Kosten der Fassadenrenovierung bezifferte Sareiter mit etwa 90.000 Euro. Ein vergleichbarer Neubau würde „grob geschätzt sechs bis sieben Millionen Euro kosten“.

„Das ist kein Wahlkampf-Antrag“, konterte Klaudia Martini (SPD). Aus dem Antrag ihrer Partei ergebe sich „klar“, dass man diese „sinnvolle“ Einrichtung im Ort halten wolle. Wer etwas anderes hineininterpretiere, liege „falsch“. Man sei damals „einstimmig für die Zwischennutzung der Tennishalle“ gewesen. Doch eine solche Einrichtung gehöre nicht zu den „Pflichtaufgaben der Gemeinde“. Das sei wohl „auch klar“, so Martini. Dies sei Sache von privaten Betreibern. Es stehe jedem frei, sich zu bewerben.

Der SPD liege eine „saubere und ordentliche Regelung“ nach Pachtvertragende am Herzen. Sie könne nicht verstehen, so Martini, dass jetzt eine „Wahlkampfsoße drübergezogen“ werde, „die da nicht hingehört“. Gegen „unwahre Behauptungen“ der Gegenseite werde sie sich künftig „heftigst erwehren“.

SPD ohne Mitspieler

Rolf Neresheimer (ranBW) konnte nicht „verstehen“, wieso das Thema nochmals auf die Tagesordnung kam. Denn damit sollte sich, wie vereinbart, ein neuer Gemeinderat befassen. Es sei völlig unrealistisch, im Ort einen bezahlbaren Grund für ein neues Gebäude zu finden. „Es wird sich kein privater Betreiber melden, der in der Gemeinde eine Spielarena hinstellt“. Diese Lösung mit Niedermayer „ist gut, wir brauchen sie und sollten sie erhalten“. Wenn sie an diesem Standort kaputt gemacht werde, „ist sie weg“.

Gespannt war man im Ratssaal, wie es die Freien Wähler mit dem SPD-Antrag halten würden. Birgit Trinkl schlug sich auf die Seite der CSU. „Ich verstehe nicht, warum wir diesen Vertrag, der über unsere Amtszeit hinausläuft, jetzt diskutieren“. Die Spielarena „ist ein super Schlechtwetterangebot für Kinder“ und Niedermayer „mit Herzblut“ dabei. Warum das Thema jetzt „angerührt wird, verstehe ich nicht“, so Trinkl. „Innen ist es perfekt, außen ist es greislig“, ergänzte Kurt Sareiter (CSU).

Huber will angesichts der Schneelast dieses Winters das „hochtechnische Gebäude“ nochmals statisch untersucht wissen. Auch eine energetische Prüfung samt „Ertüchtigung“ hält er für sinnvoll. Dies solle bis zu „einem gewissen Grad geprüft werden“, ganz gleich, wie es dem Antrag seiner SPD dann ergehe und was künftig mit der Halle passiere. Huber ahnte es wohl schon. Der Beschlussantrag der SPD wurde mit zehn zu vier Stimmen mehr als deutlich abgelehnt.


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