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Ein Kommentar über das fragwürdige Vorgehen des Landratsamts Miesbach

Einfach mal die eigene Schlamperei locker weiter kicken

Von Sabiene Hemkes

Der Landkreis Miesbach hat tatsächlich viel Potenzial, mal beim „Gibt’s doch gar nicht“-Quiz oder bei „extra3“ eine eigene Sendung zu bekommen. Der jüngste Skandal dreht sich um die hiesigen Landschaftsschutzgebiete. Erst wird im Landratsamt geschlampt, dann ist man sich mal wieder keiner Schuld bewusst. Ein Kommentar…

Ein Blick auf einen kleinen Teil von einem der sechs Landschaftsschutzgebiete im Landkreis. Zukunft? Ungewiss.

Ein Kommentar von Sabiene Hemkes:

Die Haglandschaft im Landkreis Miesbach erfreut die Menschen seit jeher. Im Voralpenland gelegen, unweit der bayerischen Landeshauptstadt, kommen die Menschen aus nah und fern zusammen, um die wunderbare Natur zu genießen. Die drei Seen erfreuen sich nach Jahren der Stagnation steigender Beleibtheit. Die Immobilien- und Touristikbranche freuts. Die Einheimischen finden das manchmal halt nicht so mega.

Auch im Miesbacher Landratsamt ist man stets bemüht, die Werbetrommel zu rühren – wenn auch nicht immer im positiven Sinne. Sei es die Sparkassensaffäre mit Ex-CSU-Landrat Jakob Kreidl, der Skandal um die Schlierseer Seniorenresidenz oder zuletzt die verunglückte Pressearbeit rund um einen Bus mit Flüchtlingen. Alles Themen, die bundesweit die Gazetten und Medien füllen konnten.

Der Landkreis verliert mal eben den Naturschutz

Dieser Tage wird (noch beschränkt auf Oberbayern) der Fall des „mysteriösen Verschwindens“ einer Originalkarte aus dem Jahr 1955 heiß diskutiert. Eingezeichnet auf der Karte war die genaue Lage von sechs Landschaftsschutzgebieten im Landkreis. Einfach verschwunden. Man glaubt es kaum. Die Crux: Ohne diese Karte haben die sechs Landschaftsschutzgebietsverordnungen keine rechtliche Relevanz mehr. Beim Rettungsversuch 2019 vergaß der Protokollant im Kreistag dann auch noch, irgendwas schriftlich zu vermerken. Die „Rettung der Schlamperei“ scheiterte also mit einer erneuten Schlamperei. Kannste dir nicht ausdenken.

Seitdem steht der Naturschutz im Miesbacher Landkreis auf tönernen Füßen. Heuer wurde die ganze Geschichte dann wieder Thema. Der Kreistag will sich jetzt doch mal drum kümmern, was aus der Natur so wird und wer sie schützen kann. Na immerhin – drei Jahre später, keine ganz schlechte Idee.

Ist ja auch irgendwie blöd, so ganz ohne Landschaftsschutzgebiete – und das als eine „nachhaltige“ und „naturrespektierende“ Urlaubsdestination. Richtig idiotisch wirds dann, wenn man gegen eine Privilegierung im Landschaftsschutzgebiet klagen will, es aber gar keine Schutzgebiete mehr gibt. So geschehen am Mittwoch bei der Verhandlung der Klage auf der Saurüsselalm. Was auch die Richterin zu einem lapidaren “Was weg ist, ist weg und kommt nicht mehr“-Spruch in Bezug auf die Karte animierte. Fatal-traurige Wahrheiten einfach auf den Punkt gebracht. Das haben die Juristen drauf.

Landratsamt schmeißt „schwarzen Peter“ auf Naturschutzverein

Aber es geht noch besser. Am Freitagmittag flattert eine Pressemeldung zu dem Thema aus dem Landratsamt bei uns ins Mailpostfach. Zwei Seiten zum Versagen der Archivierungsfachkräfte in den Miesbacher Amtsstube. Sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Nicht die Behörde trägt die Schuld, nein. Stattdessen landet der schwarze Peter ungebremst und mit voller Wucht auf dem Rücken des Vereins zum Schutz der Bergwelt e.V.. Seines Zeichens der Kläger gegen die Luxus-Alm des Beton-Barons Franz Josef Haslberger. Wie nun?

Laut Landratsamt habe die Klage des Naturschutzvereins den Landschaftsschutzgebieten den „Todesstoß“ versetzt. BAM! Das ist mal eine Medien-Parade. Ein „den Bock zum Gärtner machen“ in Reinkultur. Das Sahnehäubchen? Hinter vorgehaltener Hand hörte man es droben während der Verhandlung auf der Saurüsselalm tuscheln: „Seit drei Jahren entscheiden wir doch schon nichts mehr auf Grundlage der Landschaftsschutzverordnung“. Das darauffolgende Lächeln stieß da schon bitter auf.

Ist aber auch doofes Missgeschick…

Zusammengefasst: Vor drei Jahren deckt ein Richter in einem Verfahren auf, dass eine notwendige Karte im Landratsamt Miesbach verschwunden ist und es geschah bis heute nichts Konstruktives, um den Schutz der Natur im Landkreis zu gewährleisten. Gibt es das? Dann kommt 2022 ein Kläger, der sich per Vereinssatzung dem Schutz der Bergwelt verpflichtet, und gegen ein Projekt im Landschaftsschutzgebiet klagt und wird zum „fiesen Meuchelmörder der Natur“ im Landkreis erkoren. Das ist schon schwer dreist.

Man könnte aber natürlich auch mal etwas nachsichtiger sein mit der guten alten Behörde in Miesbach. Können die Naturschützer nicht einfach mal Rücksicht auf die kleinen Versäumnisse in den Miesbacher Amtstuben nehmen? Nur mal so ’ne Frage…


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