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Tegernseer Traditionshaus

Leeberghof-Pächter übernimmt Lieberhof

Das Ringen um den Lieberhof hat ein Ende. Am Samstag wurde ein neuer Pachtvertrag unterschrieben. Vom Totentanz hoch über dem Tegernsee zu neuem Treiben…

Auf dieser Wiese unterhalb der Tegernseer Berggaststätte “Lieberhof” sollte das Gästehaus entstehen. Der neue Pächter hat andere Pläne. / Archivbild: N.Kleim

Vor Jahren hatte Lieberhof-Eigentümer Hans Hailer Personalsorgen und wollte seinen denkmalgeschützten Berggasthof verkaufen. Über eine Maklerin soll Hailer damals seine Berggaststätte für 14 Millionen Euro zum Verkauf angeboten haben. Ein Käufer fand sich nicht.

Aus Angst, der Betrieb könne „zweckentfremdet“ werden, verhängte die Stadt Tegernsee stattdessen eine Veränderungssperre. Im Juni 2015 sicherte man sich per Satzung zusätzlich das Vorkaufsrecht. Damit sollte das von im Jahr 1933 durch die Stadt verkaufte Anwesen für immer Gaststätte bleiben.

Ein Gästehaus soll’s retten

Mit einem Neubau – einem Gästehaus mit 20 Betten – in die freie Wiesenfläche seines Steilhangs wollte Hailer sodann die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes sicherstellen. Nach vielen Debatten erteilte der Stadtrat grünes Licht und das Landratsamt die Genehmigung.

Dann klagte ein Nachbar gegen den Neubau. Weil dieser befürchtete, die Gäste würden seine Ruhe stören, stand die Zukunft des Gästehauses auf der Kippe (wir berichteten). Eine Entscheidung fiel nicht, da das lärmtechnische Gutachten Mängel aufwies. Zwischenzeitlich hatte Hailer seinen Betrieb an Christina Vasiu verpachtet. Zusammen mit ihrem Mann führte sie den Betrieb gut ein Jahr. Ende 2017 beendete sie das Pachtverhältnis (wir berichteten).

Hailers neuer Pächter: Johannes Rabl

Hailer, der mit seiner Frau Christina in Österreich lebt, hat nun einen neuen Pächter für seinen Betrieb gefunden. Es ist der Chef des Leeberghofs: Johannes Rabl (39). Seit 1. Juli vergangenen Jahres betreibt der Hotelmanager das 15-Zimmer-Haus hoch über dem Tegernsee (wir berichteten).

Genauso lässig und unkompliziert, wie der Hotelier in den Leeberghof eingestiegen ist, muss er wohl auch seine Gespräche mit Hans Hailer geführt haben. Die „langwierigen“ Verhandlungen haber er mit „viel Integrität und Bodenständigkeit“ geführt, sagt Rabl. Ihm sei es darum gegangen, das „Erbe des Leeberghofs“ und dessen Geschichte „so gut wie möglich zu erhalten.“

Übernahme ab Januar 2019

Ab Januar 2019 wird Rabl Hailers Lieberhof übernehmen. Am vergangenen Samstag wurde der Pachtvertrag unterschrieben. Ein Pachtvertrag, der 20 Jahre gültig ist. Mit Option auf Verlängerung – für weitere 20 Jahre. Er sei „höchst angetan“ von dem Haus, schwärmt der 39-Jährige. Nicht nur von der Lage, sondern auch von der Geschichte dieses ehemaligen Klosterhofes. Er habe vorab „tief in den Archiven gegraben“, und dabei viel über die Benediktiner-Mönche in Erfahrung gebracht.

Johannes Rabl vor dem “Leeberghof” im August 2017. / Foto: N Kleim

Mit ihm als Pächter werde es kein Gästehaus am Steilhang geben, stellt der 39-Jährige klar. Weil er “nichts Neues betonieren” wolle, sondern “Altes bewahren“. Aus diesem Grund nehme er auch die Klostergeschichte in sein Konzept mit auf. Dafür bedarf es keines Neubaus, sondern eines „ganzheitlichen, bodenständigen bayerischen Konzeptes“. Und dazu gehöre eine Art Klostergarten mit Kräutern und Gemüse genauso wie das Bad Reichenhaller Salz, das ein geschichtlicher Bestandteil Tegernsees ist.

Ein Kauf kam nicht in Frage

„Ich glaube, dass ich auch ohne den Neubau eines Gästehauses erfolgreich sein kann“, ist Rabl überzeugt. Sein Küchenteam unter der Leitung von Matthias Rödiger soll ihn dabei unterstützen. Schon im Leeberghof stehen selbstgemachte Marmeladen, Kräuter und regionale Produkte auf Rabls Speisekarte.

Warum er den Lieberhof nur gepachtet und nicht gekauft hat? Einen Kauf „habe er sich noch nicht leisten können“, sagt Rabl. Die Möglichkeit hätte es zwar gegeben, aber nur „theoretisch“, da sich Hailer eine Summe im „zweistelligen Millionenbereich“ vorgestellt hat. Ein Kaufpreis für „Liebhaber“, wie Rabl sagt. “Emotional kann ich’s noch nicht, das Ganze muss sich tragen können.“

Zurück zu Brauchtum und Tradition

Bevor Rabl an den Leeberghof kam, war er Management-Trainee in Bangkok, wurde sechs Jahre später Hoteldirektor und machte seinen Masterabschluss in der Schweiz. Während seiner beruflichen Laufbahn war er bei vielen Hoteleröffnungen dabei. Unter seiner Führung als Resort Manager wurde das One&Only Reethi Rah Resort auf den Malediven vom Traveller‘s World Magazin dreimal hintereinander zum besten Resort der Welt gekürt.

Gesamtumsätze von mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Jahr, Besuche von Staatsoberhäuptern und Hollywood Stars, sowie die Führung von rund 1.000 Mitarbeitern sind Errungenschaften seiner Zeit im Ausland. Ein „Getriebener“ wollte er dennoch nicht bleiben. Es zog ihn zurück zu Brauchtum und Tradition – an den Tegernsee. 2015 gründete er das Familienunternehmen „Latona Hotels & Restaurant GmbH“.

Sein Konzept: Hotel und Gastronomiekonzepte in Bayern zu entwickeln – für eine „zeitgemäße Form von Luxus“. Schon als wir Rabl im August vergangenen Jahres interviewten, war er sich sicher, noch „viele weitere Objekte zu finden“. Sein Bauchgefühl hat ihn nicht enttäuscht.

Rückendeckung von der Stadt

Genauso wie die Lage oben am Leeberg einzigartig ist, so ist auch der Platz oben beim Lieberhof einmalig. Rabl weiß das. Beide Häuser “liegen nur fünf Gehminuten” voneinander entfernt. Durch die räumliche Nähe ist der Hotelier in der Lage, beide Betriebe parallel zu managen. Ein Serviceleiter soll sich vor Ort um das tägliche Geschäft kümmern.

Über sein Konzept und seine Idee hat Rabl bereits mit der Stadt Tegernsee gesprochen. Bürgermeister Johannes Hagn sei darüber „hocherfreut“ gewesen, wie er sagt. Diese Rückendeckung ist ihm wichtig. „Es kann nur funktionieren, wenn die Stadt dahintersteht.“ Bis Januar soll der Lieberhof nun noch kleineren „Schönheitsreparaturen“ unterzogen werden. Große Umbaumaßnahmen sind laut Rabl nicht geplant.


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