Die Tegernseer Tal-Woche

Noch mehr Tal-Hirntote durch Strahlung?

Neues vom Gegen-Köck: Der zieht in den letzten Monaten gegen alles sein Wut-Schwert. Zugezogene, Steine vor der Hecke, runde Sauna-Häuser und jetzt: Strahlen. In Waakirchen haben sie die Handwerker-Karte gespielt, und in Gmund finden sie keine Unterstützung für die Schwächsten. Mächtig was los in unserem Tal …

Was diese Woche im Tegernseer Tal so los war …

5G. Das ist Technik von draußen – also von nördlich der A8. Damit ist es für den ein oder anderen Talinsassen schon suspekt. Da behauptet der Hauptamtliche Köck, er habe viel gelesen, wisse jetzt Bescheid: 5G entlaube Bäume. Und der technik-averse Grüne Tomaschek pflichtet bei: Innovation könne man nicht von oben herab beschließen. Das müssen die Zukunftsskeptiker in Rottach-Egern schon selbst leisten. Auch wenn der Mediziner Fresenius keine „Hirntote durch Handys entdeckt“ haben will, befürchten alle erst mal nur Risiken und Gefahren.

Querfront-Irrsinn im Landtag, wie in der Miniaturpolitik: So möchte sich eben der handelsübliche Feierabendpolitiker gern sehen: Besorgt und kümmernd, abwägend und erst mal Vorsicht walten lassend. Ist ja Wahlkampf. Wer da mit neuen Ideen kommt, hat schon verloren. So wie immer. Das ist wichtig. Die Welt da draußen ist so komplex. Wir mögen es hier gern überschaubar.

5G kann auch was

Das technikfeindliche Gequake ist natürlich hanebüchener Unsinn. (Wurde aber in der Vergangenheit auch gern auf rechten Webseiten und Russland-freundlichen Sendern wie „RT“ verbreitet). Wie Homöopathie und Impfskepsis gehört es in den Baukasten der gefühlten Wahrheiten, die sind natürlich auch im Tal schwer in Mode. Der 5G-Netz-Standard könnte selbst dem ländlichen Tal helfen. Echt jetzt? Technik aus der Welt da draußen könnte uns, die wir ja alles haben (das Bräustüberl, den Wallberg, Christoph von Preysing), weiterbringen?

5G unterstützt zum Beispiel die Verbreitung von Tele-Medizin. Ältere oder chronisch kranke Bewohner, die ihre Diagnosen und Befunde virtuell anfordern und begutachten lassen können – jenseits von An-und Abreise, von vollen Wartezimmern. Autonomes Fahren würde im Tal helfen, dass seltener halbblinde Senioren oder vom Handy abgelenkte Twens Menschen überfahren. Dafür aber braucht es den Standard. Wer das Netz nur für Videospiele, mehr oder weniger erotische Inhalte und WhatsApp nutzt, wird das kaum verstehen. Wird weiter den besorgten Bürger mimen und halbgare Verschwörungen raunen.

Wie kann das sein?

Die „Tafel“ in Gmund sucht dringend Helfer. Wie kann das sein? In einem Tal mit dem Altersdurchschnitt einer Bridge-Gruppe aus München-Bogenhausen finden sich keine ehrenamtlichen Personen? Keine, die kostenlos mit dem RVO-Bus nach Gmund fahren, helfen und dem Herbst des Lebens einen tieferen Sinn geben wollen?

Keiner, der seine gigantische Tagesfreizeit mit Sinnvollem füllen will, statt auf Berghütten in Partnerlook-Funktionsjacken zu hocken, dem Nachmittagsprogramm des MDR zu folgen oder an der Kasse vom Edeka „Zweite Kasse“ zu kreischen? Irre.

Verkehr verschwindet nicht durch mehr Straßen

Von listigen, heimischen Handwerkern ist das Knock-Out-Angebot bekannt. Sie erteilen einem keine Absage, sondern setzen einen Mondpreis fest. Nimmt der Doofe an, fein. Sagt er ab, sind noch genug andere Aufträge da. So ein Knock-Out-Angebot hat nun der Waakirchener Gemeinderat nach einer Klausursitzung zur Umgehungsstraße abgegeben. Keiner will die Südumfahrung. Aber sagen will es auch niemand. Könnte ja so wirken, als nehme er die Sorgen der Anwohner nicht ernst. Also, flott einen Trog und einen Tunnel gefordert, und die möglichen Kosten ins Unglaubliche (über 80 Mio. Euro) damit geschossen. Smarter Move.

Vielleicht geht man in München/Berlin darauf ein. Ist aber eher unwahrscheinlich. Denn wie man die Umgehung auch macht: Einer wird leiden. Verkehr verschwindet eben nicht durch mehr Straßen.

Diese Binse hat nur noch nicht die Marktgemeinde im Norden erreicht. Dort hält der örtliche Bürgermeister-Kandidat weiter an der Südumfahrung fest. Wozu sonst hätte man auch das Vierspuren-Straßenmonster kurz vor der Autobahn planiert? So wie Kinder zwingend am Strand Burgen bauen, will sich der gemeine CSU-Funktionär mit Flächenversiegelung schmücken. „Schaut, das Gewerbegebiet, dieser Trog – das habe ich gemacht – gegen alle Widerstände und Menschenverstand.“ Fruchtstolz der besonderen Art eben.

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