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Walch vs. Wrba: Streit um Umgang mit Aldi-Erweiterung

Wenn in Kreuth die Fetzen fliegen

Von Maxi Hartberger

Jahrelang dämmerte man in Kreuth, nickte hier und da brav, wenn der Bürgermeister eine Entscheidung brauchte. Das ändert sich gerade. Wo es sonst so harmonisch zugeht, flogen bei der gestrigen Gemeinderatssitzung die Fetzen. Der Auslöser: Ein TS-Interview mit Markus Wrba zur geplanten Aldi-Erweiterung.

Der Aldi-Markt soll größer werden – das gefällt nicht allen …

Die geplante Aldi-Erweiterung erhitzt nicht nur in Kreuth, sondern talweit die Gemüter. Schutzgemeindschaft und Kritiker haben Angst um den Einzelhandel, sogar Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt. Andere wiederum stehen hinter dem Vorhaben, sind froh, dass es neben den zahlreichen Feinkost-Läden auch einen Discounter gibt.

Einer davon ist Markus Wrba, Anwalt und Ratsmitglied der Freien Wähler. Erst kürzlich erklärte der Kreuther Gemeinderat in einem exklusiven TS-Interview ausführlich seine Haltung gegenüber des umstrittenen Projekts. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, gegen seinen Ratskollegen und Weinhändler Robert Gerg (SPD) zu schießen.

Dort, wo sonst alles so harmonisch läuft …

Gerg sah die Discounter-Erweiterung an der Weissach kritisch, wohl auch, weil der Supermarkt ihm die Weinkundschaft nimmt. Er schloss von seinem Einzelschicksal auf alle, sah den Tal-Einzelhandel in Gefahr. Für Wrba kein schlüssiges Argument: „Ich habe der SPD Fraktion, insbesondere den Kollegen Gerg (mit dem ich etliche Jahre gekickt habe) vorgeworfen, dass er ein künstliches Problem zu verkappten Wahlkampfzwecken auf kommunaler Ebene aufbläst“, erklärte er damals im Interview.

Er ging noch einen Schritt weiter: „Es gibt in unserem wohlstandsreichen Tal viele, viele Menschen, die auf extrem günstige Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sind. Soziale Gerechtigkeit, liebe Sozis, fängt im Einkaufswagen an.“ Deutliche Worte in Richtung SPD-Fraktion. In dem sonst so harmoniebedürftigen Gemeinderat waren gestern die Konsequenzen dieses Interviews deutlich zu spüren.

„Das ist das Letzte vom Letzten“

Am Ende der Sitzung ergriff Martin Walch, ebenfalls Anwalt und Vorsitzender der SPD Kreuth-Rottach-Egern, das Wort. „Ich halte es für absolut unsäglich, in welcher Art und Weise du über die Presse einen Gemeinderat nicht nur kritisierst, sondern angreifst. Das war polemisch.“ Er wisse nicht, wie Wrba darauf komme, die SPD würde mit dem Thema Wahlkampf betreiben. „Irgendwo hört’s auf. Das ist das Letzte vom Letzten.“

Man habe sich bisher in diesem Gremium, ob Befürworter oder Gegner, sachlich mit dieser umstrittenen Thematik auseinandergesetzt. „Man darf auch unterschiedlicher Meinung sein.“ Sich aber in der Presse so zu äußern, ist für Walch vollkommen unverständlich.

Uns öffentlich als Gscheidmeier oder Marktschreier gegen die Aldi-Erweiterung zu nennen – Reiß di zam!

Nicht nur, dass Wrba eine Diskussion, die eigentlich in den Gemeinderat gehört, öffentlich austrage, auch einige seiner Behauptungen im Hinblick auf die Einzelhändler seien schlichtweg unverschämt. Ebenso habe er mit Unwahrheiten die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Angela Brogsitter-Finck angegangen. Hier spielte Walch auf eine Aussage im Interview an, in der Wrba behauptete Brogsitter-Finck sei selbst eine der ersten Zuagroasten gewesen, die im Tal auf grüner Wiese gebaut hat. Das sei schlichtweg falsch, stellte Brogsitter-Finck damals gegenüber der TS klar.

Walch sagte im Rat er habe sich informiert und die Tatsache sei die, dass der Vater von Brogsitter-Finck 1959 in Festenbach ein Haus gekauft hat und seitdem weder Frau Brogsitter-Finck noch ihre Geschwister einen Stein verändert haben. Das stehe genauso noch da. „Reiß di zam in Zukunft mit solchen Äußerungen, mit so einem Populismus, sonst haben wir hier ein Problem“, so Walch zu diesem Thema abschließend.

Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) ergriff in seiner typisch ruhigen Art das Wort: „Auch ich habe es schade gefunden, dass nun über die Medien so eine Auseinandersetzung stattfindet.“ Er habe es immer sehr geschätzt, dass in diesem Gremium offen miteinander geredet wurde. „Und ich hoffe sehr, dass wir da wieder zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren.“

SPD-Mitglieder erwarten Entschuldigung

Sein Beschwichtigungsversuch half allerdings wenig, denn auch Gerg selbst wollte nicht stumm bleiben. Mit Blick auf Wrba erklärte er: „Ich halte das für außerordentlich schlechten Stil.“ Er ist überzeugt: Die Aldi-Erweiterung verschärfe den Konkurrenzkampf gegenüber dem Einzelhandel. „Und die plakative Aussage von dir, es würde kein Kreuther Grashalm für die Erweiterung gekrümmt, ist eine Unwahrheit.“ Die Unterschriftenliste sei aus einem guten Grund gestartet worden. Gerg machte deutlich:

Ich erwarte eine öffentliche Entschuldigung.

Während die anderen Gemeinderatsmitglieder betreten schwiegen, erklärte Wrba nach dem Ende der SPD-Standpauke: „Ich werde mich jetzt daran halten, was der Bürgermeister gesagt hat, und mich nicht öffentlich dazu äußern. Ich werde das jetzt umkommentiert lassen und wer ein Problem mit mir oder meinen Aussagen hat, der kann sich gern mit mir unterhalten.“

Im Übrigen gab es noch eine sachliche Info am Rande: Aktuell wird eine Auswirkungsanalyse zur geplanten Aldi-Erweiterung durchgeführt, bei der die Konsequenzen für den örtlichen Einzelhandel ermittelt werden sollen. „Diese Analyse wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Deshalb wird die Behandlung des Bebauungsplanverfahrens vermutlich nicht vor der Dezember-Sitzung stattfinden“, so Bürgermeister Bierschneider.


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