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Stillstand seit über viereinhalb Jahren am Tegernseer Seeufer

Zeitspiel bei der Villa am See?

Von Sabiene Hemkes

Seit Ende 2017 steht das Hotel „Villa am See“ im Süden von Tegernsee leer. Der einst gefeierter Gourmettempel mit Seezugang und eigenem Event-Boot macht dem Seeufer keine Ehre mehr. Stillstand ist die Devise – die altbekannte Investoren-Taktik rund um den See. Und reden will auch keiner…

Rechts neben der Villa am See sollen die zwei neuen Häuser mit Tiefgarage entstehen. / Archivbild

Wie schreibt man einen Artikel über ein stadtbekanntes „Ärgernis“ im Tegernseer Süden, wenn alle bekannten Fakten über die neuen Pläne für die „Villa am See“ fast schon viereinhalb Jahre alt sind? Aber es hilft ja nichts – sichtbar ist doch für alle, dass hier in bester Seelage ein Hotelanwesen seit Jahren leer steht und die dazugehörige MS Bad Wiessee am Seeufer vor sich hinrottet. Da fragen sich alle im Tal: Was passiert da? Gehen wir es chronologisch an.

Einst wurden im ehemaligen Eybl-Hof der „Villa am See“ und der MS Bad Wiessee rauschende Feste gefeiert. 2012 übernahm Klaus Hurler das Anwesen. Erich Schwingshackl übernahm zuerst 2012 die Gastronomie und machte sich einen Namen als Virtuose am Herd und erkochte sich gar einen Stern. 2014 erweiterte Schwingshackl die Pacht auf den Hotelbetrieb, mit sieben Doppelzimmern und fünf Suiten.

2017 – Das vorläufige Ende der Villa und Handlungsbedarf für die Stadt

2017 schmeißt der Pächter Schwingshackl alles hin. Seepavillon, Hotelbetrieb und Schiffsbistro werden geschlossen. Warum? Wohl weil der Besitzer Hurler im Januar 2018 öffentlich erklärt, alles verkaufen zu wollen – Nebengebäude eingeschlossen, die auch zu seinem Besitz gehören. Er sei, lässt Hurler damals verlautbaren, den ganzen Hotelbetrieb leid und habe keine Lust mehr – und ergänzt: „schon gar nicht am Tegernsee“.

Diese überraschende Wendung ruft augenblicklich die Verantwortlichen der Stadt Tegernsee auf den Plan. Bereits Ende 2017 informiert über den Verkauf, bringt der Stadtrat für das gesamte Flurstück die Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplanes hervor, der das Gelände als Sondernutzung für touristische Nutzung „Hotel“ ausschreibt. Am 18. Januar beschließt der Stadtrat die Aufstellung des „qualifizierten Bebauungsplanes für das Gebiet „Villa am See“ in der Schwaighofstraße 53 – 55.

Ende 2018 – Der Investor reicht die Pläne ein

Im Oktober 2018 tritt die De Lago GmbH mit Geschäftsführer Sachs in der Öffentlichkeit als neuer Besitzer der Villa am See auf und präsentiert der Stadt seine Pläne. Insgesamt stellt der neue Besitzer drei Anträge auf Vorentscheid für eine neue Bebauung und Nutzung der Villa am See. Und für das Grundstück mit der Hausnummer 57, was die De Lago GmbH zusätzlich erworben hat, auch einen Vorbescheid-Antrag für den Abriss des Altbestandes und den Bau von zwei Villen mit Eigentumswohnungen samt Tiefgarage und einem Gartenpavillon.

Achtung – jetzt wird es etwas kompliziert: Im Dezember 2018 beschließt der Stadtrat eine Veränderungssperre für die Schwaighofstrasse 55-57. Was bedeutet, dass hier die Pläne des Bauherrn erst einmal ablehnt wurden. Und zwar, weil nicht absehbar sei, wie es heißt, inwieweit die De Lago GmbH auch in dem Bereich des Hotels plant, weitere Eigentumswohnungen zu erstellen.

Durch die Veränderungssperre werde dem ein Riegel vorgeschoben, heißt es von Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) auf Nachfrage. Voraussetzung für die Neugestaltung des Hotels sei nun der Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt und dem Besitzer. Aus dem Rathaus ist zu hören:

Wir werden hier keine Salamitaktik zu lassen. Unsere Priorität ist es, so viel „Hotelnutzung“ wie möglich zu garantieren.

Gegen den weiteren Plan des Investors, auf dem Nachbargrundstück Eigentumswohnungen in den zwei Neubauvillen zu errichten, und die dazugehörige Tiefgarage, hatte die Stadt erstmal keine Bedenken, die eine Veränderungssperre auslösen.

2018 – 2020 – bis heute – Die Anwohner klagen

Jedoch treten jetzt die Nachbarn auf den Plan. Denen gefielen die Pläne der De Lago GmbH gar nicht. Zu groß, zu viel Verkehr und zu viel Schatten. Drei Klagen waren 2020 gegen den erteilten Vorbescheid beim Bayerischen Verwaltungsgericht anhängig.

Richterin Dürig-Friedel vom Verwaltungsgericht mit den Anwohnern und den Anwälten beim Vor-Ort-Termin im September 2020

Es fand ein Ortstermin statt und im Anschluss wurden die Klagen abgewiesen. Allerdings hielt einer der Nachbarn an seiner Meinung fest und ging in Berufung. Das Verfahren ist laut Oberverwaltungsgericht immer noch anhängig.

Heute: Weder Stadt noch Investor wollen oder können reden

So viel zur Vorgeschichte. Und wie wir sehen, passierte in den vergangenen anderthalb Jahren (wie am See schon fast üblich) gar nichts. Auch Bürgermeister Hagn scheint nicht besonders viel in Kontakt mit den Projektplanern zu stehen. Er verweist nur auf das anhängige offene Verfahren, von dem die weiteren Planungen abhängen. Immerhin weiß er etwas Neues über das Bestandsgebäude an der Schwaighofstrasse 53 zu berichten:

Unseres Wissens ist das Wohnhaus, auf dem die Villen mit der Tiefgarage entstehen sollen, derzeit vermietet.

Ansonsten, erklärt Hagn weiter, solle man sich an den Bauherren wenden. Doch die Anfrage gestaltet sich derzeit etwas schwierig. Zum einen, weil nicht ganz klar ist, wie die aktuelle Firmenbezeichnung lautet, und zum anderen, weil bei allen Anfragen unsererseits, sei es an die Gaia Management GmbH oder die De Lago GmbH oder dessen Geschäftsführer Herrn Sachs, ein Herr Haussmann aus Berlin dazwischen grätscht und sich als Ansprechpartner präsentiert. Haussmann war es auch, der uns für die Haussmann Strategic Advisory die folgende Antwort auf unseren langen Fragenkatalog zukommen ließ:

Ich muss Sie leider sehr um Verständnis bitten, dass wir uns zu den Planungen aktuell in der Öffentlichkeit nicht äußern können. Sobald es etwas Berichtenswertes gibt, kommen wir aber natürlich gerne und unaufgefordert wieder auf Sie zu.

Auch eine extrem unspannende und wenig aussagekräftige Antwort, nachdem über vier Jahren seit dem Grundstückserwerb vergangen sind. Doch vielleicht wird ja auch ein ehemaliger Kollege der Tegegernseer Stimme Recht behalten, der in einem Artikel 2018 orakelte: „Die künftige Nutzung der Villa am See ist demnach noch in weiter Ferne.“


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