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Rottacher Anwohner beschweren sich über Trümmerfeld

„Da schaut’s aus wie im Kosovo“

Von Nicole Kleim

Bauschutt, Glasscherben, hier ein umgefallener Bauzaun, da ein kaputter Kühlschrank. Das, was sich auf einem Grundstück in einer noblen Wohngegend von Rottach-Egern nebst einem halb abgerissenen Wohnhaus offenbart, gleicht einem Trümmerfeld. Die Anwohner sind sprach-, die Gemeinde ist machtlos.

Als hätte eine Bombe eingeschlagen: Das Grundstück in der Rosenstraße 3 in Rottach-Egern. / Foto: N. Kleim

„Da schaut’s aus wie im Kosovo“, sagt ein Mieter, der ein Dachgeschoss in der Rosenstraße in Rottach-Egern bewohnt. Von seinem Fenster schaut er direkt auf das Grundstück mit der Hausnummer drei. Dort liegt überall Bauschutt herum. Zerbröckelte Asphaltstücke flacken neben Glasscherben, leeren Büchsen und alten Ziegeln. Irgendwo liegt ein alter Kühlschrank herum. Mittendrin steht ein Wohnhaus, das nur zur Hälfte abgerissen wurde. Ein Trümmerfeld in einer der teuersten Wohngegenden in Rottach-Egern.

„Wer kümmert sich darum?“ fragt Franz Schober (63). Ihm gehört das Haus gegenüber. Seit etwa einem Jahr müssen er, sein Mieter im Dachgeschoss und die anderen Anwohner diesen Anblick ertragen. „Das stinkt uns gewaltig“, ärgert er sich und fügt hinzu: „Dieser Zustand ist eine Katastrophe für die Anwohner und eine Villengegend wie diese“. Seit Juni vergangenen Jahres hätte sich nichts auf dem Grundstück getan.

Stattdessen würden wildfremde Leute ihren Schutt dort abladen, so Schober, und behaupten, sie hätten eine Genehmigung. Erst im Februar, als noch Schnee lag, sei man mit einem Hänger vorgefahren. Beim Geröllabladen hätte man sogar den Bauzaun umgerissen. „Der ganze Dreck geht doch ins Grundwasser“, empört sich Schober. Der Schutt fange bereits an zu schimmeln und sei absolut gesundheitsgefährdend.

Tengelmann Immobilienmanagement GmbH nicht mehr Grundstückseigentümer

Es komme noch soweit, dass sein Mieter im Dachgeschoss eine Mietminderung verlange, mutmaßt er besorgt. Polizei und Landratsamt seien auch schon vor Ort gewesen. Wie Landratsamt-Pressesprecher Birger Nemitz jedoch auf Nachfrage erklärt, hätte es sich dabei um eine „routinemäßige Kontrolle“ gehandelt. Passiert sei nichts, ärgert sich Franz Schober. Von der Gemeinde erhielt er die Auskunft, sie hätte keine Handhabe in dieser Angelegenheit. Dafür sei der Eigentümer zuständig.

Doch wer ist das? Wie berichtet hatte Bauwerber Ernst Tengelmann, Geschäftsführer der Tegernseer Grund Immobilien GmbH und der Tengelmann Immobilienmanagement GmbH, erst im Januar zwei Bauvarianten bei der Gemeinde für das dortige Grundstück eingereicht. Einmal für zwei Einfamilienhäuser mit Doppelgaragen, zum anderen für vier Einfamilienhäuser und Tiefgarage. Letztere Variante wurde vom Ortsplanungsausschuss abgelehnt.

Der Bauzaun liegtam Boden – überall flackt Schutt. / Foto: N. Kleim

Auf Nachfrage erfahren wir, dass der Ernst Tengelmann Immobilienmanagement GmbH das Grundstück gar nicht mehr gehört. Zwar hätte man es ursprünglich einmal gekauft, es aber Mitte des vergangenen Jahres wieder an eine Münchner Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Aktuell laufen Gespräche, so Tengelmann, diesen Verkauf wieder rückgängig zu machen. Noch sei allerdings „nichts definitiv entschieden“.

Warum trotzdem ein Bauantrag von der Ernst Tengelmann Immobilienmanagement GmbH eingereicht werden kann, obwohl diese gar nicht mehr Eigentümer des Grundstücks ist, das erklärt Rottachs Bauamtsleiterin Christine Obermüller: „Es muss nicht unbedingt der Grundstückseigentümer sein, der einen Vorbescheid oder Bauantrag stellen kann.“

Auch Dritte – wie beispielsweise Immobilienmakler, Bauträger oder Privatpersonen – könnten über ein X-beliebiges Grundstück – ohne Wissen des Eigentümers – einen Antrag einreichen. Ein solcher Vorbescheid sei eben von der Ernst Tengelmann Immobilienmanagement GmbH im Januar für die Rosenstraße 3 eingegangen.

Doch wer lagert dort seinen Bauschutt ab?

„Der Käufer des Grundstückes hatte bereits mit dem Abbruch des bestehenden Altbestandes begonnen“, erklärt Ernst Tengelmann die Situation, „diesen dann aber nicht zu Ende geführt.“ Der auf dem Grundstück vorhandene Bauschutt stamme vom Altbestand und keinesfalls von anderen Baustellen, versichert er. Dies wiederum brächte das Landratsamt ins Spiel, sobald die öffentliche Sicherheit gefährdet – oder eben eine weitere Sicherung der Baustelle notwendig ist.

Wer also das Material auf dem Grundstück ablagert, so wie es die Anwohner beobachtet haben, ist bislang ungeklärt. Wer aber beim Betreten des Grundstücks erwischt wird, begeht einen Strafbestand. In diesem Fall könnte und sollte der Eigentümer eine Strafanzeige erstatten, wie Pressesprecher Nemitz auf Nachfrage erklärt.

Unabhängig jedoch vom Ausgang der Rückkauf-Verhandlungen hätte die Ernst Tengelmann Immobilienmanagement GmbH bereits vor einigen Wochen Fachfirmen damit beauftragt, den „mehr als unerfreulichen Ist-Zustand“ zu beseitigen.

So langsam verlagert sich das Geröll auf die Privatstraße. / Foto: N. Kleim

Das heißt, das restliche Wohnhaus soll komplett abgerissen, und der Bauschutt beseitigt werden. Tengelmann geht davon aus, dass dies noch bis zum Ende dieses Monats erfolgen wird. Auch er halte die momentane Situation für „unzumutbar“. Besonders in Bezug auf die Nachbarschaft läge ihm eine schnelle Abwicklung am Herzen.

Die in Frage kommenden Fachfirmen waren nicht in der Lage, diese Arbeiten zu einem früheren Zeitpunkt auszuführen, was uns sehr viel lieber gewesen wäre.

Nebenbei hat Ernst Tengelmann – zusammen mit Rainer Leidecker – ein anderes Projekt laufen. Wie berichtet baut deren „Projektgesellschaft Seestraße 19-21 Rottach-Egern Verwaltungs GmbH“ bei der ehemaligen Seeperle ein Luxushotel mit einem Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro.

Dort ist neben dem Hotel mit 102 Zimmern, ein Almhaus mit Restaurant, ein Wellnessbereich samt Schwimmbad im Untergeschoss, Technik- und Lagerräume, sowie 88 Stellplätze in der Tiefgarage. Die Seeperle wurde vom Abbruchunternehmen Ettengruber dem Erdboden gleichgemacht. Auch dort mussten zig Tonnen Schutt abtransportiert werden.


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