Der „Loisl“ vom Wallberg-Moos

von Rose Beyer

„Nach so vielen Jahren nach Rottach gefahren
Alte Plätze sind richtige Schätze
Bei Kratzers gewesen, abseits vom Bösen
In Sonne gesessen, Kassler gegessen
Daran gedacht, wie früher gelacht
Kalt geworden, Wolken im Norden“

Promi-Schau im alten Hüttenbuch
Dieser Eintrag aus dem alten Hüttenbuch der Wallbergmoos-Alm sagt alles aus darüber, wie sehr Wanderer schon früher die Gastfreundschaft in dem 1.117 Meter hoch gelegenen Berggasthaus genossen hatten.

Roy Black, Uschi Glas, Peter Weck und andere. Zahlreiche Promis kehrten gerne ein und verewigten ihre Autogrammkarten im Hüttenbuch.

Ob sie wohl zu Fuß gegangen waren? Oder sich die bequeme Wallberg-Autostraße heraufkutschieren haben lassen, die hier – im sogenannten „Scharlinger Moos“ – endet?

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Keine Verbindung zum Wallberg-Unterkunftshaus

In der Zeit von 1936 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges hatten österreichische Legionäre die Autostraße gebaut. Initiator war der Verkehrsverein Rottach-Egern, unter dem damaligen Vorsitzenden Anderl Popp. Das Kapital hatte eine Interessengruppe aufgebracht, die sich aus Rottacher Bürgern zusammensetzte. Nach dem Krieg war man, bedingt durch den Bau der Wallbergseilbahn, am Weiterbau bis zum geplanten Ziel – Wallberg-Unterkunftshaus – nicht mehr interessiert.

Quelle: AK-Ansichtskarten.de

Den Wirt der am Ende der Ausbaustrecke liegenden „Moos-Alm“ – den „Loisl“ – kannte damals im Tal offenbar jeder. Laut Hüttenbuch hatten er und seine Frau Tina zahllose zufriedene Besucher bei “Herzoglichem Bier” und “heiterer Stimmung” zu Gast. Alois Kratzer, einer der bekanntesten Schispringer in den 30er-Jahren und Starter unter anderem am Holmenkollen in Norwegen, hatte die Hütte im Jahre 1948 gegründet, als er aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war.

Vor der Einberufung war er Olympiateilnehmer 1928 in Sankt Moritz und Gewinner zahlreicher Wettkämpfe. Bei der Olympiade 1936 in Garmisch-Partenkirchen begeisterte er mit seinem Eröffnungssprung. Er errang den Titel „bester Mitteleuropäer“ und nahm während seiner sportlichen Laufbahn insgesamt 512 Preise mit nach Hause. Im September 1990 verstarb der „Loisl“, wenig später auch seine Frau Tina.

Neuer Wirt – alte Bestimmung

Tochter Aloisia Mauermayer ließ die Berggaststätte nach dem Tode ihrer Eltern renovieren und modernisieren. Ab 1991 pachteten Anna Maria und Christian Reischl die Hütte. Seit 2008 wird sie von Tanja und Thomas Butz bewirtschaftet. Auch eine Freilichtbühne ist hier inzwischen entstanden. „Tom“ Butz, der früher einmal beim Finanzamt Miesbach beschäftigt war, geht in seiner Tätigkeit als Wirt voll auf. Eine sinnvollere Tätigkeit, als „Leute auf dem Berg glücklich zu machen“, können er und seine Frau sich gar nicht mehr vorstellen.

Ausblick kurz vorm Wallbergmoos

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