Kunst erleben durch das Guck- und Verstärkerloch:
Ein ewiger Platz für die “Eternity” in Tegernsee

von Sabiene Hemkes

Ein ganz besonderer Kalkstein. Der Name der Skulptur – wie eine Verheißung. Eine ganze Stadt ist Besitzer. Der Künstler ist in der Welt bekannter als hier in seiner Heimat. Aber wo soll “Eternity” jetzt ewig eine Heimat finden?

Schon bald wird die Skulptur “Eternity” des Valleyer Bildhauers Tobel an ihren neuen Standort auf der Treppe zum Kurgarten in Tegernsee umsiedeln.

Kunst im öffentlichen Raum wird immer gern gesehen. Besonders in so Kultur-affinen Städten wie Tegernsee. Der Heimat des international renommierten Olaf Gulbransson Museums mit seinen international beachteten Ausstellungen. Da lassen sich die Stadtoberen nicht lumpen und kaufen auch mal Kunstwerke aus dem Stadtsäckel. Die Skulptur “Eternity” des international geschätzten Künstlers Tobel aus Valley ist bereits der dritte Kunstkauf der Stadt Tegernsee in den letzten acht Jahren.

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Zurzeit steht Eternity, eine aus Kalkstein aus dem Altmühltal gefertigte Skulptur, vor dem Tegernseer Rathaus. Dort wurde das Kunstwerk vor etwas mehr als einem Jahr aus Anlass der 71. Tegernseer Kunstausstellung aufgestellt. Doch Eternity, wie das Kunstwerk von seinem Schöpfer Tobel aus Valley genannt wird, benötigt eine “ewige” Heimat in der Tegernseer Innenstadt. Auf der letzten Stadtratssitzung beschlossen die Räte mit drei Gegenstimmen, dem Wunsch des Künstlers zu folgen und gaben dem vier Tonnen schweren Koloss den sehr präsenten Platz auf der Treppe des Kurparks.

Tobel, der in München geborene Bildhauer, nimmt einen festen Platz in der oberländischen Kunstwelt ein. Im Juli 2022 organisierte der Künstler zusammen mit seiner Frau, Schauspielerin Christiane Ahlhelm, das International Kunstduenger e.V. Sculpture Symposium zum 10. Mal. Tobel, der von der Stadt einige mögliche Standorte zur Auswahl erhielt, wählte selbst den Platz auf der Treppe für Eternity aus:

Meine Frau und ich haben diesen Ort aufgrund seiner Nähe, und damit der unmittelbaren Verbindung, zum Olaf Gulbransson Museum ausgewählt.

Der Platz auf der Treppe biete zudem technisch optimale Voraussetzungen und ermögliche die Einbeziehung der See- und Bergwelt in das Erleben seiner Skulptur. Das Thema der “endlosen Spiralen” – im kleinen wie im großen – ist charakteristisch für Tobels Werk. Ebenso die Unversehrtheit des Objektes in seiner Gesamtheit. Tobels künstlerische Arbeit konzentriert sich auf das Innere des Steins, den er mit Leben füllt. Außen bleibt der Zustand natürlich, roh und absolut still.

Unter den Tegernseer Räten hat der Blick durch die Spirale der “Eternity” spürbar einen besonderen Eindruck hinterlassen. Der Blick durch das kleine “Guckloch” auf den beiden Seiten der Skulptur, biete auf der Treppe zum Kurgarten stehend, einen einmalig “fokussierten” Blick auf die Schönheit des Panoramas am Tegernsee. Tobel kann den optischen Aspekt der Wahrnehmung der “Eternity” durchaus nachvollziehen, ist aber selbst von der Erfahrung des “Lauschens” durch den selbst lautlosen Stein noch mehr angetan:

Eternity besitzt die Eigenschaften eines großen Verstärkers. Das müsst ihr einfach mal ausprobieren. Das Klangerlebnis ist einzigartig.

Tobel, der, wie viele andere freie Künstler in der Region, in der Pandemie wirklich keine einfache Zeit erlebt, freut der Ankauf der Skulptur durch die Stadt Tegernsee. “Schon seit 15 Jahren laufen Gespräche über den Kauf einer meiner Werke mit der Stadt. Schön, dass es jetzt geklappt hat”, betont der international renommierte Bildhauer. Es sei nicht so einfach, im Landkreis als Künstler zu bestehen.

Benötigt eine Gesellschaft die Kunst in herausfordernden Zeiten?

Auch wenn der Landrat der Schirmherr des jährlich stattfindenden Bildhauer-Symposiums in Valley sei, gebe es weder Fördergelder noch ausreichend Sponsoren für die Veranstaltung, berichtet der 54-Jährige mit bitterem Unterton. “In den aktuellen Krisen”, so der Künstler weiter, werde sich die Situation wohl kaum zum Positiven wenden. Dabei habe gerade in herausfordernden Zeiten die Kunst eine so wichtige Funktion in der Gesellschaft. Das leben Tobel und seine Frau auch vor.

Im März rief Ahlhelms Verein Kunstdünger, mit der Unterstützung einer von Monika Ziegler und der Kulturvision initiierten spontanen Spendenaktion, das Artist-in-Residence-Programm ins Leben. Erster Stipendiat ist der iranische Bildhauer Saed Ahmadi. Der gebürtige Iraner war kurz nach Kriegsausbruch mit seiner Familie aus Charkow geflohen. Nun arbeitet er gemeinsam mit Tobel im Atelier in Valley.

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